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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2017 | 05:15 Uhr

Feuerwehr : Wenn der Tank überkocht

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Am Ende bleibt der geordnete Rückzug – Brandschützer der Brunsbütteler Feuerwehr üben im Total-Werk.

von
erstellt am 18.Aug.2014 | 11:55 Uhr

Es war eine Feuerwehrübung im Total-Werk der Schleusenstadt, die einerseits durch ihr Szenario die Brunsbütteler Feuerwehrleute besonders forderte, und andererseits kein Happy Ende hatte. Denn das Szenario sah zum Schluss einen Boil-over vor: Der fiktive in Brand stehende Öltank kochte letztlich über, verwandelte sich, so Sicherheitschef Stefan Pein, in eine Art Vulkan. Die Löschtruppen mussten den Rückzug antreten, den kochenden Inhalt sich selbst überlassen.

Das, so Pein, sei ein für Freiwillige Feuerwehren eher ungewöhnliches Szenario. Denn „Feuer aus“ sei nicht das Übungsziel gewesen. Und ein kontrolliertes Abbrennen eins mit 750 Tonnen Rohöl gefüllten Tanks mitten in einer chemischen Industrieanlage, der nicht allein auf weiter Flur steht, verlange im Vorfeld wichtige Entscheidungen.

Denn darum ging es am Freitagabend im Bitumen-Werk. Gemeindewehrführer Bernd Meier hatte eine turnusmäßigen Übungsabend genutzt, als um 19.15 Uhr die Messwarte die betriebliche Feuerwehr alarmierte. Die stellte schnell fest, dass Bordmittel nicht ausreichen. Um 19.25 Uhr löste dann die Elmshorner Rettungsleitstelle Alarm für Brunsbüttels Blauröcke aus. Die ersten waren nach nicht einmal zehn Minuten vor Ort. Am Ende waren 47 Einsatzkräfte vor Ort. Die Betriebsfeuerwehr beteiligte sich an dieser komplexen Übung nicht, lieferte lediglich Schaum für den „brennenden“ Tank an und übergab wie vorgesehen die Einsatzleitung an die Freiwillige Feuerwehr.

Die agierte natürlich nicht losgelöst, sondern in Zusammenarbeit mit dem Krisenteam der Total. Auch hier hatte Stefan Pein Tücken ins System eingebaut: Er nutzte die Urlaubszeit, um auch mal Leute aus der zweiten Reihe in die Verantwortung zu bringen. Die hatten nicht nur genau vorgegebene Abläufe zu befolgen. Sie mussten Werkleitung, Konzernleitung in Paris ebenso wie Presseabteilung in Berlin informieren, die Feuerwehr am Einsatzort mit Infos versorgen – und wurden von Anrufen „besorgter Bürger“ und „Medienvertretern“ auf Trab gehalten. Aber Teamleiter Wolfgang Deters, Jens Kuhlmann und Thomas Sandmann meisterten ihre Aufgabe souverän.

Das gilt aus Sicht von Bernd Meier auch für die Feuerwehr. Deren Einsatz habe in den einzelnen Übungsabschnitten „einwandfrei funktioniert“. Personell geschwächt war die Löschtruppe, weil beim Dithmarscher Rockfestival zehn Mann als Brandwache eingesetzt waren. Zu kämpfen hatte die Wehr mit der räumlichen Enge und mit Kommunikationsschwierigkeiten beim Pförtner. Das Krisenteam bemängelte Probleme beim Funk, es waren zwei unterschiedliche Kanäle verwendet worden. Zu ernsthaften Störungen der Kommunikation sei es aber nicht gekommen.

Eine echte Panne gab es auch: Die Ringleitung für die Löschwasserversorgung der Tanks bekam ein Leck, der Bereich musste mit Schiebern ausgeklammert werden. Aber, so Stefan Pein, Öl in dieser Menge brenne ohnehin lange, da falle ein kurze Verzögerung auch im Ernstfall nicht ins Gewicht.

Bernd Meier freute sich, dass seine Leute einmal mehr in einem der Brunsbütteler Werke üben konnten. Das sei jedes Mal eine neue anspruchsvolle Situation.

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