Karneval in Marne : Wer ist jecker? Nord gegen Süd

Die Fliegertruppe der Barlter Theoterlüüd macht sich lustig über Billigairlines.
1 von 5
Die Fliegertruppe der Barlter Theoterlüüd macht sich lustig über Billigairlines.

Auch in Dithmarschen wird Rosenmontag gefeiert: So steht Schleswig-Holsteins Karnevalshochburg Marne im Vergleich da.

von
13. Februar 2018, 05:07 Uhr

Immer größer werden die Hagelkörner, die vom Himmel fallen. Es prasselt richtig, wenn sie auf dem Boden aufschlagen – später regnet es drei Tonnen Kamelle. „Das ist doch Konfetti“, scherzt ein verkleideter Cowboy. Dann knallt es. Alle drehen sich um, suchend nach der Ursache des Geräusches. Es ist Rosenmontag in Marne – eine Stadt im fröhlichen Ausnahmezustand.

Eine große Kanone aus Pappe schiebt sich durch die Menge auf das Rathaus zu. Dahinter stehen der Herrenclub und die Karnevalsgarde. Gemeinsam stürmen sie das Rathaus mit lautem Gebrüll – so schnell kann man gar nicht schauen, da hält das Kinderprinzenpaar bereits die Staatskasse aus dem Fenster. Was für ein Chaos – Marn’ hol fast!

Nicht nur in den Hochburgen im Rheinland herrscht in diesen Tagen Ausnahmezustand. Während in Marne das bunte Treiben als Karneval bezeichnet wird, heißt im süddeutschen Raum die fünfte Jahreszeit Fasnet oder Fasnacht. Nicht nur durch die Namensgebung unterscheidet sich die Veranstaltung, sondern auch durch die zahlreichen Traditionen und Bräuche. „Bei uns im Norden steht der Spaß am Verkleiden und das Miteinander im Mittelpunkt. Es wird nicht das Ende der Fastenzeit gefeiert, wie im Süden, sondern ein Karnevalsfest auf seine ganz eigene Art und Weise“, sagt Bürgermeister Klaus Braak.

Er ist verkleidet als Zirkusdompteur mit roter Schleife und Zylinder. Während in Norddeutschland vom Clownsoutfit von der Stange bis zum selbstgenähten Löwenkostüm alles zu finden ist, konzentrieren sich viele Karnevalsgruppen im Süden auf ihre traditionellen Kostüme. Es gibt zahlreiche Gruppe, die mit altertümlichen Holzmasken vermummt sind, die von Generation zu Generation weiter vererbt werden.

Besonders bekannt ist der Süden für seine Hexengruppen. In Offenburg, in Baden Württemberg, wurde 1933 die erste Hexenzunft gegründet. Eine Art Verein, der sich an Karneval durch seine spezielle Vermummung kennzeichnet. Zwar nicht mit Maske, aber trotzdem als Hexe verkleidet, laufen aus Wilster in Marne die Radau-Hexen beim Umzug mit. Neben den Hexen sind im Süden auch Verkleidungen als Teufel oder „Wilde Figuren“, also Menschen verkleidet in Heuballen, üblich. So außergewöhnlich sind die Kostüme im Norden zwar nicht, kreativ und detailreich sind die Verkleidungen trotzdem.

20 000 Narren sahen in diesem Jahr auf dem Marner Karnevalsumzug unter anderem Flamingos, Leuchttürme und überdimensionale Vögel. 23 Fußgruppen und 25 Fahrzeuge sind unterwegs. Begleitet werden sie von drei Musikzügen aus Eckernförde, Schleswig und Wilster. In Süddeutschland wird die Musik zur Fasnet auch selbst gemacht, beispielsweise mit Glocken, die an den Kostümen der Fußgruppen angebracht sind.

In vielen Ortschaften wird traditionell mit Peitschen ein lauter Knall verursacht, denn mit dem lauten Geräuschen wollte man früher den Winter vertreiben. Diese Tradition bestätigt auch, das der Karneval im Süden noch lauter und wilder ist, als im Norden. Konfetti und Stroh werden dort in die Menge geworfen, so dass es nach dem Spektakel lange nicht so sauber aussieht wie in Marne. Außerdem werden die Zuschauer geschminkt, bekommen Stempel und werden zum Teil eine Weile auf dem Umzug mitgeschleppt. Nicht für jedes Gemüt ein Spaß!

Im Norden geht es ruhiger zu. Sehr viele Kinder und ihre Eltern stehen in der ersten Reihe und beobachten die bunten Karnevalswagen. Diese werden in Süddeutschland zu bestimmten Themen geschmückt. Dabei wird auch das ein oder andere Problem in der Gesellschaft oder der Politik aufs Korn genommen. Die Kritik ist dabei aber immer humorvoll.

„Es ist großartig, was in Marne auf die Beine gestellt wird – trotzdem könnten noch mehr politische Themen behandelt werden“, sagt Pastor Rainer Petrowski. Politisch wird es in Marne nämlich nur bei der Erstürmung des Rathauses, wo dem Bürgermeister symbolisch die Macht entrissen wird. Dieser nimmt das ganze mit Humor, denn die Stimmung in Marne ist ausgelassen. Das heißt, feiern können die Norddeutschen genauso gut, wie die Süddeutschen. Zwar ist die Fasnet dort traditionsreicher, der Karneval im Norden aber familiärer und abwechslungsreicher. „Es ist eine bunte Mischung und von allem ist etwas dabei“, sagt Kohlregentin Bente Borwieck.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen