Weltumsegler machen in Burg fest

Die „La Paloma“ beim Burger Fähranleger.
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Die „La Paloma“ beim Burger Fähranleger.

Zwangspause für fünfköpfige Familie aus der Schweiz im Nord-Ostsee-Kanal nach Pumpenschaden

shz.de von
25. Juli 2015, 11:42 Uhr

,,Besser hier als mitten auf dem Atlantik“, dürfte einer der ersten Gedanken gewesen sein, die Marc-Anton Hochreutener kamen beim Anblick einer Leckage im Maschinenraum seiner Yacht ,,La Paloma“. Wassereinbruch –- auf hoher See geht es dann schnell um Leben und Tod, auf dem Nord-Ostsee-Kanal geht es mehr um die nächstbeste geeignete Anlegestelle. Die sah Hochreutener am Burger Fähranleger. Ein Monteur tauschte gestern die defekte Lenzpumpe aus, der Fortsetzung der Weltumsegelung stand somit nichts mehr im Wege.

Bis dahin genossen Marc-Anton Hochreutener (47), Ehefrau Nicoletta von Laue (43) und ihre Kinder Elias (11), Toja (10) und Gabriel (8) den Sommerabend im Burger Fährhaus. Vier Jahre lang wollen sich die Schweizer die Welt anschauen. Es ist das Abenteuer ihres Lebens. Haus, Mobiliar und Autos hat das Arztehepaar bereits 2014 verkauft.

„Mit 40 habe ich mir das Segeln als neues Hobby erwählt“, sagte der 47-Jährige. Mit einem Sieben-Meter-Boot ging es hinaus auf den Zürichsee. Dort wuchs der Traum, einmal die Welt auf der eigenen Yacht zu umsegeln. 2013 erstand das Ehepaar die „La Paloma“. Da hatte die alte Mahagoniyacht schon ein Leben hinter sich. Gebaut Ende der 80er, erstmals zu Wasser gelassen 1992, ist die 16 mal 4,50 Meter lange Ketsch jetzt das neue Zuhause von Marc-Anton, Nicoletta und ihren Kindern. ,,Wir sind die dritten Besitzer", sagt Nicoletta. Die ,,La Paloma“ ist ein edles Schiff, aus vierfach verleimtem Mahagoniholz, außen verkleidet mit einer GFK-Hülle. ,,Die Wandstärke beträgt vier Zentimeter, das Schiff ist sehr massiv gebaut“, sagt Marc-Anton Hochreutener. Voll beladen kommt die Yacht auf gut 27 Tonnen. 1000 Liter Diesel und 900 Liter Frischwasser sind an Bord. Das Leben findet auf 40 Quadratmetern statt. Vier Kabinen hat die Yacht, dazu Werkstattraum, Kartenraum, Mitteldeck, WC und Dusche.

Von Burg ging es gestern weiter nach Cuxhaven, nächstes Ziel ist Borkum. Hier treffen die Weltumsegler Freunde. Ärmelkanal, Biscaya und dann die Entscheidung: erst ein Jahr Mittelmeer oder gleich auf der alten Columbusroute mit dem Passatwind rüber in die Karibik? Alles ist offen, alles wird entschieden, wenn es so weit ist – oder man sich es zutraut. Segelerfahrung sammelte der Familienvater auf dem Zürichsee und mit einigen Wochen Ostseetörn vor Reiseantritt. Er hat den Hochseeschein. Technisch ist die „La Paloma“ auf dem neuesten Stand, vor allem, was die Elektronik angeht. Die Maschine ist ein Sechszylinder mit 6,8 Litern Hubraum und 113 PS.

Seine Kinder wird das Arztehepaar selbst unterrichten. ,,Hier haben wir nur zwei Stunden Schule. Wir lernen viel mehr in der Praxis“, sagt Elias. Toja möchte gerne Indien sehen. Auch die Südsee ist ein Traum der Familie. Vermeiden wollen sie die Piratengebiete. Und wenn nun doch die Piraten kommen? Elias bleibt gelassen: ,,Mama ist Psychiaterin, die regelt das.“



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