Wie geht es weiter mit dem Euro ?

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Angehende Gesundheits- und Krankenpfleger im Dialog mit dem Chefvolkswirt der Deutschen Vermögensberatung

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31. Mai 2015, 12:22 Uhr

Dreht man die Zeiger der Uhr auf das Jahr 2002 und erinnert sich zurück an die erste Euromünze, die man in der Hand hielt, dann fallen besonders den älteren Generationen kleine Anekdoten ein. Um schon mal „üben“ zu können, bekam man in der Zeit davor Spielgeld aus Pappe, und Taschenrechner mit dem Euro-Zeichen hatten Hochkonjunktur.

Bis heute rechnen viele Menschen, die vor den 90er-Jahren geboren sind, immer noch in Mark um. Was ist seither passiert? Was hat der Euro aus uns gemacht und wir aus ihm? Ist wirklich alles teurer geworden, und wie geht es mit unserer Währung überhaupt weiter? Was bedeutet das Wort „Eurokrise“ für uns und warum sieht ganz Europa nach Griechenland?

Antworten hat Dr. Ralf-Joachim Götz, Direktor und Chefvolkswirt der Deutschen Vermögensberatung (DVAG), der für das Projekt Zeitung in der Schule, kurz Zisch, 32 Azubis der Gesundheits- und Krankenpflegeschule in Itzehoe besuchte.

Zu ihrem Unterrichtsprogramm gehört auch „Europa als Lern – und Bildungsort kennen lernen“. Dafür unternahm die Klasse vor wenigen Wochen einen Ausflug nach Amsterdam – ein guter Einstieg zum Thema Euro und Europa, wie der Chefvolkswirt findet. „Es lohnt sich immer, wenn man sich mit unserer Währung beschäftigt“, macht Götz den Auftakt.

Grundsatzfrage aus den Stuhlreihen: Ist in Deutschland seither wirklich alles teurer geworden? Das beantwortet der Experte der DVAG mit einem klaren „Jein“. Jan-Hendrik Boyn weiß: „Elektronikartikel beispielsweise sind heute viel günstiger als noch vor 20 Jahren.“ Bei Lebensmitteln und Immobilien hingegen sei der Preis deutlich gestiegen.

Deutlich wird dies auch anhand der sehr langfristigen Beobachtung von Preisen: „Während ich 1966 für eine Kugel Eis umgerechnet fünf Cent und für einen Kinobesuch 50 Cent bezahlt habe, kosten diese heute einen Euro beziehungsweise zehn Euro. Das ist eine Preissteigerung von etwa sechs Prozent pro Jahr“, sagt Götz, der 1960 geboren ist.

Gleichwohl sind die Verbraucherpreise insgesamt in den letzten 50 Jahren nur um rund 2,6 Prozent pro Jahr gestiegen. Ob nun im täglichen Leben tatsächlich mehr bezahlt werden muss, „kommt vor allem auf den persönlichen Warenkorb an“, sagt der Finanzexperte.

Doch was ist denn der Euro überhaupt? Der Euro ist die einheitliche Währung der 19 Mitgliedsstaaten der Euro-Zone. Während die gesamte Europäische Union (EU) mit 28 Mitgliedsstaaten ein Binnenmarkt ist, hat nur ein Teil der EU den Euro. Länder wie Dänemark und Schweden wollten ihn bisher nicht haben. Das heißt, dass über 330 Millionen Menschen mit dem Euro bezahlen. „Er sollte nicht nur den Zahlungsverkehr in Europa vereinfachen, sondern auch Zusammenhalt symbolisieren“, ergänzt Dr. Ralf-Joachim Götz.

Das ist wichtig. Denn an der Weltbevölkerung von über sieben Milliarden Menschen hat Europa mit rund 750 Millionen Einwohnern einen eher kleinen Anteil. Asien stellt mit 4,3 Milliarden Köpfen den größten Anteil. „Die wachsende Bevölkerung dort wird unsere Welt noch weiter verändern“, ergänzt Götz.

Gemeinsam mit der Klasse unternimmt er einen Ausflug in die große Wirtschaftspolitik und geht auch auf die Folgen niedriger Zinsen für Sparer ein: Wer beispielsweise früher Geld zu sieben Prozent Zinsen angelegt hat, erzielte nach etwa zehn Jahren eine Verdoppelung seines Vermögens durch Zins und Zinseszins. Bei heute gängigen „Magerzinsen“ von 0,1 Prozent benötigt man dafür etwa 700 Jahre!

„Warum gibt es nicht eine Währung für die gesamte Welt?“, will Malte Fuchs wissen. „Das würde nicht funktionieren, dafür sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Mentalitäten einfach zu unterschiedlich“, lautet die Einschätzung des Chefvolkswirts.

Auch das Thema Griechenland und die „kreative Buchführung“ kommen auf den Tisch und damit die Frage, ob Länder auch wieder aus der Euro-Zone ausgeschlossen werden sollten. Die Antwort lässt nicht auf sich warten: „Für die Zukunft Europas ist es wichtig, dass alle an einem Strang ziehen. Doch wenn in einem Land kein Wille für Veränderung erkennbar ist, dann kann ein Austritt eine Möglichkeit sein.“

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