Metaltörn : Wenn Schwermetaller in See stechen

Metal auf See: Eine Gruppe aus Itzehoe und Brokstedt feierte beim „Metal Törn“ eine „WOA Warm up-Party“ auf dem Ausflugsdampfer.
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Foto: Hinz

Warm up für das Wacken Open Air: 212 Fans ließen sich das Spektakel bei der Kieler Woche nicht entgehen.

shz.de von
30. Juni 2014, 17:10 Uhr

Sie konnten es kaum erwarten. Schon vor der Reling an der Hornbrücke im Kieler Hafen herrschte dichtes Gedrängel. Als die „MS Nordstern“ ablegen wollte, versammelte sich eine ungewöhnliche Menge von Besuchern an der Pier – alle schwarz gekleidet. Das wollten sich die Metalheads, die sich deutlich von den Besuchern der Kieler Woche unterschieden, nämlich nicht entgehen lassen: Metal zur See. Denn WOA Warm Up Parties gibt es viele, aber so eine war schon etwas Besonderes. Vier Stunden lang waren 212 Fans des Schwermetalls am Wochenende mit einem Kaffeedampfer auf See und ließen sich nicht nur ihre Fan-Shirts, sondern auch die Ohren durchpusten.

Zwei „Metaltörns“ – einer beim Hamburger Hafengeburtstag, der jüngste bei der Kieler Woche – sorgten für norddeutsch-untypische Begeisterung. Nach der einwöchigen Full Metal Cruise im vergangenen Jahr nun der zweite Versuch der Macher des Wacken Open Air, ihren Fans noch einmal ein ausgefalleneres Metalerlebnis zu bieten. Mit an Bord der schwimmenden WOA Warm Up Party auch eine Gruppe aus Itzehoe und Brokstedt. Kaum an Bord angekommen, machte sich beim ersten Metalfan aus Itzehoe auch schon grenzenloser Jubel breit. „Ja, ich bin als erster an Bord. Wacköööönnnnn!“ Mit einem Urschrei leitete er eine Schifffahrt der ungewöhnlicheren Art ein.

Pünktlich um 19 Uhr legte die „Nordstern“ ab, fuhr im langsamen Tempo am Hafen mit der Kieler Woche vorbei, während aus den Boxen die Musik der Band dröhnte. An Bord bot sich den Metalheads auf dem Oberdeck die Bühne, vorne eine Bar, dazwischen Platz zum Feiern. Im Zwischendeck gab’s Sitzplätze zum Ausruhen und ein kleines, kostenpflichtiges Buffet, im unteren Deck waren die Toiletten, denn irgendwo musste das viele Bier ja hin.

Befördert wurde das durch die Konzerte der Wind- und See-erprobten Bands „Mr Hurley & die Pulveraffen“ mit ihrem „Grog'n'Roll von Piraten für Piraten“, der Band „Storm Warrior“ und „Drone“-Frontmann „Mötz“ mit einem Akkustikset.

In den ersten Reihen feierten die Fans, hatten dafür extra aufblasbare Gummi-Gitarren mitgebracht. Einige waren ebenso wie die „Pulveraffen“ in Piratenkostümen dabei. Die Pausen beschallten die DJs Otti und Holger vom „Ballroom Hamburg“.

Kai Böhm und Charlene Bruhn aus Itzehoe waren gleich mit 15 Freunden aus Itzehoe und Brokstedt dabei. Als Anhänger der „Pulveraffen“, einer Piratenband mit maritimem Folk-Repertoire, waren auch sie stilecht als Piraten verkleidet – mit Umhang und Dreispitz. „Wir sind seit fünf Jahren in Wacken und konnten uns diese Fahrt doch nicht entgehen lassen“, sagte Charlene Böhm.

Dazu gehörte auch Thomas Böhm aus Itzehoe, der auch beide Kinder (24 und 26) mit genommen hatte. „Wir sind eine Heavy Metal-Familie. Ich bin ein alter Hippie, habe schon Jimi Hendrix auf Fehmarn gesehen“, erzählte er. Der Vollblutmusiker habe selber lange Metal in verschiedenen Bands gemacht und zupft aktuell aushilfsweise in mehreren Blues-Bands den Bass. „Statt Urlaub machen wir Ferien auf Festivals.“

Das Fazit von Dorothee Schmidt fielvom Wacken Open Air positiv aus: „Wir hatten jeweils über 200 Passagiere, die Karten waren schnell ausverkauft.“ Obwohl es noch keinen Termin für eine Wiederholung gibt, denken sie jetzt nach, so etwas häufiger zu machen. „Das ist mal etwas Neues, und es gab keinen Stress. Das macht auch uns viel Spaß.“

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