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Nach Gasexplosion 2014 : Wer zahlt für die Schäden?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein zivilrechtlicher Prozess vor dem Landgericht Itzehoe zur Gasexplosion hat begonnen. Mehrere Hauseigentümer und eine Versicherung klagen.

von
erstellt am 23.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Der Freispruch ist ein Vierteljahr her. Da stellte das Amtsgericht fest, dass ein Baggerfahrer und ein Schachtmeister nicht schuld waren an der Gasexplosion vom 10. März 2014 in der Schützenstraße 3. Gestern saßen sie wieder im Gerichtssaal: Vor dem Landgericht geht es nun im Zivilprozess um Schadenersatz. Doch die Klage richtet sich nicht nur gegen die beiden Arbeiter: Auch das Tiefbau-Unternehmen, das sie beschäftigt, der Eigentümer des explodierten Hauses und die Stadtwerke Itzehoe sind verklagt worden.

Vier Menschen waren bei dem Unglück gestorben und 15 verletzt worden. Sechs Häuser waren unbewohnbar geworden. Es gehe darum, das tragische Ereignis in zivilrechtlicher Hinsicht aufzuarbeiten, sagte der Vorsitzende Richter Peter Ahsbahs. Dafür hatte er drei Verfahren zusammengeführt: Kläger sind die früheren Eigentümer des Hauses Schützenstraße 1, das einige Monate nach der Explosion abgerissen wurde, inzwischen ist das Grundstück verkauft. Außerdem klagen die Eigentümer des damals stark beschädigten Hauses Moltkestraße 3 sowie die Itzehoer Versicherungen wegen der Zahlungen für Schäden an Gebäuden, Hausrat und zwei Autos. Die Eigentümer wollen zunächst feststellen lassen, dass ein Anspruch auf Schadenersatz für sie besteht, für die Versicherung wurde gestern erstmals eine Summe genannt: Sie habe knapp 1,4 Millionen Euro gezahlt.

Im Zivilrecht gelten andere Maßstäbe als im Strafrecht – deshalb sind trotz des Freispruchs auch Baggerfahrer und Schachtmeister wieder im Fokus, die bei Kanalarbeiten in der Schützenstraße auf die Gasleitung gestoßen waren. Kurz darauf war das Haus explodiert. Beide betonten, keinen Fehler gemacht zu haben. Bestätige sich das, könne auch die Baufirma nicht haftbar gemacht werden, sagte der beisitzende Richter Malte Zander. „Sehr kritisch“ sei das Gericht auch bei einer Haftung des Eigentümers des explodierten Hauses: Eine abgerissene Muffe habe im Keller vor der Absperreinrichtung und damit im Zuständigkeitsbereich der Stadtwerke gelegen.

Deren Fall sei der komplizierteste, so Zander. Denn die Gasleitung, die zum Unglück führte, fehlte in dem Plan, den die Baufirma bekommen hatte. Sie war bei der Digitalisierung im Jahr 1977 vergessen worden – doch es gebe eine Pflicht, die Pläne korrekt zu führen. Dafür spreche das Risiko, das mit Gasleitungen verbunden sei, so Zander.

Eine abschließende Meinung habe das Gericht noch nicht, bis zu einer Entscheidung wird es dauern. Jetzt tauschen die Parteien weitere Schriftsätze aus. Voraussichtlich wird auch noch ein Gutachter zur Unfallursache gehört.

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