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Norddeutsche Rundschau

15. Dezember 2017 | 06:08 Uhr

Schiedsleute in Itzehoe : Wenn Nachbarn streiten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Zwei Schiedsleute in Itzehoe sorgen dafür, dass Konflikte unter Bürgern möglichst schnell gelöst werden, bevor sie vor Gericht landen.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2017 | 05:23 Uhr

Meistens ging es um Zäune, Hecken oder Bäume. Wenn ein Streit zwischen Nachbarn so festgefahren war, dass sie ihn allein nicht mehr lösen konnten (oder wollten), kam in Itzehoe in der Vergangenheit regelmäßig Dieter Pape zum Einsatz. 17 Jahre lang war der 63-Jährige ehrenamtlicher Schiedsmann für den Bezirk I. War sein Kollege Thomas Böker im Schiedsamtsbezirk II verhindert, hat Pape auch ihn vertreten. Jetzt aber hat er dieses Amt abgegeben. Kurz vor seiner Pensionierung will sich der Leiter des Steinburger Kreis-Ordnungsamtes langsam von all seinen Ehrenämtern lösen, um sich voll auf den Ruhestand einlassen zu können, sagt er: „Ich möchte meine Zeit genießen und nicht mehr durch Termine gebunden sein.“

„Dafür braucht man Durchhaltevermögen“, betonte Bürgermeister Andreas Koeppen bei Dieter Papes offizieller Verabschiedung im Rathaus. Und nicht nur das habe der scheidende Schiedsmann bewiesen: Er habe für Frieden gesorgt – „und wenn Frieden herrscht, ist das gut für uns alle“, so Koeppen.

In einem seiner Fälle aus den vergangenen Jahren, so erinnert sich Pape, waren die Nachbarn so zerstritten, dass einer von beiden der Meinung war, der Konflikt würde sich nur noch lösen lassen, wenn der Grenzstein zwischen den Grundstücken versetzt wird. „Es ging lediglich um einen Pfeiler, der für ein Tor aufgestellt werden sollte“, sagt Pape. Er habe die beiden Streitparteien bei seinem Ortsbesuch aber zumindest so weit bringen können, dass sie sich einigten, einen Gutachter kommen zu lassen. Und so wurde dann schließlich auch der Streit gelöst. „Anschließend haben sie mir sogar noch das Vermessungsprotokoll zugeschickt“, sagt Pape und lacht.

Bis zu 15 Fälle pro Jahr habe er als Schiedsmann bearbeitet. Etwa 80 Prozent davon habe er lösen und so den Konfliktparteien den Weg vor das Gericht ersparen können. Eine gute Quote, wie man ihm gesagt habe. Ein Schlichtungsverfahren ist deutlich günstiger als der Weg vor Gericht – in der Regel koste es laut Pape nicht mehr als 30 Euro pro Streitpartei, wenn sie die Unterstützung eines Schiedsmannes suchen. Seit 2002 schreibt das Landesschlichtungsgesetz in Schleswig-Holstein aber auch vor, dass es durch „Schlichten statt Richten“ zu einer zeitnahen und kostengünstigen Konfliktlösung im vorgerichtlichen Bereich kommt. Bei bestimmten zivilrechtlichen Streitigkeiten muss dieses vorgerichtliche Schlichtungsverfahren also durchgeführt werden.

Viele Bürger wüssten das nicht, sagt Holger Pump, Leiter des Amtes für Bürgerdienste. Oftmals werde bei einer Nachbarschaftsstreitigkeit direkt die Polizei gerufen.

Diesen Umstand kennt auch Horst Guninski. Der 73-Jährige ist pensionierter Polizeibeamter, hat früher unter anderem die Kriminaldirektion in Itzehoe geleitet, und wird nun das Amt des Schiedsmannes von Dieter Pape übernehmen. „Ich finde es gut, Streitigkeiten menschlich zu regeln“, sagt er. „So werden einerseits Gerichtstermine vermieden, andererseits ein vernünftiges Miteinander wiederhergestellt.“

Info: Unterstützung von Schiedsleuten gibt es über das Ordnungsamt unter Telefon 04821/603-247 sowie online unter itzehoe.de/rathaus/schiedsamt/

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