schnelles Internet : Wettrennen auf dem Breitband-Markt

Lilafarbene Lehrrohre der Stadtwerke für das Wellenkamper Industriegebiet: Gero Holm (vorn), Uwe Suckow (l.) und Patrik Hinrichsen von der Firma Dankers Bohrtechnik.
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Lilafarbene Lehrrohre der Stadtwerke für das Wellenkamper Industriegebiet: Gero Holm (vorn), Uwe Suckow (l.) und Patrik Hinrichsen von der Firma Dankers Bohrtechnik.

Anbieter wie die Telekom beschleunigen ihre Netze in Itzehoe – Stadtwerke werben für Glasfaser bis in die Häuser als bessere Lösung.

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19. Juni 2014, 11:45 Uhr

Bei den einen hat die Zukunft die Farbe Lila: Leerrohre für Datenleitungen. Bei anderen ist es Magenta. Überall in der Stadt wird für schnelles Internet gebuddelt. Mittendrin: die Stadtwerke Itzehoe. Sie setzen im Breitband-Wettbewerb weiter auf den Ausbau des Glasfasernetzes.

Es soll in jeden Haushalt reichen, das ist der Unterschied zum Vorhaben der Telekom. Diese verlegt im Vorwahlbereich 04821 laut Sprecherin Stefanie Halle rund 27 Kilometer Glasfaser und stellt 66 neue Netzverteiler auf – erkennbar an Hüllen im Magenta-Ton. Bis zu den Verteilern liegt dann Glasfaser, von dort bleibt es beim Kupferkabel. Durch das technische Verfahren des Vectoring, „den Daten-Turbo“, werde die Übertragungsgeschwindigkeit aber stark erhöht, so Stefanie Halle. Statt bis zu 16 Megabit pro Sekunde seien es dann bis zu 50 MBit, später auch 100 MBit: „Das hängt immer von der Entfernung zum Verteilerkasten ab.“ Ab Mitte November werde die Vermarktung laufen.

Die Stadtwerke begrüßten diese Investitionen, sagt Geschäftsführer Manfred Tenfelde. Sie hätten aber keine Auswirkungen auf die eigene Breitband-Strategie, denn diese Technologie habe große Vorteile. Zwar reichten 16 MBit derzeit den meisten Internetnutzern, und auch künftig würden 50 MBit für viele Anwendungen genügen. „Aber da ist Glasfaser noch nicht einmal warm gelaufen“, sagt Tenfelde. Über eine einzige Glasfaser könnten heute bereits mehr als 20 000 Breitbandkunden zeitgleich und stabil jeweils 100 MBit übertragen. Das Doppelte sei bald möglich, wenn es die entsprechenden Endgeräte gebe. Und der Bedarf an Bandbreite steige immer mehr. Deshalb sei die Vectoring-Technologie eine Übergangslösung, die nur kurz zu einer Entlastung führen werde. Und sie sei mit einem hohen Stromverbrauch verbunden.

Für Tenfelde ist klar: Die Mitbewerber würden besser, lösten aber das Problem nicht. Der komplette Umstieg auf Glasfaser sei zukunftsorientierter und nachhaltiger. Teile Wellenkamps sind erschlossen, weitere Bereiche sollen folgen. Zum Beispiel Edendorf – doch nach wie vor müssen sich mindestens 40 Prozent der Haushalte in einem Aktionsraum anschließen, damit der Ausbau wirtschaftlich ist. Somit liege der Zeitpunkt dafür in den Händen der Bürger. Aber: In Edendorf ist die notwendige Anschlussquote noch nicht erreicht worden, deshalb wollen die Stadtwerke bei ihren IZ-KOM-Produkten künftig neben „Triple Play“ – Telefon, Internet, Fernsehen – auch „Duo Play“ ohne Fernsehen anbieten. Die Resonanz soll abgewartet werden, bevor die Stadtwerke sich weitere Bereiche der Stadt vornehmen.

Anders sieht es aus bei den Geschäftskunden. Für sie seien professionelle Kommunikationslösungen zu wettbewerbsfähigen Preisen entwickelt worden, so Tenfelde. Die Stadtwerke selbst, städtische Immobilien, Firmen im Innovationsraum sowie weitere Unternehmen in Itzehoe und Nachbargemeinden seien bereits angeschlossen. „Bis zum Jahresende sollen alle Itzehoer Gewerbegebiete eine Glasfaseranbindung erhalten.“ In den Gebieten in Edendorf und Wellenkamp werde die flächendeckende Erschließung mit Fern- und Ortstrassen sowie Hausanschlüssen voraussichtlich bis zu den Sommerferien abgeschlossen. Parallel werde der Glasfaser-Ausbau in den Gewerbegebieten in Sude, auf Alsen, in der Innenstadt und in der Kaiserstraße vorbereitet. Geplant ist nach den Worten des Stadtwerke-Chefs, dass die Tiefbauarbeiten im dritten Quartal starten. Ende diesen oder zu Beginn des kommenden Jahres könnten auch dort die ersten Internetanschlüsse in Betrieb genommen werden.

Und nach dem Bauen?



Rund zehn Firmen seien im Moment in der Stadt mit dem Ausbau des Breitbandnetzes beschäftigt, sagt Norbert Harfst, Leiter des Bauhofs. Dieser ist für die Überwachung der Arbeiten zuständig – und mit dieser war Berndt Doege nicht zufrieden. Kritik des UWI-Abgeordneten im Stadtentwicklungsausschuss und Neustadt-Anwohners: Die von der Telekom beauftragte Firma habe Klinkersteine beschädigt, nicht verfugt und unnötig die Wallstraße geöffnet. Die Kosten dafür träfen letztlich Anwohner und Mieter. Harfst widerspricht: Die Arbeiten würden beobachtet, aber erst abgenommen, wenn sie komplett fertig seien. „Wenn sie nicht in Ordnung sind, müssen die Firmen nacharbeiten.“ Die Gewährleistungszeit laufe zwei Jahre.

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