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Norddeutsche Rundschau

21. Oktober 2017 | 06:49 Uhr

Wassersport : Wenn Paddeln zur Frauensache wird

vom
Aus der Redaktion der Wilsterschen Zeitung

Von der kurzen Wilsterau-Tour bis zum Weser-Marathon: Kanu fahren hat viele Facetten. Auch die ersten Flüchtlinge genießen die Abwechslung.

Sie sind zwischen 22 und 76 Jahren alt und treffen sich immer mittwochs um 18 Uhr zum Paddeln auf der Wilsterau: Die „Mädelz“ der Kanu-Gruppe Wilster (KGW). „Wir sind ein harter Kern von acht Frauen“, sagt Damen- und Mädelwartin Ariane Kappelau. Hin und wieder kommen auch Frauen aus den unterschiedlichsten Interessensbereichen hinzu, um den erholsamen Wandersport zu Wasser kennen zu lernen, wie jetzt gerade eine Damen-Kegelgruppe. So haben sich auch Landfrauen angemeldet, um im Zweierkajak gemeinsam mit erfahrenen Kanutinnen durch die Wilstermarsch zu schippern.

Die Mittwochs-Touren sind je nach Wetterlage und Absprache unterschiedlich lang. Ariane Kappelau: „Zehn Kilometer ist aber das Wenigste, was wir abends paddeln.“ Seit Neuestem gibt es auch Anfängerinnen, um die sich extra gekümmert wird. Sie kommen mittwochs zur Übungsstunde um 17 Uhr und können schon nach kurzer Zeit die vier Kilometer vom Vereinsgelände nach Kasenort und zurück im Kajak bewältigen. Die Anfänger beginnen in Zweierkajaks, bevor die Sicherheit für den Einerkajak gewonnen wird.

Die Kanu-Gruppe Wilster hat sich, wie viele andere Sportvereine in Deutschland auch, für Flüchtlinge geöffnet, für Mädchen und Jungen genauso wie für Männer und Frauen. Die Mädchen und Frauen haben sich den „Mädelz“ angeschlossen und waren binnen kurzer Zeit so sicher in den Booten, dass sie schon an den Mittwochstouren teilnehmen können. Jetzt bei der Fahrt mit den Kegeldamen setzten sich die beiden Iranerinnen Setareh und Roya ebenfalls in die Kajaks und paddelten mit sichtlichem Vergnügen durch Wilster. Zum ersten Mal im Einer-Kajak saß Maike Sötje, nachdem sie als Anfängerin viermal im Zweier kurze Touren absolviert hatte.

Zwar gibt es auch viele Gemeinschaftsfahrten mit dem ganzen Verein oder reine Herrentouren, doch die „Mädelz“ genießen auch die kürzeren oder längeren Fahrten, bei denen sie ganz unter sich sind. Ob in größeren Gruppen oder auch nur zu zweit oder allein erleben sie die Natur vom Wasser aus. Erst vor kurzem haben acht KGW-Frauen an einem Wochenende die Studentenstadt Oldenburg in Niedersachsen besucht, um auf der abwechslungsreichen Hunte zu paddeln. Ihr Standquartier hatten sie in der Jugendherberge, während sonst auch gezeltet wird und die Boote bei längeren Strecken bepackt sind mit allem, was man im Urlaub braucht. So wie die einwöchige Gepäckfahrt auf der Saale, an der Sabine Jensen und Doris Neumann jetzt teilnahmen. Mit Männern, Kind und Kegel ging es Pfingsten zur ostholsteinischen Seenlandschaft. Doch wer sich beim Paddeln sportlich mal so richtig fordern möchte, hat beim jährlichen Weser-Marathon gute Chancen, seine Grenzen kennen zu lernen. Drei verschiedene Strecken werden hier angeboten, rund 50, 80 oder 135 Kilometer. Zwei der „Mädelz“, KGW-Sportwartin Doris Neumann und KGW-Vorsitzende Conny Nimz, paddelten in einem Törn die beachtliche Silberstrecke von Hannoversch-Münden bis Holzminden. Vollen Einsatz zeigten KGW-Frauen auch im gemischten Team beim Drachenbootrennen der Itzehoer Wasser-Wanderer. Doch dieser Jux auf der Kurzstrecke ist eher die Ausnahme für die „Mädelz“.

„Ich paddle auch gern allein, es muss nicht immer in der Gruppe sein“, sagt Ariane Kappelau. „Für mich bedeutet Paddeln Entspannung, Erholung, Ausgleich von der Arbeit, Erleben in der Natur. Selbst Schlangen kann man im Wasser beobachten. Wir sehen Eisvögel und Enten, weiter zum Nord-Ostsee-Kanal hin auch Gänse.“ Der Vorteil der Wilsterau sei, dass sie nicht ströme und nicht tidenabhängig sei. „Hier können wir immer paddeln.“

Die meisten Aktivitäten auf dem Wasser finden im Frühling, Sommer und Herbst statt – es ist zu jeder Jahreszeit ein neuer Anblick. „Die Natur verwandelt sich immer wieder.“ Ein besonderer Reiz sei die Möglichkeit, mitten durch Wilster zu paddeln, vorüber an sehr alten und neuen Häusern, an Gärten und städtischer Uferidylle, unter den Brücken hindurch. Hinter der historischen Rumflether Mühle wird es dann ländlicher mit Wiesen und Weiden und imposanten Wilstermarsch-Höfen.

Das Winterprogramm der „Mädelz“ wird gemeinsam geplant und bietet viel Wissenswertes und Abwechslungsreiches, von der Theorie rund um den Kanusport, über Kentertraining in der Schwimmhalle, Verwöhn- und Wellnessabende, Wassergymnastik oder Kinobesuche. Anfänger werden im Übrigen noch aufgenommen und in die Paddeltechnik eingewiesen. Sie müssen nur sicher schwimmen können. Boote und Ausrüstung stellt der Verein zur Verfügung.

Info: www.kanu-gruppe-wilster.de oder Vorsitzende Conny Nimz, connynimz@t-online.de

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