Wie die Engelbrechtsche Wildnis zu ihrem Namen kam

Referenten und Veranstalter: Dr. Thies Engelbrecht-Greve, Britt Reimers, Ingo Möhle und Bettina Butenop.
Referenten und Veranstalter: Dr. Thies Engelbrecht-Greve, Britt Reimers, Ingo Möhle und Bettina Butenop.

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24. Februar 2012, 03:59 Uhr

Engelbrechtsche Wildnis | "Wenn ein Fremder durch die beiden Wildnisse fährt, taucht häufig die Frage auf, wie ein so schönes, fruchtbares Stückchen Erde einen so außergewöhnlichen Namen bekommen kann?" - sagte Britt Reimers. Die Lehrerin und Dr. Thies Engelbrecht-Greve hielten einen Vortrag zum Thema "Engelbrechtsche Wildnis" beim Stammtisch des Wildnis-Clubs.

Dr. Thies Engelbrecht-Greve, Richter an dem Oberverwaltungsgericht in Schleswig, erzählte seine Familiengeschichte. Das Verhältnis von Vater Engelbrecht zu seinem Sohn Thies Hinrich Engelbrecht, geboren am 6. Oktober 1853, kann nicht das beste gewesen sein. Er durfte den Hof nur pachten, obwohl er Agrargeograph war. 1880 wanderte Thies Engelbrecht in die USA aus, kaufte dort eine Farm und lernte auf ausgedehnten Reisen die amerikanische Landwirtschaft kennen. 1885 kehrte er zurück und kaufte den väterlichen Hof. Er war Bauer, Politiker, aber am liebsten wohl Wissenschaftler. Denn er schrieb Bücher wie "Bodenbau und Viehstand in Schleswig-Holstein nach den Ergebnissen der amtlichen Statistik. Zwei Bände und Atlas" oder auch "Die Feldfrüchte des Deutschen Reiches in ihrer geographischen Verbreitung".

Da seine Ehe kinderlos blieb, hatte er kurz vor seinem Tode 1934 den damaligen 17-jährigen Ernst Greve adoptiert und als Erben eingesetzt. Seit der Adoption trug dieser den Doppelnamen Engelbrecht-Greve. Der am 10. Januar 1990 verstorbene Ernst Engelbrecht-Greve war Bundestagsabgeordneter und Mitglied des Europaparlaments. 1962 wurde er Landwirtschaftsminister in Schleswig-Holstein, am 26. Mai 1975 schied er aus dem Amt aus. Er war dienstältester Minister, er hatte das Amt unter den Ministerpräsidenten Kai-Uwe von Hassel, Helmut Lemke, und Gerhard Stoltenberg, immer mit dem Blick auf die Realität, verwaltet. In seine Amtszeit fallen auch die Deichverkürzungen als Folge der Sturmflut 1962.

Britt Reimers hat Geschichte studiert und sich in ihrer Examensarbeit mit dem Thema der Wildnisse befasst. Sie berichtetem, dass sich die Marschbewohner einst von Südosten von der Haseldorfer Marsch und von Norden von der Kremper Marsch deichend an die Wildnisse heran arbeiteten. Der unbedeichte Raum wurde um 1300 als Wüsteney bezeichnet. Ab 1400 wurde von der Wildnis oder vom Butendiek gesprochen. Durchzogen wurde das Vorland durch die Rhine, die Splethe, den Schleuer, den Langenhals, die Stintkuhle, das Bolritt, den Rusch und noch viele kleine Priele.

Im 13. und 14. Jahrhundert werden Namen von Siedlungen wie Bole, Grevenkroch, Nygenstadt, Bielenberg und Asfleth genannt. Damals waren die Wildnisse dem dänischen König als Herzog von Schleswig-Holstein unterstanden. Der südliche Teil, die heutige Engelbrechtsche Wildnis, gehörte zum Amt Pinneberg und damit den Schaumburger Grafen Bückeburg. Die Eigentümer waren mehr an den Steuern interessiert als am Schutz der Menschen. Die Bückeburger deichten 1561 zunächst das Herrenfeld ein. Christian IV. ließ die Wildnisse 1615 eindeichen. Am 15. Juni 1860 kaufte der Bauer Johannes Engelbrecht vom Obendeich von einer Erbengemeinschaft die Bülowsche Wildnis. Er war damit der erste Besitzer, der persönlich in der Wildnis war. Am 18. April 1861 genehmigte der dänische König Friedrich VII. den heutigen Namen "Engelbrechtsche Wildnis".

Dass die Verantwortlichen vom WildnisClub Stammtisch, Bettina Butenop und Ingo Möhle, ein interessantes Thema gefunden hatten, bewies der Beifall.

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