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Ausbildung in Wacken : Wie ein Japaner zum Bierbrauen kam

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Für eine Ausbildung in der Wacken Brauerei verließ Takafumi Kawabe Osaka.

von
erstellt am 15.Okt.2017 | 15:00 Uhr

Als Takafumi Kawabe von Osaka/Japan nach Wacken kam, war es ruhig, das Metal-Beben des Wacken Open Airs gerade verebbt. Dass der 30-Jährige in dem berühmtesten Metal-Dorf der Welt gelandet war, ahnte er nicht. „Ich hatte noch nie von dem Wacken Open Air gehört.“ An seinem ersten Tag in der Berufsschule merkte der Japaner aber schnell, dass er nicht irgendwo seine Ausbildung zum Brauer und Mälzer absolvieren werde. „Alle zeigten großes Interesse als ich erklärte, dass ich aus Japan bin und in Wacken arbeite“, so Takafumi Kawabe. Nun lernt er eben beides – „Bier zu brauen und Heavy Metal zu hören“, verkündet er grinsend.

Nicht die harte Musik gab den Ausschlag, in Wacken bei der Brauerei „Beer of the Gods“ in das Handwerk rund um das Craft-Beer einzutauchen, sondern der harte Arbeitsalltag in Japan. Die jüngsten Meldungen über die japanische Reporterin, die nach 159 Überstunden gestorben ist, wundern Takafumi Kawabe nicht. Als Lehrer für Deutsch an der Universität in Osaka waren für ihn Zwölf-Stunden-Tage die Regel, auch am Wochenende. Das Ende seiner Beziehung brachte schließlich den Wendepunkt. „Ich wollte neue Herausforderungen angehen.“

Deutschland kannte er bereits von Auslandsaufenthalten. „Meine Eltern waren erst ein bisschen besorgt, dass ich weggehe. Aber sie kennen die Kultur hier auch nicht. Ich finde die deutsche Kultur toll.“ Als ein Kollege ihm berichtete, dass die Arbeitsbedingungen in Deutschland besser seien, hängte er seinen Uni-Job an den Nagel und suchte über eine japanische Job-Vermittlerin nach Arbeit in Deutschland. Von dem deutschen Klischee „Wurst, Kartoffeln und Bier“ beeinflusst – „das fällt uns Japanern als erstes zu eurem Land ein“ – fiel seine Wahl auf eine Ausbildung bei der Brauerei in Wacken. „Ich wollte etwas Handwerkliches lernen“, so Takafumi Kawabe. „Eine befreundete Brauerei fragte an, ob wir Interesse an einem zweiten Azubi haben“, erklärt Geschäftsführer Hendrik Pahl (41). „Wir hatten auch schon darüber nachgedacht, statt einem zwei Azubis zu nehmen“, so Pahl. Im schicken Anzug reiste Takafumi Kawabe zum Vorstellungsgespräch von seinem Deutschkurs in Köln nach Wacken und überzeugte seinen Arbeitgeber sofort. Das Team unterstützte ihn über einen Facebook-Post bei der Suche nach einer Wohnung. „Hilfe, Hilfe große Not! Für unseren neuen Auszubildenden [...] suchen wir [...] ein Zimmer oder eine kleine Wohnung in Wacken oder Umgebung. Takafumi ist 30 Jahre alt, spricht recht gut Deutsch. Er ist sehr höflich, freundlich und aufgeschlossen [...].“ Jetzt hat er ein Zimmer im Ort, hält gerne einen Plausch mit seinem Gastvater und radelt nur ein paar Minuten zur Arbeit an Wiesen vorbei. „Ich liebe das ländliche Leben hier“, schwärmt Takafumi.

Die 2016 gegründete Brauerei hat sich auf die Herstellung von Craft-Beer spezialisiert, dessen neun Sorten nach Figuren aus der nordischen Mythologie benannt sind. „Heimdalls Willkomm“, ein Trunk aus Bier und Met mit 6,5 % Vol. ist Takafumi Kawabes Favorit. Viel Alkohol verträgt er allerdings nicht. Wie vielen seiner Landsmänner fehlt ihm ein Enzym, das am Abbau von Alkohol beteiligt ist. Trotzdem verkostet er nun fast täglich Bier. Er muss. Zur Ausbildung bei der Brauerei „Beer of Gods“ gehört auch, einen Geschmack für die Reife des Bieres zu entwickeln.

Die Ausbildung in einer auf Craft-Beer spezialisierten Brauerei zu absolvieren, bringe den Gesellen deutlich mehr, „als beim industriell hergestellten Bier nur den Knopf einer Maschine zu drücken“, so Pahl. „Hier bei uns lernt man das richtige Handwerk.“ Mit der Craft-Beer-Bewegung halte man gegen den Trend, dass Biere immer einheitlicher werden. „Bei uns ist Kreativität gefragt, um neue Sorten zu entwickeln“, betont Pahl. Zum Beispiel verwende die Brauerei für eine Sorte geräucherte Gerstenkörner, was dem Bier dann eine besondere Note gebe. Auch Takafumi Kawabe hat Ideen: „Ich würde gerne eine Sorte mit Reis herstellen, aber das lässt das Reinheitsgebot nicht zu.“ Das hat er bereits gelernt: Für ein echtes Bier dürfen nur Hopfen, Malz, Hefe und Wasser verwendet werden.

Was er nach seiner Ausbildung machen möchte, ob er zurück nach Japan geht oder in Deutschland bleibt, das weiß Takafumi Kawabe noch nicht. „Das plane ich nicht. Erstmal möchte ich mein Leben in Deutschland genießen – mit Bier. Kanpai! Prost!“

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