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Norddeutsche Rundschau

24. Oktober 2017 | 02:55 Uhr

Kultur : Wie klingt Itzehoe ?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Auf Initiative des Kulturvereins K9 entdecken Schüler, Blinde und Sehbehinderte die Töne der Stadt

von
erstellt am 14.Jan.2016 | 04:41 Uhr

Wie klingen die Blätter eines Baumes an der Alten Landstraße, wenn sie sich im Wind bewegen? Welche Geräusche gibt es eigentlich im Park im Klosterhof? Und wie hört sich die Wasserfontäne des Brunnens auf dem Berliner Platz an? Wer durch Itzehoe schlendert, muss genau hinhören, wenn er die großen und vor allem die kleinen Geräusche dieser Stadt entdecken will. Genau das hat der Kulturverein K9 in einem groß angelegten Projekt vor, an dem sich Itzehoer Schüler, der Blinden- und Sehbehindertenverein sowie der Offene Kanal Westküste beteiligen. Sechs Monate lang wollen sich die Teilnehmer in die Perspektive von Blinden und Sehbehinderten versetzen, auf ihren Gehörsinn vertrauen und Töne in Itzehoe entdecken.

„Am Ende soll ein digitales Produkt in Form einer App, eines USB-Sticks oder einer CD stehen, in dem die verschiedenen Klänge der Stadt gebündelt sind“, sagt K9-Vorsitzende, Ingrid Ebinal. Dieses Produkt könne zum Beispiel Blinden und Sehbehinderten an die Hand gegeben werden. „Anhand von Orientierungspunkten, die zum Klingen gebracht wurden, können sie auf Klangpfaden ihre Stadt entdecken“, so Ebinal.

Wichtiger Partner des Projekts ist daher der Blinden- und Sehbehindertenverein Steinburg, der seit Jahren das Fehlen eines Blindenleitsystems in der Itzehoer Innenstadt beklagt. „Wir nehmen bestimmte Töne und Geräusche viel intensiver wahr“, sagt Vorsitzender Karl Friedrich Steltmann und schildert beim Fototermin im Klosterhof seine Eindrücke: Vogelgezwitscher höre er, Stimmen, Fußgetrappel, ein Auto, das vorbeifährt. All diese Geräusche könnten Eingang in das Projektmaterial finden.

Wie genau das Endprodukt aussehen wird, kann Ingrid Ebinal jetzt noch nicht sagen. Das bleibe vor allem der Kreativität von Schülern der Kaiser-Karl-Schule (KKS) überlassen, die zusammen mit Mitgliedern des Blindenvereins und einem blinden Schüler der Steinburgschule auf Klangsuche gehen werden. Vier Zehntklässler der Arbeitsgemeinschaft Tontechnik sowie 20 Siebtklässler sollen in Exkursionen Klänge entdecken und mit Aufnahmegeräten einfangen, erläutert Musiklehrer Matthias Rheinländer das Konzept. Während die Siebtklässler hauptsächlich an den Klangpfaden für Blinde arbeiteten, sollen sich die Zehntklässler vor allem künstlerisch mit dem Thema Klang auseinandersetzen. „Sie können zum Beispiel Klänge der Stadt zu einem Rhythmus verarbeiten“, sagt Rheinländer. Nach Möglichkeit sollen Klangkünstler ins Projekt mit eingebunden werden.

Der Zeitplan ist eng. Ende Januar wollen sich die Teilnehmer zum ersten Mal treffen. „Bis April muss alles im Kasten sein“, sagt Ingrid Ebinal. In den folgenden Wochen müsse das Material dann bearbeitet und geschnitten werden. Dabei leiste der Offene Kanal Westküste aus Heide fachliche Unterstützung. Ende Juni solle das fertige Produkt der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Finanzielle Unterstützung, etwa zur Deckung von Fahrt- und Materialkosten, erhält der Verein K9 von einigen Unternehmen und der Landesregierung. Weitere Sponsoren würden gesucht. Ferner dürften sich Blinde und Sehbehinderte, die an dem Projekt mitarbeiten möchten, gerne melden. Die K9-Vorsitzende verspricht: „Es wird ein Projekt, das Spaß macht, Service bietet und die Aufmerksamkeit auf die Probleme der Blinden und Sehbehinderten lenkt.“

>Kontakt: Ingrid Ebinal: 04825/901943, admin@k9-kultur.de

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