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Trendwende : Wieder mehr Pastoren in die Gemeinden

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Aus Sorgen vor fehlendem Nachwuchs: Wie der Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf Arbeitsplätze für Seelsorger attraktiver machen will.

Der Dorfpolizist? Praktisch ausgestorben, Kleine Schulen? Kämpfen ums Überleben. Freie Landarztpraxen? Kaum noch zu besetzen. Und der Gemeindepastor? Ist wieder stark im Kommen. Nach Jahren der Zentralisierung vollzieht sich jetzt im Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf eine bemerkenswerte Trendwende. Das fängt mit dem Verteilungsschlüssel an. Wo es bislang für 2400 bis 2800 Schäfchen rein rechnerisch einen Seelsorger gab, sollen künftig 2200 Gemeindemitglieder für eine Planstelle reichen. So jedenfalls wird es ein Sonder-Ausschuss der Kirchenkreis-Synode vorschlagen. Gleichzeitig sollen Pastoren vor Ort von möglichst vielen Verwaltungs- und organisatorischen Aufgaben entlastet werden.

Der Kirchenkreis will sich mit seinen Pastoren nicht nur auf deren eigentlich ureigene Aufgaben begrenzen. Vor allem will man die Stellen auch für den beruflichen Nachwuchs attraktiver machen. „So ab 2020 brechen bezogen auf die gesamte Nordkirche die Zahlen weg“, weist Propst Dr. Thomas Bergemann auf eine bevorstehende Pensionierungswelle hin. Um eine Wiederbesetzung vakanter Pfarrstellen sichern zu können, müssten die Arbeitsplätze für die Bewerber interessanter werden. Bergemann stimmt damit in das Klagelied über einen schon jetzt spürbaren Fachkräftemangel auch in vielen anderen Branchen ein. Junge Pastoren ziehe es eher nach Hamburg oder an die Ostsee als in den Kirchenkreis rund um Itzehoe und Elmshorn. Noch immer leidet die Region zudem unter einem eher negativen Image aus früheren Zeiten. Auch in Kirchenkreisen, so Bergemann, so einst vom „Kreis Steinzeit“ die Rede gewesen.

Dem will der Kirchenkreis nun mit modernen und attraktiven Betätigungsfeldern für Pastoren begegnen. Das fängt bei der konkreten Arbeit in der Gemeinde an. „Pastor zu sein, ist richtig gut“, wirbt der Itzehoer Dietmar Gördel für seinen Beruf. Allerdings schrecke so manchen auch die hohe Arbeitsbelastung und mitunter sogar eine drohende Vereinzelung ab. Ein Rezept: Die Pastoren sollen sich in ihren Gemeinden nicht länger in einer Vielzahl von Aufgaben oder Aktivitäten verzetteln. Je nach Neigung und Interesse könnten sich mehrere Stelleninhaber verstärkt zu Teams zusammenschließen. Einer kümmert sich dann zum Beispiel um die Pfadfinder, ein anderer um die Frauenarbeit. „Dazu müssen sich die Gemeinden aber auch noch mehr öffnen“, sagt die Glückstädterin Gabrile Schinkel. Gelinge dies, sei dies für alle ein Gewinn.

Ein ungelöstes Problem ist die von der Landeskirche vorgebenene Verpflichtung, eine Dienstwohnung zu beziehen – in der Regel das örtliche Pastorat. „Dann müssen die Pastoren dort ja nicht nur die Miete, sondern oft auch sehr hohe Heizkosten bezahlen“, weiß Gabriele Schinkel. Hinzu komme eine „gefühlte 24-Stunden-Bereitschaft“, was viele junge Kollegen auch nicht mehr wollen. Gördel: „Wir wollen die Gemeinden noch mehr sensibilisieren, ihre Pastorate gut in Schuss zu halten.“

Bei der Pflicht zum Bezug von Dienstwohnungen sieht aber auch Propst Bergemann Handlungsbedarf. „Da kämpfen wir für eine Änderung der Regelungen.“ Es ist nicht seine einzige Front. So bringt Bergemann sein Unverständnis gegenüber einer Vorgabe der Landeskirche auf, keine Pastoren aus anderen Landeskirchen mehr „ins Land zu lassen“. Ergebnis: Eine freie Pastorenstelle in Kremperheide kann nicht besetzt werden, obwohl es einen Bewerber gibt, den alle Beteiligten eigentlich gerne haben wollen.

Bleibt das erklärte Ziel, alle Pastorenstellen im Kirchenkreis attraktiver zu machen. Bergemann: „Meine Vision für Stellenausschreibungen ist: Wer zu uns kommt, muss nur noch halb soviel Verwaltungsarbeit leisten.“ Dietmar Gördel kann da nur beipflichten: „Ich bin schon froh, wenn ich nicht mehr jeden Tag auf dem Friedhof nach dem rechten sehen oder mit drei Bürgermeistern über Kita-Plätze verhandeln muss.“ Schließlich sei er Pastor geworden, weil „ich die frohe Botschaft vermitteln und nicht, weil ich gerne etwas verwalten will“.

Fazit Dr. Bergemann: „Uns fehlen vor allem auch mit Blick in die Zukunft die Köpfe. Und die Köpfe, die wir haben, wollen wir an die Basis schicken.“ Unterm Strich, so der Vorschlag an die November-Synode, soll die Umstellung natürlich möglichst kostenneutral laufen, was am Ende nur zu Lasten der übergemeindlichen Aufgaben gehen könne. Bleibt das Image-Problem. Pastor Gördel: „ Junge Leute müssen erkennen, dass wir hier nicht an der Packeisgrenze leben.“ Das kann auch Gabriele Schinkel nur bestätigen. Derzeit macht sie Vertretung in Herzhorn, das sie „als total tolle Gemeinde erlebt“. Davon will sie auch die Teilnehmer eines Ausbildungskurses von 13 Vikaren überzeugen. Noch ist der Kirchenkreis Ausbildungsregion – und man hofft, dass der ein oder andere junge Pastor und die junge Pastorin Geschmack an Rantzau-Münsterdorf und den hier lebenden Menschen findet.

 

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erstellt am 31.Aug.2014 | 16:18 Uhr

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