Wie kommt das Plutonium in die Elbe?

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13. August 2010, 07:43 Uhr

Elmshorn | Die Elbe ist mit Plutonium belastet. Das steht fest. Doch woher der radioaktive Stoff stammt, ist unklar. Der Elmshorner CDU-Landtagsabgeordnete Michael von Abercron wollte es genau wissen und hat eine Kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt. Eventuell stammt das Plutonium, das für die Bevölkerung ungefährlich sein soll, aus Frankreich.

Mit dem freien Austausch von Gütern innerhalb der EU hat dieser Fall nichts zu tun. Dennoch sorgen - unfreiwillige - Importe aus anderen Ländern für Aufregung im Kreis Pinneberg und bei anderen Elbanrainern. Es geht um Plutonium, das in der Elbe nachgewiesen worden ist. Wie der radioaktive Stoff in den Fluss gelangt ist, war bislang unklar.

Nun hat der Elmshorner CDU-Landtagsabgeordnete Michael von Abercron bei der Landesregierung nachgefragt. Die Antwort: Möglicherweise stammt das Plutonium in der Elbe aus England oder Frankreich. Möglicherweise. Das bedeutet, dass eine endgültige Klärung nach wie vor aussteht.

Das Vorkommen von Transuranen in der Elbe, besonders Plutonium und Americium, hat das Bundesumweltministerium bereits vor einigen Jahren festgestellt und in seinen Jahresberichten veröffentlicht. Doch den Hinweis auf die Ursache für diese radioaktiven Stoffe blieb das Ministerium stets schuldig. Das wollte Valerie Wilms, Bundestagsabgeordnete der Grünen, nicht länger hinnehmen und fragte per Kleiner Anfrage bei der Bundesregierung nach. Doch die Antwort war ernüchternd, so Wilms. Die Bundesregierung habe lediglich beschwichtigt. "Die Werte in der Unterelbe werden als radiologisch völlig unbedeutend eingeschätzt", sagte Wilms. Deshalb werde nicht weiter nach der Ursache für die Belastung gesucht.

Die Landesregierung hält die Konzentration der Transurane ebenfalls für "radiologisch unbedeutend", wie Abercron auf seine Anfrage erfuhr. Die vorgefundene Konzentration führe "auch bei ungünstigsten Annahmen zu keiner relevanten Strahlenexposition der Bevölkerung".

Sicher ist, dass Transurane nicht natürlich vorkommen, sondern von Menschen hergestellt werden. Und Messungen in der Elbe haben ergeben, dass das Plutonium nicht von Rückständen der weltweiten Atomversuche stammt. Aber woher dann? Laut Landesregierung scheiden deutsche Kernkraftwerke an der Unterelbe "als Verursacher für die Plutoniumbelastung aus".

Die Bundesregierung hat einen Zusammenhang mit den Wiederaufbereitungsanlagen in England und Frankreich nicht ausgeschlossen, aber für unwahrscheinlich gehalten.

Das beurteilt die Landesregierung etwas anders: "Ein Plutoniumeintrag mit der Tideströmung aus der Nordsee in das Tidesystem der Unterelbe ist nicht auszuschließen, damit ebenfalls nicht die nuklearen Wiederaufbereitungsanlagen in Sellafield beziehungsweise La Hague als denkbare Verursacher.

Es spreche viel für die Wiederaufbereitungsanlage als Ursache der Plutoniumbe lastung, meint auch Aber cron. Es sei nun jedenfalls klar, dass die Kernkraftwerke an der Unterelbe als Verursacher ausschieden. Und es werde deutlich, dass von der Belastung des Flusses keine reale Gefahr für die Bevölkerung ausgehe. Als Beitrag zur aktuellen Debatte um die Kernenergie tauge der Fall folglich nicht.

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