Wie früher: Ewer Frieda löscht Fracht

Historische Schiffsbeladung: Jürgen Albers aus Hamburg (re.) zeigt gemeinsam mit Steuermann Dieter Leheis das Laden und Löschen seines Ewers „Frieda“.
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Historische Schiffsbeladung: Jürgen Albers aus Hamburg (re.) zeigt gemeinsam mit Steuermann Dieter Leheis das Laden und Löschen seines Ewers „Frieda“.

Matjesmeile: Treckerscheune Bahrenfleth und Schiffseigner demonstrieren Historisches

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08. Juni 2015, 17:33 Uhr

Heute laden automatisierte Kräne im Hamburger Hafen getaktet Container auf Lastwagen, die die Waren an ihren Bestimmungsort bringen. Aber wie wurden Waren vor hunderten Jahren verladen und vom Schiff aus verteilt? Das live mitanzusehen, haben die Besucher der Matjeswochen in Glückstadt nun die Gelegenheit. Denn die „Treckerscheune Bahrenfleth“, die schon seit einigen Jahren mit einem eigenen Stand vertreten ist, wird dies in diesem Jahr gemeinsam mit einem historischen Schiff demonstrieren.

Mit ihrem Ansprechpartner vor Ort, Peter-Jörg Mahn von der Interessengemeinschaft „Matjeswochen auf dem Wasser“ hatten sie die Idee schon vor zwei Jahren, wie der Vorsitzende der Treckerscheune, Andreas Mohr, schildert. „Bislang hat das leider noch nicht geklappt, nun haben wir aber rechtzeitig Kontakte geknüpft.“

So wird Jürgen Albers aus Hamburg mit seinem Ewer „Frieda“ nun an der „Spiel und Spaß“-Veranstaltungsmeile (vom Hafenkopf aus gesehen auf der rechten Seite) anlegen und die historische Szene nachspielen. Der 27 Meter lange Einmaster wurde 1909 gebaut. Gefahren wurde mit der „Frieda“ einst überwiegend Getreide, Kunstdünger, Zement und viele andere Güter auf der Elbe, Weser und Ostsee.

Am Hafen hat die Treckerscheune einen eigenen Stand, der von 10 bis 17 Uhr von zehn Mitgliedern betrieben wird. Live vor Ort wird vom Ewer Fracht gelöscht. „Verladen werden Sackwaren mit Gemüse, Transport-Kisten mit Kohle und Stückgut sowie ein Bierfass. Sie werden aus dem Laderaum an Land gehievt“, erklärt Schiffseigner Jürgen Albers. Mit einem etwa zehn Meter langen Ladebaum mit Ausleger werden die Lasten vom Ewer auf einen Trecker der Treckerscheune mit Anhänger umgeladen. „Die Last wird angepickt, herüber geschwenkt und abgeladen“, schildert Andreas Mohr. „Das sind etwa 20 Einzelteile.“

Die Verladung erfolgt mit Bordmitteln. „Dafür werden die Segel abgenommen und der Mast in einem 45-Grad-Winkel aufgestellt. Die Waren werden mit einer Handwinde am Lasthaken hochgezogen und auf dem Trecker wieder abgeladen“, so Albers. Der „Bulldog“ mit Anhänger dreht dann eine kleine Runde übers Gelände, fährt wieder ans Schiff und lädt die Waren wieder zurück. Geübt werden konnte die Szene bisher nur eine Woche vorher am Hafen in Elmshorn. „Das klappte sehr gut“, freute sich Albers.

Dies dauert alles zusammen etwa eine halbe Stunde mit Ab- und wieder Aufladen, soll aber ab 10 Uhr alle zwei Stunden wiederholt werden. Allerdings geschieht das nur am Sonnabend, weil das Schiff am Sonntag mit dem Hochwasser wieder auslaufen muss. „In diesem ersten Test werden wir unsere Erfahrungen sammeln und diese für die nächsten Jahre dann ausbauen“, plant Andreas Mohr. Auf Schautafeln sind 30 DIN A 3-Bilder zu sehen, auf denen der historische Verladevorgang bildlich dokumentiert wird.

Unterdessen gibt es weitere Aktivitäten am Stand der Treckerscheune: Dort können die Besucher sich in historischem Handwerk üben, beispielsweise Stricke drehen an einer Reeperbahn oder frischen Apfelsaft pressen. Kinder können ihre Spardosen mit einer Dosenmaschine selber herstellen. Es gibt außerdem eine Kartoffelsortiermaschine und ein altes Melkrad. Ausgestellt werden eine schottische Karre und ein Marktwagen.

Die Mitglieder stellen darüber hinaus mehrere historische Trecker und Geräte aus wie etwa unterschiedliche Modelle des „Bulldog“ aus den 1930ern sowie Fendt, Fahr und Deutz aus der Mitte der 1950er Jahre. „Die Veranstaltung macht uns deshalb so viel Spaß, weil das Publikum immer sehr interessiert ist“, so Andreas Mohr. Das wird sich mit der Verlade-Szene bestimmt noch einmal steigern lassen, hofft er.

Die Besucher müssen gut hinhören, denn eine Verstärkung über Mikrofon gibt es nicht. „Ich werde laut reden“, so Jürgen Albers.

>Termine des Ewers „Frieda“: Sonnabend, 13.30 Uhr: Demonstration des Wasserrettungssystems „Moje“ und eines Berge-Segels; ab 10 Uhr: alle zwei Stunden Demonstration eines Be- und Entladebetriebes mit dem Großbaum der „Frieda“; Sonntag, 10.30 Uhr: Wett-Wriggen mit Schottel-Schaluppen.

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