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SERIE : Weltweiter Erfolg mit innovativen Pumpen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Itzehoer Firma SIHI erneut auf dem Weg in neue Märkte. Vorstandsvorsitzender spricht zum Auftakt einer neuen Serie über Lage der Firma und der Region.

von
erstellt am 26.Jan.2014 | 16:00 Uhr

Immer nur schlechte
Nachrichten aus Itzehoe
und der Region? Nein.
Stadt und Kreis stellen
sich neu auf. In einer Serie
stellen wir Chancen
und Perspektiven dar.

Das Unternehmen verbindet Tradition und Innovation. Es ist erfolgreich, und das weltweit. Die Tendenz bei SIHI ist positiv. Darüber, aber auch die Sicht des Unternehmens auf die Region und ihre Verbundenheit mit ihr spricht Vorstandsvorsitzender Erich Mohrdieck im Interview.

Herr Mohrdieck, wie geht es SIHI aktuell?
Mohrdieck: Das Unternehmen ist heute in einer strategisch und finanziell guten und stabilen Position. Es gibt in Itzehoe noch Unternehmen, die durchaus positive Aspekte in die Region bringen können. Und dazu würde ich SIHI zählen.

Wie sehen Sie die weitere Geschäftsentwicklung – und was bedeutet das für den Standort?
Die wichtigste Aufgabe ist es, das Kerngeschäft global zu positionieren und neue, innovative Produkte in den Markt zu bringen. 2014 werden wir acht Innovationen in den Markt einführen und sind damit das innovativste Unternehmen in der Pumpenbranche. Wir setzen auf Mechatronik, das heißt, intelligente Pumpen bzw. Systeme, die dem Kunden in seiner Anwendung enorme Einsparungen oder Produktionsvorteile geben. Die zweite wichtige Wachstumsausrichtung sehen wir in Asien, speziell in China und Indien. Gerade in China haben wir unseren Umsatz in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt und wollen dies in der gleichen Dynamik fortführen. Insbesondere die Innovationen oder anspruchsvollen Produkte werden überwiegend in Deutschland entwickelt und produziert und haben auf dem Weltmarkt eine klare Positionierung. Hält man den Vorsprung, haben die deutschen Standorte gute Aussichten. Auf der anderen Seite kann man „einfache“ Produkte aus Kostengründen nicht mehr für den Weltmarkt in Deutschland herstellen, dies wird lokal in China oder Nordamerika in der SIHI-Gruppe abgedeckt.

Was ist dabei im Management das Schwierigste?
Ich denke, es gibt zwei grundsätzliche Dimensionen. Zum einen muss man immer die Balance finden zwischen menschlichen Grundwerten und harten, aber oftmals einfach notwendigen Unternehmensentscheidungen. Wohltätigkeit ist nicht die Grundidee eines Unternehmens, sondern der geschäftliche Erfolg. Nur der sichert Arbeitsplätze. Die zweite Dimension ist, dass man keine Angst vor Entscheidungen haben darf. Wer zögerlich ist, wer nie ein Risiko eingeht, verpasst Chancen.

Zum Beispiel?
Wir haben uns neben den etablierten Märkten, in denen wir tätig sind, auch neue Märkte angeschaut und waren sehr erfolgreich zum Beispiel beim Thema Photovoltaik unterwegs. Nach ganz kurzer Zeit hatten wir eine Weltmarktführung erreicht – dann ist dieser Markt weg gebrochen. Wir haben uns jetzt neue, interessante, innovative Märkte angeschaut zur Kompensation und sind ganz zuversichtlich, dass wir diese Märkte mit den neuen Produkten erschließen und vielleicht sogar einige Industrien revolutionieren werden. Weil diese Produkte am Standort Itzehoe entwickelt und gebaut werden, sind wir zuversichtlich, dass dies für ihn eher Chancen als Risiken birgt. Es geht um industrielle Vakuum-Anwendungen, insbesondere Beschichtungstechnologien, für Glas, Werkzeuge oder auch Halbleiter – also Hightech-Anwendungen.

Gibt es dabei auch Verknüpfungen mit dem Itzehoer Hightech-Raum?
Wir haben Verbindungen und Informationsfluss, wir sind vernetzt. Aber wir müssen auch feststellen, dass es als Absatzmarkt für uns nicht wichtig ist, sondern eher als Informationsmarkt. Wir beliefern überwiegend Anlagenbauer, und diese Anlagen sind dort vorhanden.

Ist bei der globalen Ausrichtung des Unternehmens Itzehoe als Sitz noch von besonderer Bedeutung? Wie stark ist die Bindung?
Hier ist der Stammsitz, hier ist der Ursprung des Unternehmens, hier sitzt unsere Forschung und Entwicklung. Über die vielen Jahre haben sich Kompetenzen am Standort entwickelt, die sehr wichtig sind, um auf dem Weltmarkt zu bestehen. Wir haben uns in der Region seit vielen Jahren verstärkt. In den vergangenen Jahren haben wir immer Mitarbeiter auf- und nicht abgebaut. Wir haben durch unsere Innovationen viel dafür getan, dass neue Produkte in den Markt kommen. Aber letztlich ist der Markterfolg die entscheidende Größe, ob ein Unternehmen wächst oder nicht.

Wie fühlt es sich für Sie selbst an, seit 25 Jahren dabei eine maßgebliche Rolle zu spielen?
Als Erstes spüre ich dabei die Verantwortung. Man trägt Verantwortung für das Unternehmen und dessen Mitarbeiter, aber auch für die Region. Das Zweite ist mein Wille, dieses Unternehmen weiter nach vorn in die Weltspitze zu führen. Führende Unternehmen konzentrieren sich auf Chancen, die der Wandel mit sich bringt, und nutzen Wachstumsmöglichkeiten, die sich ergeben. Aber letztlich ist es immer das Streben, im Wettbewerb voraus zu sein und die Kunden zufrieden zu stellen.

Als einer der Wirtschaftsführer in der Region – wie sehen Sie die Entwicklung?
Die Frage ist, wie groß man die Region zieht. Wir haben die Metropole Hamburg in der Nähe, die sehr viel bietet. Ein bisschen lokaler geschaut auf Itzehoe und den Umkreis, muss man feststellen, dass insbesondere durch den Abzug von Arbeitsplätzen keine wirkliche Dynamik, kein Aufbruch mehr vorhanden ist. Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe, diesen Aufbruch wiederherzustellen, vielleicht durch Förderung mittelständischer Unternehmen, vielleicht auch durch ein innovatives Städtekonzept. Ich möchte da die Politik und alle Verantwortlichen in die Pflicht nehmen, sich hier noch mehr zu engagieren.

Für die Region ist es interessant, wenn hiesige Unternehmen investieren. Gibt es bei SIHI Planungen?
Dazu muss man sagen, dass wir für die Zukunftsmärkte in Vorleistung gegangen sind. Wir haben zweistellige Millionenbeträge in den vergangenen Jahren investiert. Ich glaube, das kann kaum ein anderes Unternehmen in dieser Region vorweisen. Natürlich werden wir weiter investieren, wenn diese Wachstumspläne sich realisieren. In diesem Zusammenhang haben wir uns auch die Kapazitäten am Standort angeschaut und den Flächenbedarf. Wir haben diverse Optionen geprüft, sind aber sicher, dass wir bis zu einer Verdoppelung des Umsatzes mit den vorhandenen Gegebenheiten mit einem modularen Ausbaukonzept auskommen.

In der Region bleiben – das gilt auch für Sie selbst. Was gefällt Ihnen hier?
Zum einen liebe ich Wind und Meer. Man ist dicht an einer Metropole Hamburg, und die Region um Itzehoe herum bietet einen hohen Freizeitwert: Mit dem Golfclub Breitenburg liegt einer der schönsten Golfplätze überhaupt vor der Tür, man kann segeln, hat schöne Laufstrecken, man kann ausgiebige Spaziergänge oder Motorradtouren machen. Und es sind die Menschen in dieser Region, die nordisch klar, offen und zuverlässig sind. Aber es gibt auch Dinge, die nachdenklich machen: die Infrastruktur des Stadtkerns. Die Stadt verliert an Attraktivität, da sind wir alle aufgefordert, etwas zu tun.

Geht es aus Ihrer Sicht eher abwärts oder aufwärts?
Im Management ist man immer aufgefordert, klar die Aufgabenstellungen zu erfassen und Ziele und Maßnahmen abzuleiten. Wenn ich als Manager auf dieses Thema schaue, würde ich sagen: höchste Zeit zum Handeln.
In welche Richtung?
Ganz klarer Fall: Belebung des Wirtschaftsraumes, Belebung der Innenstadt. Bei der Kultur sehe ich nicht den ganz großen Bedarf zum Handeln. Vielleicht lautet das Thema auch mehr Neuorientierung, Aufbruch, Selbstbewusstsein einer Stadt. Ihr ein Format zu geben, und das nicht nur mit einem Logo, sondern mit Aktivitäten und Menschen.

Welchen Beitrag kann SIHI leisten?
Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen, und unser höchstes Ziel ist es, das Unternehmen zum Erfolg zu führen. Damit sichern wir Arbeitsplätze und bringen Kaufkraft in die Region. Ich denke, das ist unser größter Beitrag. Wir sind kulturell für das Theater engagiert, wir machen Einiges. Aber wir dürfen diese Firma nicht mit den falschen Themen überfordern. Wir müssen uns auf unser Geschäft konzentrieren – und das tun wir. Den Vorteil hat die Region, indem sie Kaufkraft hat.


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