zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

12. Dezember 2017 | 02:25 Uhr

Werther als Ein-Mann-Show

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Performance von Philipp Hochmair begeistert überwiegend junges Publikum im Theater

5., 6. und  7. Mai: Werther sinniert. 11. Mai: Werther philosophiert. 16. Juni: Er macht eine Bekanntschaft. 30. August, 31. August, 35.8., 50.8...

Mit einer effektvollen Beschleunigung inszeniert sich Philipp Hochmair als Werther, als Goethes tragischen Held im Theater. Werther liebt Lotte, zuerst intellektuell abgeklärt, dann immer leidenschaftlicher bis in den Tod, den er sich mit der Kugel verpasst. Die Thalia-Inszenierung von Regisseur Nicolas Stemann setzt auf die exzessive dramatische Zuspitzung der Selbstbespiegelung, die Philipp Hochmair in einer Ein-Mann-Performance auf die Bühne brachte.

Werther geht als typischer Stürmer und Dränger in der Naturbetrachtung des Blumenstraußes auf, den die Videokamera vom kleinen Lesetisch auf den Bühnenhintergrund vergrößert. Werther gibt mit Zigarette und Cowboyhut zur Country-Musik den Coolen. Er setzt sich aufs Bühnengeländer, springt auf den Tisch, filmt sich immer wieder und betrachtet sich selbstverliebt. Werther, Werther, Werther. Philipp Hochmair agiert mittlerweile mit nacktem Oberkörper und Lorbeerkranz im Haar.

Die Bekanntschaft mit Lotte ändert alles. Sie ist schon vergeben, liebt einen anderen. Werther liebt, Werther leidet, Werther tobt. Er provoziert mit schlüpfrigen Witzen und Gesten, schüttet das Wasser aus, wirft die Gläser und schleudert den zur eigenen Ablenkung geschnittenen Salat ins kreischende, zumeist jugendliche Publikum im gut gefüllten Parkett, bevor er sich pathetisch erschießt. Philipp Hochmair reißt sein Publikum energetisch mit, entwickelt den reflexiven Briefroman zum sinnlichen Erlebnis und erntet begeisterten Beifall.

Und Lotte? Um Lotte geht es eigentlich nicht. Schon gar nicht in der Zuspitzung dieser eindringlichen Inszenierung. Sie zieht alle medialen Register und konzentriert sich dennoch mit dem Thalia-Star, der sich auch in Film und Fernsehen einen Namen gemacht hat, auf den Kern. Der Mime spielt mit seinem Werther nicht nur in Hamburg, wie es in einigen Zeitungen heißt, „ganze Schulklassen weich“, sondern schafft dies auch spielend in Itzehoe.


zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen