Weniger Schüler brauchen mehr Platz

Nicht ungewöhnlich: Lernen auf dem Flur. Schulleiter Hans-Peter Stein mit den beiden Fünftklässlern Dilana und Radoslaw.
Nicht ungewöhnlich: Lernen auf dem Flur. Schulleiter Hans-Peter Stein mit den beiden Fünftklässlern Dilana und Radoslaw.

Dilemma der Gemeinschaftsschule in den alten Räumen: Sie entspricht nicht modernen pädagogischen Anforderungen

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16. Dezember 2014, 14:58 Uhr

Sie wollen gerne „Schule der Zukunft“ sein. Doch für Rektor Hans-Peter Stein und sein Kollegium ist es noch ein weiter Weg, bis sich die Brunsbütteler Gemeinschaftsschule auch nur ansatzweise in der Zukunft angekommen sieht. Zwar wurde bereits vor acht Jahren zur Entwicklung der Bildungsstätten in der Schleusenstadt diskutiert. Doch die Schule, die sei 2008 Regionalschule und seit diesem Sommer Gemeinschaftsschule ist, muss weiter warten. Denn erst am 25. Januar entscheiden die Brunsbütteler, ob es einen Neubau am Bildungszentrum geben wird. Die Lehrer und ihre 400 Schüler müssen bis dahin geduldig sein.

Hausintern blitzt schon mal ein bisschen Galgenhumor auf. Etwa im Bild eines Containerfrachters auf dem Kanal mit der eingefügten Sprechblase: „Guck mal, die neuen Klassenräume für unsere Gemeinschaftsschule kommen!“

Tatsächlich gehören Containerklassen zum Bild an der Bojestraße, seit 2010 die Hauptschule integriert wurde – und es plötzlich in dem alten Gemäuer, teilweise von 1913, zu eng war. Acht Klassen werden derzeit in den Blechräumen unterrichtet. Die anderen haben es auch nicht viel besser: Die Räume, in denen sie fürs Leben lernen sollen, sind bei durchschnittlich 25 Schülern pro Klasse zu klein. Konzipiert worden seien derartige Unterrichtsräume für Schüler, „die brav das lernen, was in sie hinein gefüllt wird“ – Frontalunterricht wie zu früheren Zeiten. Moderne pädagogische Konzepte sehen etwas anderes vor, sagt Stein.

Er weiß, dass es mitunter schwer nachzuvollziehen ist, dass zeitgemäße Schulen trotz sinkender Schülerzahl einen höheren Raumbedarf haben. Das gilt auch für die Brunsbütteler Gemeinschaftsschule. 2016 werden aller Voraussicht nach nur noch 350 Schüler unterrichtet. Dennoch sagt Stein: „Dann stehen nicht mehr genug zusammenhängende Räume zur Verfügung.“ Containerklassen seien dann die letzte Rettung.

Grund für den erhöhten Platzbedarf: „An einer Gemeinschaftsschule sind Klassen nicht mehr homogen.“ Heißt: Die Leistungsspanne der Schüler ist sehr unterschiedlich. Schwache müssen gefördert, starke gefordert werden. Dies möglichst in effektiven Kleingruppen. Und die brauchen Platz, um sich nicht gegenseitig zu stören. „Dafür brauche ich eine Lernwerkstatt“, sagt Hans-Peter Stein, „mit ganz viel Material und ganz viel Platz.“ Denn eines sei sicher, betont der Lehrer: „Unterricht in der hergebrachten Art lässt sich an Gemeinschaftsschulen nicht sinnvoll machen.“

Er tritt auch einem Argument entgegen, das von Gegnern eines teuren Neubaus gern angeführt wird: „Räume, die grundsätzlich leer stehen, gibt es bei uns nicht.“ Wenn mal vorübergehend eine Klasse verwaist sei, dann seien die Schüler in einem der Fachräume. Oder unterwegs zum Sportunterricht am Bildungszentrum. Dort befindet sich auch der Technikraum der Schule. Stein: „Zurzeit müssen wir teilweise mehrmals täglich zwischen den Standorten wechseln.“ Für den Sportunterricht bedeute das einen ziemlichen Einschnitt. Jede Klasse erhält wegen der weiten Wege nur einmal in der Woche eine Doppelstunde Sport.

Es gibt noch ein Reihe weiterer Kritikpunkte am Ist-Zustand der Bildungsstätte. Stein packt nicht einfach nur einen Wunschkatalog aus, er sorgt sich auch um die Zukunft der Brunsbütteler Gemeinschaftsschule. Wenn Eltern diese nicht für leistungsfähig genug für ihre Kinder hielten, wichen sie womöglich ins Umland aus. Und qualifizierte neue Lehrer machten gleich einen Bogen um die Schleusenstadt.

Wie Unterricht unter den jetzigen Bedingungen abläuft, wollen Stein und sein Kollegium bei einer Bürger-Info zeigen. Dann wird ausnahmsweise an einem Sonnabend unterrichtet, interessierte Bürger können sich dann vor Ort live darüber informieren, wie die Situation jeden Tag an der Schule in der Bojestraße gemeistert wird. „Die Brunsbütteler sollen sich sachlich informieren können“, sagt Hans-Peter Stein.

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