zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

16. August 2017 | 19:34 Uhr

Wenn der Roman zum Theaterstück wird

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Warum kommt ein Roman auf die Bühne? Sollte man ihn nicht lieber lesen? Der bekannte Theaterdramaturg und Autor John von Düffel vermittelte beim traditionellen Sonntagsforum der Freunde des Theater Itzehoe den Mehrwert, den eine Inszenierung bringt. Man bekomme meist eine neue Perspektive auf das Buch, so von Düffel.

Er veranschaulichte dies an seiner ersten Romaninszenierung, für die er 2005 die Buddenbrooks von Thomas Mann für die Bühne bearbeitet hat. Die Mannschen Figuren, die im Buch mit viel Ironie sehr distanziert dargestellt werden, kommen den Zuschauern im Theater sehr nahe – und damit auch Manns eigener Schmerz und sein Kampf mit seiner Biografie, der im Roman stärker verschlüsselt ist.

Das Buch sei mehr auf individuelle Bedürfnisse, das Theater mehr auf gesellschaftliche Relevanz ausgerichtet. Es fokussiere die Vorlagen, die meist stark gekürzt werden, so der Autor. „Im Idealfall ist das Stück verdichtet“, sagte von Düffel, der früher für das Hamburger Thalia Theater gearbeitet hat und derzeit am Deutschen Theater in Berlin wirkt.

John von Düffel erklärte sich die aktuelle Beliebtheit von Romanstoffen mit dem Bedürfnis nach Geschichten, dem das Regietheater lange nicht nachgekommen sei. Da es noch viele neue Geschichten gebe, erschließe sich das Theater damit ein ganz neues Feld.

Düffel entwickelte seine Einsichten im Dialog mit Theaterdirektorin Ulrike Schanko, die für die Romanumsetzung „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg“ warb. Das Stück gibt es am 23. März in Itzehoe zu sehen. Mit vielen Schauplätzen und Rückblenden ist es eine besondere Herausforderung fürs Theater. Zur skurrilen Fluchtbewegung des Hundertjährigen, der aus dem Seniorenheim entkommt und in Rückblenden sein ungewöhnliches Leben erzählt, passe der Schnürboden nicht, an dem verschiedene Kulissen heruntergelassen werden können. Deshalb setze man bei der Inszenierung auf eine Art Fließband, das horizontal über die Bühne laufe, so Schanko.



Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen