Umfrage : Wie herrlich ist es, nichts zu tun...

Nichtstun? Für Simon Kopietz im Moment keine Option, denn seine Abschlussarbeit steht an.
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Nichtstun? Für Simon Kopietz im Moment keine Option, denn seine Abschlussarbeit steht an.

Aus Anlass des US-amerikanischen Nichts-Tages hat unsere Zeitung sich in Glückstadt umgehört: Was tun Sie, wenn Sie mal nichts tun?

shz.de von
16. Januar 2015, 17:05 Uhr

Es gibt fast nichts, das es nicht gibt. Kaum verwunderlich also, dass in Übersee auch das Nichts gefeiert wird: In den USA wird heute, frei übersetzt, der „nationale Nichts-Tag“ begangen. Der amerikanische Kolumnist Harold Pullman Coffin, Vater der Idee, rief den „National Nothing Day“ am 16. Januar 1973 erstmalig aus. Seit nunmehr 42 Jahren werden über 200 Millionen Menschen am heutigen Datum daran erinnert, mal abzuschalten, zu entspannen und nichts zu tun. Unsere Zeitung hat das zum Anlass genommen, sich in Glückstadt einmal umzuhören, wie das Nichtstun eigentlich geht. „Was tun Sie, wenn Sie mal nichts tun?“, lautete unsere Frage.

„Nichts tun, geht nicht“, sagt Michael Barte. Damit positioniert er sich jedoch nicht als Gegner von Freizeitaktivitäten. Ganz im Gegenteil: Wenn es beruflich mal nichts zu tun gibt, trifft sich der 52-Jährige gern mit Freunden, schwimmt oder ist mit dem Fahrrad unterwegs. „Selbst wenn ich schlafe, tue ich aber etwas“, sagt Barte und lacht. Den Nichts-Tag feiert er 365 Mal im Jahr beim Thema Geschirrspülen. Das ist so gar nicht sein Ding. Den Job übernimmt zuhause die Geschirrspülmaschine.

Vom Nichtstun hat Reinhard Bührens eine sehr genaue Vorstellung: „Wenn ich mal nichts mache, dann schnappe ich mir meine Kamera und mache Fotos an der Elbe und in Glückstadt“. Die Jagd nach schönen Fotomotiven sei für ihn zu einer Art Urlaubsersatz geworden, weil er immer noch gut und gerne im Berufsleben stehe, erklärt der 62-Jährige. Er macht keinen Hehl daraus, dass lange Reisen mit dem Auto nicht mehr sein Ding sind. Früher sei das anders gewesen, erklärt Reinhard Bührens: „Da bin ich mit dem Van meines Bruders in 20 Stunden von Glückstadt nach Montecarlo gedüst, um Teile für das Elektronikfachgeschäft zu transportieren.

Weite Strecken mit dem Auto sind für Simon Kopietz wiederum kein Problem. Der Maschinenbaustudent aus Trier chauffierte in diesen Tagen eine Bekannte aus dem Süden bis nach Glückstadt und hält sich noch für ein paar Tage in einer Pension im Herrenfeld auf Abruf bereit. Nichtstun kommt für ihn auch in der Idylle nicht in Frage. Schließlich steht die Abschlussarbeit an. Und danach wünscht sich der 28-Jährige einen nahtlosen Übergang in eine Anstellung. Vielleicht sogar hier im hohen Norden. Nur an das Klima müsste er sich gewöhnen und an den Regen. Den hat er nämlich nicht so gern.

Auch Bernd Nielsen ist zu Besuch in der Stadt. Der Hamburger Unternehmensberater, der allein schon aus beruflichem Interesse darauf bedacht ist, für seine Kunden den größtmöglichen Nutzen bei geringstem Aufwand zu erzielen, sympathisiert mit dem Nichts-Tag. Der 62-Jährige sagt: „Ich übe und vervollständige meine Fertigkeit im Nichtstun und Nichtsdenken und versuche die Zeit dafür möglichst auszuweiten.“ Das sei durchaus schwierig, findet der Nachfolge-Spezialist und fasst nüchtern zusammen: „Meine Fähigkeit im Nichtstun steht in keinem Verhältnis zur Zeit, die ich dafür aufgewendet habe.“

Übrigens: Bei unserer Frage „Was tun Sie, wenn Sie nichts tun?“, winkten viele Frauen ab. Liegt es daran, dass sich das weibliche Geschlecht nicht mit dem Nichtstun identifizieren kann? Auf der Facebookseite der Glückstädter Fortuna sind weitere Kommentare zum Thema gerne gesehen.


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