Bildung in Itzehoe : Wenn Schüler mit Computern reden

Lernen mit dem Video: Julius (l.) und David aus der Tablet-Klasse 5a der AVS.
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Lernen mit dem Video: Julius (l.) und David aus der Tablet-Klasse 5a der AVS.

Einmalig im Land: Studierende aus Kiel entwickeln interaktives Englisch-Lehrmaterial für Tablet-Klasse der Auguste-Viktoria-Schule.

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26. Januar 2018, 05:00 Uhr

Was macht Olivia den ganzen Tag? „Please talk to your tablet“, sagt Robert Schoof. Mit dem Tablet-PC reden? Es bleibt ruhig in der Klasse 5a der Auguste-Viktoria-Schule – die Gymnasiasten tun sich schwer damit, dem Computer zu erzählen, was sie auf dem Bildschirm sehen. Aber nur am Anfang.

Das Video zu Olivias Tag haben Schoof und seine Mitstudenten aus dem Englischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel entwickelt – „digitale Lernszenarien passgenau für unsere 5. Klasse“, sagt Anne Gruitrooy. Sie und Benjamin Frahm als Leiter der Tablet-Klasse waren zuvor einige Male in Kiel zur Vorbereitung des Projekts. „Vor einem Jahr haben wir die Idee entwickelt“, sagt Gruitrooy. Im Wintersemester begann die Umsetzung durch Erst- und Drittsemester des Master-Studiengangs.

„Ich kann euch nicht reden hören“, sagt Schoof. „Ich weiß, dass es ein bisschen seltsam ist“, sagt Silja Spiekermann, die die Unterrichtsstunde mit ihm gestaltet. Auf Englisch, natürlich. Etwas seltsam finden es die Schüler offensichtlich auch, doch beim zweiten Versuch wird das Gemurmel immer mehr. Auch Julius erzählt seinem Tablet leise etwas über Olivias Tag. „Mit Menschen zu reden, macht mir natürlich mehr Spaß“, sagt der Elfjährige, und Sitznachbar David stimmt zu. Das können sie haben: In der nächsten Übung schildern sich die Schüler gegenseitig, wie ihr Tag abläuft. Die Fragen lesen sie auf ihrem Tablet in einer Datei, die die Studierenden vorbereitet haben. Immer neue Partner werden gesucht, lautes Stimmengewirr in der Klasse. Schließlich folgen Präsentationen zu zweit.

„Es ist ein Mehrwert, dass viel mehr Schüler sprechen als nur einer oder zwei“, sagt Susanne Heinz. Die Professorin leitet das Englische Seminar der Kieler Uni und das Projekt mit der AVS, das das CAU-Förderprogramm Perle ermöglicht hat. Seit rund fünf Jahren forscht sie zum Englisch-Unterricht mit mobilen Endgeräten, ihre Studie aus Bayern erscheint in einem Monat. Ihre Master-Studenten haben Inhalte zu verschiedenen Bereichen wie Lesen, Hörverstehen oder Sprechen entwickelt, interaktive Materialien wie diese gebe es nach wie vor nur begrenzt. Doch die Stunde hat aus Heinz’ Sicht auch gezeigt: „Man hat gemerkt, dass es nicht nur digitale Phasen geben sollte.“

Mit der AVS arbeite ihr Seminar gern zusammen, sagt die Professorin. „Die Schule hat ein klares Konzept im Hinblick auf Medienkompetenz. Das findet man so nicht an jeder Schule.“ Interaktives Arbeiten mit dem Tablet sei darin ebenso enthalten wie die Kooperation unter den Schülern, sagt Gruitrooy. Das Ziel sei individuelles Lernen im eigenen Tempo, aber vernetzt mit den anderen. Mit den Studierenden aus Kiel habe es bestens funktioniert, „auch wenn sie noch keine fertigen Lehrer sind“.

Hinten im Klassenraum sitzt der Rest der Gruppe und macht sich viele Notizen. Anschließend werden viele Schüler befragt, ebenso wie zum Vergleich Gymnasiasten aus der Parallelklasse, die nicht mit dem Tablet arbeiten. Auch das Bildungsministerium verfolge das Projekt, sagt Gruitrooy. Es gehe um den Mehrwert in Sachen Medienkompetenz und Lernen von Fremdsprachen, so Professorin Heinz. Nur sie bekommt für die Forschung die kompletten Ergebnisse, und sie will die Arbeit der Tablet-Klasse an der AVS weiter beobachten.

Julius und David jedenfalls sind sich einig: Auf diese Weise lässt sich gut Englisch lernen. Und die Studierenden wären sicher auch jederzeit wieder willkommen. „Ihr Glücklichen, wir haben keine Hausaufgaben für euch“, sagt Silja Spiekermann zum Schluss. Mehr noch: Zum Dank für die Mitarbeit haben die angehenden Lehrer Süßigkeiten mitgebracht.






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