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Kernenergie : Widerstand gegen Taschenspielertrick

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Neuer Atommüll soll in Brunsbüttel nicht zwischengelagert, sondern nur „bereitgestellt“ werden – der Widerstand regt sich.

shz.de von
erstellt am 18.Feb.2017 | 15:59 Uhr

Mit Sammeleinwendungen kämpfen Atomkraftgegner nun gegen den Antrag auf eine geplante Nachrüstung des atomaren Zwischenlagers auf dem Gelände des Kernkraftwerks Brunsbüttel an. Noch bis 10. März liegen entsprechende Listen im Bürgerbüro der Stadt Brunsbüttel (von-Humboldt-Platz 9) aus. Einer der Initiatoren ist der Brokdorfer Karsten Hinrichsen. Er erhebt massive Vorwürfe gegen den Betreiber Vattenfall, gegen die Genehmigungsbehörde und gegen verantwortliche Landespolitiker: Nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Schleswig aus dem Jahr 2013 sei die Genehmigung für den Betrieb der Castoren-Lagerhalle nämlich aufgehoben. „Und jetzt gibt man dem Ganzen einfach nur einen anderen Namen, weil sie juristisch gesehen nämlich gar nichts mehr reinstellen dürften“, empört sich Hinrichsen. Tatsächlich darf der bereits eingelagerte Atommüll nur aufgrund einer Duldungsanordnung der Atomaufsicht noch an Ort und Stelle bleiben – und auch das nur bis 2018. Bis dahin soll von Vattenfall das Gebäude gegen mögliche Flugzeugabstürze und andere Katastrophen „ertüchtigt“ werden.

Schon jetzt aber, so Hinrichsen, wolle Vattenfall dort zusätzlichen Atommüll einlagern und habe dafür als Betreiber einen Nachrüstungsantrag gestellt. Der Trick: Die Castoren mit strahlendem Abfall sollen diesmal nicht gelagert, sondern lediglich für einen späteren Abtransport „bereitgestellt“ werden.

Für Hinrichsen und seine Mitstreiter macht das keinen Unterschied. Ein möglicher Abtransport sei nirgends in Sicht und eine Endlagerung schon gar nicht. Was die Atomkraftgegner ebenfalls auf die Palme bringt, ist eine aus ihrer Sicht mangelnde Information. „Den Unterlagen ist nicht zu entnehmen, dass die geplanten Maßnahmen das Zwischenlager soweit ertüchtigen, dass es den Beschuss mit Stahlbeton brechenden Waffen oder den Absturz eines großen Verkehrsflugzeuges wie den Airbus 380 aushält, ohne dass große Mengen radioaktiver Stoffe freigesetzt werden“, begründet Hinrichsen die Sammeleinwendung. Auch werde nirgendwo eine mögliche Strahlenbelastung durch große Unfälle betrachtet. Hinrichsen: „Man greift in mein Recht auf Information ein und verwehrt mir die Möglichkeit, meine Beteiligungsrechte umfassend wahrzunehmen.“

Die Sammeleinwendung ist für die Atomkraftgegner letztlich eine Art Türöffner, um im weiteren Verfahren mitmischen zu können. Am Ende könnte dabei sogar der Klageweg stehen – einen Schritt, den der Brokdorfer nicht ausschließt. Dabei können die Einwender auch auf Unterstützung von Umweltorganisationen setzen. Bereits im vergangenen Oktober war der Naturschutzbund BUND gegen eine nicht kontrollierbare Verteilung und Ablagerung von radioaktiven Stoffen Sturm gelaufen. Und vor fünf Wochen nahm Greenpeace das Brunsbütteler Zwischenlager ins Visier und sprach von „Taschenspielertricks“ – was Karsten Hinrichsen nur unterstreichen mag.

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