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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2017 | 02:04 Uhr

100 Jahre : Wenig Feierlaune beim Schuljubiläum

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Boje-Regionalschule in Brunsbüttel feierte 100-jähriges Bestehen. Doch Diskussion um die Zukunft trübte die Stimmung. Deutlicher weniger Gäste als erwartet kamen.

shz.de von
erstellt am 02.Sep.2013 | 05:00 Uhr

1913 im Rahmen der Erweiterung des Kaiser-Wilhelm-Kanals errichtet, war die damalige Brunsbütteler Mittelschule nicht nur ein Zeichen für Wohlstand in der Schleusenstadt. Das innerhalb von rund zwei Jahren errichtete Gebäude stand sinnbildlich für Pioniergeist und Fortschritt, war es doch seinerzeit die erste Mittelschule in Dithmarschen, unter deren Dach sowohl Mädchen als auch Jungen unterrichtet wurden. Insgesamt 162 Schülern bot die Mittelschule unmittelbar nach ihrer Fertigstellung einen Platz. Die heutige Regionalschule beherbergt 552 Schüler, 40 Lehrer und zwei Lehrpädagogen.

Zur Feier anlässlich des 100. Geburtstag des Schulgebäudes lud die Regionalschule am Sonnabend zunächst in die Aula. Den musikalischen, tänzerischen und schauspielerischen Darbietungen der Schüler und Festreden des Schulleiters und der Gäste schloss sich ein Tag der offenen Tür an. Erst nach reiflicher Überlegung hatte sich die Lehrerschaft darauf verständigt, auf diesem Wege den 100. Geburtstag des Schulgebäudes doch noch zu begehen. Feierlaune und Partystimmung kamen hierbei jedoch nicht so wirklich auf, getrübt durch die Diskussion um das unter Denkmalschutz stehende Gebäude. Der eigentliche Anlass der Feierstunde rutschte zeitweilig etwas in den Hintergrund.

Schulleiter Hans-Peter Stein begrüßte in der Aula deutlich weniger Gäste als erwartet. Neben Bürgermeister Stefan Mohrdieck, Bürgervorsteherin Karin Süfke und Schulrätin Angelika Sing nahmen lediglich einige wenige ehemalige Schüler und Eltern sowie die Ratsfrauen und -herren der SPD-Fraktion und der Grünen an dem offiziellen Festakt teil. Das Fernbleiben von CDU- und FDP-Ratsmitgliedern stieß auf Kritik, da diese in der Ratsversammlung federführend verantwortlich dafür waren, dass die Planungen für den Neubau einer dreizügigen Regionalschule am Bildungszentrum gestoppt wurden (wir berichteten).

„Ich habe hier in diesem Gebäude meine Realschulzeit beendet und Unterricht auf hohem Niveau genossen“, erinnerte sich Stefan Mohrdieck in seiner Festrede. Seit der Beendigung seiner Schulzeit habe sich jedoch vieles verändert. Momentan durchlaufen Schüler, Eltern und insbesondere die Lehrer eine schwere Zeit. Sei die jüngste Schulreform noch gar nicht ganz verdaut, drohe nach dem Willen der Landesregierung bereits die nächste Reform weg von der Regionalschule hin zur Gemeinschaftsschule, bedauerte Mohrdieck. Für Unruhe sorge darüber hinaus das politische Hin und Her zum Thema Schulneubau. „Ich halte den Standort Bojestraße für nicht zukunftsträchtig“, betonte er und führte eine ganze Liste an Schwachpunkten für den Schulstandort auf. „Ich bin mir sicher, die Ratsversammlung wird am Ende eine gute und richtige Entscheidung treffen“, unterstrich der Bürgermeister und fügte an: „Hoffentlich wird es mit der Entscheidung nicht so lange dauern.“ Schulrätin Angelika Sing zeigte sich „voller Hoffnung“, dass man sich in der Schleusenstadt am Ende darauf verständigen werde, einen zeitgemäßen Neubau zu errichten, der den neuen Ansprüchen, denen sich Schulen gegenübergestellt sehen, entspricht.

Abschließend lieferte Schulleiter Hans-Peter Stein den Gästen einen Einblick in die 100-jährige Geschichte des Gebäudes. „Wie sie sehen, gab es ein stetiges Auf und Ab in Sachen Schülerzahlen. Die Prognose, dass wir bald lediglich 350 Schüler haben werden, wird eintreten. Aber ich prognostiziere, dass die Schülerzahlen auch wieder, wie in den zurückliegenden 100 Jahren mehrfach geschehen, nach oben gehen. Niemand kann 20 Jahre in die Zukunft blicken.“ Das untermauerte unter anderem auch das Projekt, dessen Ergebnis zwölf Schüler um Lehrer Oliver Wendt beim Tag der offenen Tür präsentierten. „Wenn man sich die Entwicklung der Schülerzahlen der vergangenen hundert Jahre anschaut und sich das Gebäude betrachtet, sollte jedem sehr schnell klar werden, dass diese Schule viel zu klein ist“, erklärten die Schüler Fin Lukas (14) und André (15). Gerne würden sie mal die gegenüber einem Neubau kritisch eingestellten Ratsmitglieder durch ihre Schule führen und über die Unterrichtssituation aus ihrer Sicht berichten.

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