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Bundestagswahl : „Wer soll es denn sonst machen?“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Zweiter Anlauf für Wolfgang Kubicki: Der FDP-Frontmann kandidiert in Steinburg und Dithmarschen für den Bundestag.

von
erstellt am 19.Mai.2017 | 08:56 Uhr

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Während die Koalitionsverhandlungen für die Regierungsbildung in Schleswig-Holstein noch nicht einmal begonnen haben, hat Wolfgang Kubicki den Blick bereits in Richtung Berlin gerichtet. Wie 2013 kandidiert der FDP-Frontmann am 24. September im Wahlkreis 3 (Steinburg, Dithmarschen-Süd) für den Bundestag. Mit 96,5 Prozent wählten die Mitglieder der entsprechenden Kreisverbände den 65-Jährigen am Dienstagabend zum Spitzenkandidaten. „Ich bin ja froh, dass es kein sozialistisches Ergebnis geworden ist“, unkte Kubicki angesichts der einen Gegenstimme unter den 29 Delegierten.

Bereits vor vier Jahren wollte er nach Berlin wechseln, die damals am Boden liegenden Liberalen verpassten 2013 allerdings den Einzug ins Bundesparlament. Trotz der Erfolgswelle, auf der die Liberalen derzeit reiten, mahnte der stellvertretende Bundesvorsitzende: „Es ist noch eine weite Wegstrecke bis in den Bundestag. Da können viele Fehler gemacht werden.“ Er verwies in diesem Zusammenhang auf die schwierigen Koalitionsverhandlungen, die im Norden und Westen bevorstünden. Die FDP sei sich ihrer Verantwortung bewusst, werde aber nicht um jeden Preis in eine Regierung gehen. „Wir haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt“, so Kubicki.

Die Gründe für eine Kandidatur in Steinburg und Dithmarschen liegen für den 65-Jährigen auf der Hand. In dieser Region gebe es zahlreiche Probleme mit bundespolitischer Bedeutung. Die Infrastrukturprojekte, wie die Weiterführung der A20 oder den B5-Ausbau, eine bessere Bahnanbindung sowie der Bau eines Flüssiggasterminals in Brunsbüttel benötigen bundespolitischen Einsatz. Gleiches gelte für die Fahrrinnenanpassung der Elbe, die Sanierung des Nord-Ostsee-Kanals sowie eine flächendeckende Breitbandversorgung. Hier sieht Kubicki Nachholbedarf. „Landesweit ist kein schleswig-holsteinischer Bundestagsabgeordneter bekannt“, sagte er. Für ihn sei das ein Zeichen, dass sie das Land in der Hauptstadt nicht angemessen vertreten: „Sie scheinen ihre Arbeit nicht besonders gut zu machen.“ Die Kritik, für beide Parlamente zu kandidieren wies er zurück. „Wer soll es denn sonst bei uns machen? Wir haben keine Bundestagsfraktion, also müssen die Spitzenleute aus den Ländern ran“, erklärte er.

Kubickis Chancen auf den Gewinn des Direktmandats dürften eher gering sein. Mit Mark Helfrich (CDU) und Karin Thissen (SPD) hat er starke Konkurrenz. Als er vor vier Jahren im selben Wahlkreis antrat, holte er gerade einmal 5,1 Prozent, während Thissen 34 Prozent der Erststimmen holte und Helfrich den Wahlkreis mit 45,4 Prozent für sich entschied. Allerdings verwies Kubicki drauf, dass sein Erststimmenergebnis schon damals bundesweit das zweitbeste der FDP gewesen sei. In diesem Jahr hofft er auf ein zweistelliges Resultat und erklärte augenzwinkernd: „Ich habe mir vorgenommen, meinem Freund Hans-Jörn Arp zu zeigen, dass dieses Direktmandat nicht per se der CDU gehört.“ Die Vorzeichen sind diesmal tatsächlich andere. Die FDP befindet sich nach dem erfolgreichen Abschneiden in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen im Höhenflug. Am Sonnabend, auf dem Landesparteitag der Liberalen, will er sich auf Platz eins der Landesliste wählen lassen. Selbst wenn Kubicki das Direktmandat verpassen sollte, könnte er mit einem guten Ergebnis gestärkt die Koffer für einen Umzug nach Berlin packen.


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