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Flexklasse : Werkstatt-Schulprojekt wird weiter ausgebaut

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Jugendliche reparieren in Heiligenstedten neben Fahrrädern künftig auch Mofas und Roller ihrer Mitschüler

Kette abgelaufen, Reifen platt oder Gangschaltung gerissen? Für Schüler an der Juliankaschule in Heiligenstedten kein Problem mehr. Seit eineinhalb Jahren schafft ein Fahrradprojekt in der „Flexklasse“ (Flexible Ausgangsphase aus schwachen Schülern und Autisten) der Gemeinschaftsschule am Lehmwohld, Außenstelle Heiligenstedten, Abhilfe. Initiiert von Lehrer Frank Albrecht, der auch Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Steinburg ist, kümmern sich sechs Schüler um die Reparatur der Räder.

„Die Schüler lernen hier, mit dem Schwerpunkt Verbraucherbildung handwerklich tätig zu sein“, erläutert Albrecht. „Sie erlangen Fähigkeiten – in diesem Fall in der Reparatur von Fahrrädern – und bauen diese aus.“ Dadurch werde ihr Selbstbewusstsein gesteigert und die Eigenverantwortung gefördert. Dazu konnten sie im Schulgebäude eine Fahrradwerkstatt im Lehrmittelraum einrichten. Eine Freifläche mit Werkbank und einem kleinen Werkzeugkasten dient ihnen als Arbeitsfläche. Lediglich den Umgang mit Schraubenschlüssel, Isolierzange, Ratsche und Schraubenzieher mussten sie lernen.

Lukas Krehn (17) aus Hohenaspe war der erste in der Werkstatt. Damals ging er in die 8. Klasse. „Er hat sie selbstständig aufgebaut und ist dann Werkstattleiter geworden“, lobt Frank Albrecht das Engagement. Von Fahrradhändlern haben sie alte Drahtesel erhalten, auch von den Fundbüros der Ämter Itzehoe- Land und Breitenburg. „Aus mehreren defekten machen wir wieder ein neues Fahrrad“, beschreibt Lukas Krehn. Ob Damen-, Herren- oder Kinderfahrräder, ob Mountain Bikes oder Rennräder – repariert wird alles, die Art der Drahtesel ist egal. Ein bis zwei Mal in der Woche arbeiten die Schüler für zwei Stunden an den Reparaturen. Das stellte sie nur anfangs vor Probleme. „Die Gangschaltung ist schwierig“, sagt Pascal Schmidt (15) aus Itzehoe.

Schüler können ihre defekten Drahtesel in der großen Pause abgeben, sie werden kostenlos wieder hergestellt. Finanziert wird das Projekt über die Lehrmittel. Zwölf gebrauchsfertige Fahrräder sind seit Beginn bereits im aktiven Bestand entstanden, zwei davon wurden verkauft. Das Geld kommt der Klassenkasse zugute oder wird für neues Werkzeug genutzt. „Die Räder sind auch für Menschen gedacht, denen es finanziell nicht so gut geht“, so Albrecht.

Das Projekt soll noch weiter ausgebaut werden – mittlerweile eignen sich die Jugendlichen gerade an, wie man Mofas und Roller repariert. Und demnächst soll auch der Mofa-Führerschein angeboten werden. Sechs Mofas hat die Schule von der Landesverkehrswacht Schleswig-Holstein bekommen, die Kreisverkehrswacht Steinburg hat zwei weitere gesponsert. Diese wollen sie nun aufarbeiten, putzen und reinigen. Für ihr Sozialengagement sind sie Ende 2014 von der Sparkasse Westholstein ausgezeichnet worden: mit einer Urkunde und einem Zuschuss von 500 Euro für Werkzeug.

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erstellt am 17.Mär.2015 | 12:00 Uhr

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