Kritik : „Wer dieses Mahnmal verfallen lässt, der vergeht sich am Andenken der Opfer“

Fordert ein engagiertes Mitmachen: Michael Legband.
Fordert ein engagiertes Mitmachen: Michael Legband.

Gedenkveranstaltung am Mahnmal an den Malzmüllerwiesen.

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30. Januar 2017, 00:00 Uhr

Es war der kürzlich verstorbene Bundespräsident Roman Herzog, der den 27. Januar einst zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus erklärte. „Die Erinnerung darf nicht enden, sie muss künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen“, zitierte ihn Michael Legband am Sonntag. Die Alternative Fraktion (DAF) Itzehoes hatte ihn als Redner ihrer Gedenkveranstaltung zum Mahnmal an den Malzmüllerwiesen eingeladen.

Der Journalist und Autor trägt maßgeblichen Anteil daran, dass das Mahnmal nach einer langen Zeit des Versteckens an seinen ursprünglichen Standort zurückgekehrt war, was er in seinem Buch „Das Mahnmal – erbaut, verdrängt, wiederentdeckt“, beschreibt. Legband benannte die besorgniserregenden Umwälzungen in der Gesellschaft: bewaffnete Reichsbürger, zahlreiche Anschläge auf Ausländerunterkünfte, rechte Straftaten und eine aufstrebende AfD. Diese Partei behaupte, sie sei das Volk. „Stimmt nicht“, widersprach Legband. „Das Volk umfasst 80 Millionen Deutsche. Die, die etwas anderes skandieren, sind nur einige Hundert.“ Er beschwor die Gemeinschaft der Zivilgesellschaft sowie der Politik, der Verbände und Institutionen. „Den einfachen Parolen müssen wir engagiertes Mitmachen entgegensetzen. (...) In Parteien, Gewerkschaften, Kirchen, Vereinen und Verbänden“, sagte Legband.

Als frisch gebackener Ruheständler wolle er sich wieder mehr einbringen. Er wolle noch viele Gedenkveranstaltungen an diesem Mahnmal erleben, verwies aber auf die baulichen Mängel. „Durch das Bauwerk geht ein Riss.“ Das habe er dem Bürgermeister vor mehr als einem Jahr schriftlich mitgeteilt und um Abhilfe gebeten. Eine Antwort erhielt er nicht. „Mich kann der Mann ja gern links liegen lassen. Aber wer dieses Mahnmal verfallen lässt, der vergeht sich am Andenken der Opfer. Das darf nicht sein.“

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