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Norddeutsche Rundschau

25. November 2017 | 12:39 Uhr

Hof Strüven : Wie Bauernhof zum Erlebnis wird

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Imke Strüven hat eine pädagogische Zusatzausbildung absolviert und möchte Landwirtschaft in Aebtissinwisch kindgerecht weitervermitteln.

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2016 | 17:08 Uhr

Auf dem Hof Strüven ist der Name Programm: Als Erlebnisbauernhof wirbt der in Obersten Wehr direkt an der Wilster Au gelegene Familienbetrieb. Hier, so heißt es auf einem Flyer, könnten Kinder noch Landluft schnuppern. Mehr noch: Sie können das Landleben mit allen Sinnen wahrnehmen. Und das auf professioneller Grundlage: Erlebnisreiche Tag von März bis Oktober bietet mit Imke Strüven nämlich eine der bislang ganz wenigen geprüften Bauernhof-Pädagoginnen in der Region an. „Der entsprechende Lehrgang dafür ist in Schleswig-Holstein erfunden worden“, erläutert die Mutter von zwei Kindern einen eher ungewöhnlichen Berufsweg.

Eigentlich ist Imke Strüven gelernte Zahnarzthelferin. „Aber jetzt macht sie das, was sie eigentlich schon immer gerne wollte“, hat sie von Ehemann Heiko volle Unterstützung. 80 Stunden hat seine Frau unter Anleitung von Lehrmeisterin Christine Hamester-Koch gebüffelt. Die Bäuerin aus Wangelau im Landkreis Herzogtum-Lauenburg hat sich mit ihrer Arbeit inzwischen bundesweit einen Namen gemacht. Die leidenschaftliche Landwirtin schult Berufskolleginnen in der Kunst, wie man Landwirtschaft möglichst nachhaltig weitervermitteln kann. „Die Männer dachten, wir machen da Urlaub“, schmunzelt Imke Strüven. Tatsächlich sei der Kurs aber vollgepackt gewesen mit Informationen über die Befähigung zum kindgerechten Weitervermitteln von Landwirtschaft. Auch der Besuch anderer Betriebe habe dabei auf dem Unterrichtsplan gestanden. Am Ende konnte man sogar noch ein Zertifikat draufsatteln, auf dessen Grundlage man sein erworbenes Wissen weitergeben kann.

Was Imke Strüven gelernt hat, davon profitieren jetzt vor allem Kinder. Zwischen März und Oktober bietet sie an sieben Terminen jeweils einen Mittwochnachmittag auf dem Bauernhof an. Der aktuelle Kursus ist erfolgreich angelaufen. Elf Kinder treffen sich regelmäßig und erleben Landwirtschaft hautnah. Sie erfahren, dass die Milch nicht einfach nur aus dem Supermarkt kommt oder was man mit Äpfeln alles machen kann. „Wenn die Kinder wissen, wie Milchprodukte wirklich produziert werden, bringen sie ihnen auch eine ganz andere Wertschätzung entgegen“, sagt Heiko Strüven. Der Ablauf richtet sich auf ganz natürliche Weise nach den Jahreszeiten.

Und auch für das Drumherum bietet der Hof Strüven einiges. Für kleine Paddeltouren fließt die Wilster Au direkt vor der Haustür vorbei und auch ein Grillplatz ist vorhanden. Im Kern geht es der Bäuerin aber darum, Landwirtschaft und Landleben zu vermitteln. Neben dem Jahreskurs tut sie das auch mit Kindergeburtstagen, wo sich die Kleinen nach Herzenslust austoben können. „Vor allem für Kinder mit einem Handicap sind das ganz tolle Erfahrungen“, hat Heiko Strüven beobachtet. „Die haben einen tollen Umgang mit den Tieren.“

Aber selbst für ältere Generationen kann der Bauernhof noch zu einem Erlebnis werden, weil hier Erinnerungen an die Kindheit wach werden. Das Ehepaar Strüven berichtet vom Besuch eines älteren Ehepaars, das noch einmal im Leben ein paar Stunden auf einem Bauernhof erleben wollte und einen schönen Nachmittag verbracht habe.

Am liebsten würde Imke Strüven ihr Fachwissen und ihre berufliche Erfahrung noch mit viel mehr Menschen teilen. „Schön wäre es, wenn Landwirtschaft in den Grundschulen zum Pflichtprogramm erhoben würde.“ In Niedersachsen gebe es bereits vertragliche Verbindungen zwischen Bauernhöfen und Bildungseinrichtungen.

Für das Landwirtspaar ist der pädagogisch untermauerte Umgang mit Kindern nicht nur ein weiteres kleines wirtschaftliches Standbein. „Wir zeigen hier das, was wir für künftige Generationen erhalten wollen“, sagt Heiko Strüven und fügt hinzu: „Das ist auch mit ein Grund dafür, weshalb wir auch immer wieder für den Erhalt der Milchwirtschaft losrennen.“

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