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Itzehoer Speeldeel : Wenn Söhne zu Bumerangs werden

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Vorpremiere: Niederdeutsche Bühne Ahrensburg zeigt neue Inszenierung „Endlich alleen“ als Gastspiel bei der Itzehoer Speeldeel.

So hatten die Eheleute Elli Böckmann (Angela Gepp) und Georg (Manfred Gepp) sich das freie Leben nicht vorgestellt. Als Robert (Jonas Weirauch), der letzte der drei Söhne, endlich das Haus verlässt, wollen die Eheleute ihr Leben genießen. Elli will ein Atelier einrichten und wieder malen, Georg hofft auf viel Ruhe und ein Tête-à-tête auf dem Fell vor dem Kamin. Doch nach und nach tauchen die Söhne wieder auf.

„Endlich alleen“ (Alone Together) ist eine Komödie von Lawrence Roman aus dem Jahr 1984, ins Niederdeutsche übersetzt von Frank Gruppe, inszeniert von Hans-Joachim Eggers. Auf Einladung der Itzehoer Speeldeel spielte die Niederdeutsche Bühne Ahrensburg dieses Stück im Theater Itzehoe als Vorpremiere und griff damit ein gesellschaftlich aktuelles Thema auf: Soziologische Studien zeigen, dass Europas Jugend immer länger im Haus der Eltern lebt.

So auch Michael (Mario Loleit,) ein Mathegenie und ein hervorragender Rhetoriker, der sein Studium geschmissen hat. Bruder Elmar (Dennis S. Klimek), verheiratet, flüchtet vor seiner Ehe und auch Robert, will nicht lange alleine bleiben.

Mario Loleit spielt seine Rolle als verwöhnter Sohn, als wäre das sein normales Leben. Er überzeugt ebenso als Dirigent und „Chemie-Experte“. Die Explosionen seiner Versuche bringen seine Eltern allerdings zur Verzweiflung. Dennis S. Klimek verkörpert die Rolle als vernachlässigter Ehemann und Charmeur glaubwürdig und Jonas Weirauch nimmt seinen kurzen Part sehr ernst.

Damit nicht genug, kommt Jenny (Antje Körner), eine alte Freundin von Robert, und nistet sich bei den Jungs ein. Allerdings muss sie sich vor dem Schürzenjäger Elmar in Acht nehmen. Antje Körner spielt ihre Rolle jugendlich frisch und sehr selbst bewusst, was auch ihre freizügige Kleidung beweist.

Angela Gepp, nach dem Auszug der Kinder: „Ik bün free. Ik kann doon, wat ik will, sogar gor nix“, spielt ihre Mutterrolle in dem wortwitzigen Stück voller Elan und meistert die Turbulenzen mit viel Humor.

Zu ihrem Part gehört sehr viel Text, den sie schwungvoll und überzeugend rüberbringt. Den Eheleuten wird das Tollhaus zu anstrengend. Elli zu Ihrem Mann: „Wir haben keine Kinder großgezogen, sondern Bumerangs“ und später verschärft „Das sind keine Bumerangs, sondern Heuschrecken“. Georg merkt sehr schnell, dass jetzt alte Familienkonflikte auftauchen, sie streiten über die Erziehung der Kinder und stellen vieles in Frage, schließlich verlässt Elli genervt das Tollhaus. Manfred Gepp spielt seine textreiche Rolle ebenso glaubwürdig.

Am Ende sind alle „Heuschrecken“ und auch Gast Jenny wieder aus dem Haus, Elli zurückgekehrt und das Paar schmiedet Zukunftspläne. Das Ensemble zeigte eine gute Leistung, die Souffleuse Käthe Hotz hatte kaum etwas zu tun. Das perfekte Zusammenspiel entsprach sicherlich den Vorgaben des Regisseurs Hans-Joachim Eggers: „Meine Mannschaft musste ich auf Tempo bringen, denn das Stück ist ein Türenstück – vor und hinter den Türen im Bühnenbild ist immer etwas los“. Leider litt unter dem Tempo die Deutlichkeit der gesprochenen Texte – schade. Dennoch wurde die schauspielerische Leistung verdient mit viel Applaus bedacht.

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