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Soziales : Wer hilft Kindern, das Leben zu meistern?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Projekt hilft Heranwachsenden

„Heranwachsende Kinder und Jugendliche sind mit Schwierigkeiten und Herausforderungen konfrontiert, besonders, wenn sie aus sozial schwachen Familien kommen“, sagt Diplom-Psychologin Cornelia Reinhardt vom Verein „Via Nova“. Damit die jungen Menschen trotzdem einen guten Lebensweg einschlagen können, initiierte die Einrichtung ein Projekt, das dazu beitragen soll, ihnen mehr Stabilität und Halt zu geben. Vor gut einem Jahr startete das „Itzehoer Mentoring für Kinder und Jugendliche“ unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Andreas Koeppen. Die Idee dazu hatten Reinhardt und der Diplom-Psychologe Erik Meyerhof aus dem Klinikum.

In dem Programm können Erwachsene mit einem geringen Zeitaufwand ein Kind begleiten und fördern. „Dies können Kinder mit psychosomatischen Beschwerden sein oder solche, die in schwierigen, belastenden Verhältnissen leben, in der Schule gemobbt werden oder keine Freunde finden“, sagt Reinhardt. Ein Betreuer und ein betreutes Kind bilden ein Tandem – mittlerweile treffen sich fünf wöchentlich.

Die ersten aktiven Mentoren Lukas Gromke, Bente Paulsen und Imke Hansen sind zufrieden mit ihren Tandems. Erik Meyerhof sagt: „Jeder Interessierte kann sich melden, es gibt ein sorgfältiges Auswahlverfahren.“

Mentorin Bente Paulsen hat früher Menschen mit Autismus in der Schule begleitet. „Als ich davon erfahren habe, habe ich mich beworben, weil ich finde, dass so etwas wichtig ist.“ Nun kümmert sich die 25-Jährige um ein elfjähriges autistisches Mädchen aus Itzehoe, das noch drei autistische Geschwister hat. „Sie hatte noch niemanden, mit dem sie sich treffen oder etwas unternehmen konnte“, so Bente Paulsen. Das Problem: „Autistische Menschen können bestimmte Dinge nicht im Zusammenhang verknüpfen, und oft zeigen sie keine Gefühle. Man bekommt nur schwer Zugang zu ihnen. Aber auf der anderen Seite haben sie besondere Stärken.“

Einmal in der Woche treffen sich die beiden. „Ich will ihr nun Sicherheit geben, Struktur und Regelmäßigkeit, und habe deswegen ihre Wünsche gesammelt“, sagt Paulsen. So hat sie eine Zauberbox gebastelt, aus der sie Zettel ziehen, was sie an einem Tag machen – etwa zum Schwimmen oder ins Kino gehen, Waldspaziergänge unternehmen, Eis essen oder einen Spielenachmittag veranstalten.

Und das zeigt Erfolge. „Sie ist vertrauensvoller geworden, läuft mir schon entgegen, wenn sie mich kommen sieht“, sagt Bente Paulsen. Im Laufe des Nachmittags komme es auch dazu, dass sie sie einmal umarmt. „Es ist ein Wunder, dass sie das zulässt, denn das mag sie eigentlich nicht.“

Das Programm läuft für ein Tandem jeweils ein Jahr. „Es macht mir viel Spaß, ist aber auch anstrengend“, sagte die Mentorin. „Das macht man nicht nur nebenbei. Und ich würde gerne auch ein anderes Kind betreuen, um einen Vergleich zu haben.“

Viele Menschen scheuten sich davor, ein Kind aus sozial schwachen Familien zu betreuen, so die Mentorin. „Das brauchen sie aber nicht, denn es gibt einem auch viel zurück, so dass man mit Freude dabei sein kann, und es ist eine gute Abwechslung zum Alltag.“

Nun möchte Bente Paulsen gerne auch beruflich etwas im sozialen Bereich machen. Deshalb besucht sie ab August die Erzieherfachschule am Regionalen Berufsbildungszentrum, wo sie ab diesem Jahr eine neu eingerichtete dreijährige Ausbildung zur Erzieherin startet.


> Interessierte Eltern können sich bei Cornelia Reinhardt melden: 04821/804050 oder mit einer E-Mail an cornelia-reinhardt@vianova-

jugendhilfe.de.


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erstellt am 08.Aug.2015 | 05:10 Uhr

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