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Norddeutsche Rundschau

20. Oktober 2017 | 00:33 Uhr

Wettkampf wie im Mittelalter

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bauernmarkt wieder Schauplatz des Verbandsringreitens – wie in der Wilstermarsch eine bis heute gepflegte Tradition entstand

shz.de von
erstellt am 28.Aug.2015 | 16:05 Uhr

Wenn am Sonntag, 6. September, zum 25. Mal der Historische Bauernmarkt in Wilster stattfindet, wird diese Veranstaltung traditionell vom Reitturnier des Ringreitverbandes Marsch-Geest begleitet. 1906 fand das Verbandsringreiten zum ersten Mal statt, wie sich an der Siegerkette nachlesen lässt. Mittlerweile sind viele Reiter mit Medaillen daran verewig, und die Kette hat ein stattliches Gewicht angenommen, auch, wenn schon einige Königsplaketten abhandengekommen sind.

„Früher gab es zwei Verbände, Marsch und Geest ritten getrennt“, erklärt Johannes Lucht. Der Verbandsvorsitzende führt seit 30 Jahren den Verband Marsch-Geest, zu dem sich beide Verbände 1967 in Poßfeld zusammenschlossen. Bevor die Traktoren ihren Einzug auf den Höfen hielten, hielt jeder landwirtschaftliche Betrieb Pferde. „Jedes Dorf, oft sogar jeder Ortsteil, hatte einen Ringreitverein“, sagt Hans-Werner Heesch. Auch er ist wie Lucht seit Jugendjahren Ringreiter und kennt sich in der Geschichte aus. Die Wilstermarsch war für die Pferdezucht bekannt und das Verbandsringreiten ein gesellschaftlicher Höhepunkt, der auch heute noch zahlreiche Zuschauer anlockt.

Entstanden ist das Ringreiten vermutlich aus den Ritterspielen im Mittelalter. Beim Ringstechen konnten sich die Knappen untereinander messen. Während in Dänemark und dem nördlichen Schleswig-Holstein mit Lanzen und im Lübecker Raum mit geraden Stäben gestochen wird, sind in der Wilstermarsch die handlich gebogenen Eisenstecher auch heute noch beim Ringreiten üblich. Mit ihnen muss der Reiter das zirka eineinhalb Zentimeter große Loch im Ring (eine Blechscheibe mit etwa neun Zentimeter Durchmesser) treffen.

Wenn es bei einem Gleichstand am Turnierende um die Platzierung geht, heißt es beim Abreiten oft: Scharfe Kante! Dann wird der Ring gedreht, so dass die nach vorne zeigende gebogene Kante das Stechen erschwert.

Beim Verbandsringreiten können an vier Ringbäumen in vier Durchgängen insgesamt 20 Ringe gestochen werden. Die Junioren- (bis 15 Jahre) und Seniorenreiter aus den elf angeschlossenen Vereinen treten am 6. September ab 11 Uhr auf dem Platz neben dem Colosseum in der Einzelwertung um den Sieg an.

Erstmalig können in diesem Jahr auch Mini-Reiter bis acht Jahre an einem Führzügelwettbewerb teilnehmen. „Viele Vereine führen mit großem Erfolg bei ihren öffentlichen Ringreiten die Mini-Wettbewerbe durch“, berichtet Johannes Lucht. Für ein Startgeld von 3 Euro kann der Nachwuchs in der Kaffee-Pause sein Geschick im Sattel zeigen und wird im direkten Anschluss bei einer eigenen Siegerproklamation geehrt.

Johannes Lucht hat sich die Reitbahn bereits angesehen und diese für gut befunden, die Vorbereitungen für das Turnier sind fast abgeschlossen. Die Ehrenherren für die Wertung stehen parat, und die Ehrenpreise liegen bereit, die Siegerehrung findet am Abend im Colosseum statt. Während des Ringreitens gibt es eine Verlosung von „leckeren“ Preisen, ebenfalls eine Tradition – wenn auch nicht so lang wie die des Ringreitens.

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