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SCHÜLER FEHLEN : Wellenkamper Schule vor dem Aus

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Zu wenig neue Fünftklässler: Gemeinschaftsschule Lübscher Kamp soll bis 2018 kontrolliert auslaufen.

Sie haben für ihre Schule gekämpft und nach Solidaritätsbekundungen aus Politik und Verwaltung wieder Hoffnung geschöpft – um so härter traf Lehrer und Eltern an der Gemeinschaftsschule Lübscher Kamp nun, was sich im Bildungsausschuss abzeichnete: Es wird keine langfristige Zukunft für die Wellenkamper Schule gesehen.

In der Einwohnerfragestunde machten Eltern und Lehrer, teilweise unter Tränen, ihrer Wut und Enttäuschung Luft: Warum kann es eine Außenstelle einer städtischen Schule in Heiligenstedten geben, nicht aber in Wellenkamp? Wurde die Schule kaputt gespart, weil zum Beispiel nicht in einen neuen Chemieraum investiert wurde? Und vor allem: Was soll aus den Kindern werden? „Es sind Sorgen, die mich verrückt machen“, sagte eine Mutter.

Schulrat Arnold Rehder (Foto) umriss die Situation. „Es tut mir leid um die gute Arbeit, die an der Schule täglich gemacht wird. Die Leute sind top, aber das kommt nicht bei genügend Eltern an.“ Denn auch für das kommende Schuljahr wurden nur 24 Kinder angemeldet. Damit wird zwar die neue Mindestgröße von 240 Schülern erreicht, es ist jedoch nur eine Einzügigkeit möglich. Für die Klassen 5 und 6 sei das kein Problem, so Rehder. Doch ab Klasse 7 wird es schwierig. Denn mit so wenigen Schülern – und entsprechend weniger Lehrerstellen – lässt sich kein ausreichendes Wahlpflicht-Angebot umsetzen. Doch dieses ist nötig, um den Schülern den Übergang in eine gymnasiale Oberstufe zu ermöglichen. Für Rehder steht deshalb fest: „Eine fortwährende Einzügigkeit ist pädagogisch nicht verantwortbar.“ Eine Trendwende sei auch für die kommenden Jahre nicht zu erwarten. Dafür sorgt schon der demografische Wandel, den auch das Neubaugebiet in Breitenburg nicht aufhalten könne, hieß es in der Sitzungsvorlage. Schon zum Schuljahr 2015/16 werde die Mindestgröße wieder unterschritten, so dass die Schule weiter bedroht wäre.

Rehder würde gerne eine Lösung finden, durch die alle „mitgenommen“ würden. Sein Vorschlag: Der Schulbetrieb läuft bis zum Jahr 2018 kontrolliert aus. Dadurch hätten die jetzigen 6. bis 9. Klassen die Möglichkeit, ihren Abschluss in Wellenkamp zu machen. Die jetzigen Fünftklässler sowie die für das kommende Schuljahr angemeldeten könnten jeweils nach der 6. Klasse geschlossen als Klasseneinheit an eine andere Gemeinschaftsschule wechseln. „Der Platz wird da sein“, versprach Rehder. So sei an der Wolfgang-Borchert-Schule zum Beispiel die Zahl noch nicht ausgeschöpft. Voraussetzung für diesen Plan ist allerdings, dass jeweils mindestens 20 Schüler erhalten bleiben. Er sei auch bereit „etwas zu geben“, betonte der Schulrat und meinte etwa Zugeständnisse hinsichtlich der Lehrerzahl. „Aber ich bin auf die überzeugten Eltern angewiesen. Wenn nur zwölf übrig bleiben, funktioniert es nicht.“

Eva Gruitrooy (Grüne) war schockiert. „Das hat eine riesige Tragweite.“ Sie sei davon ausgegangen „dass wir es schaffen, den Standort zu erhalten“. Sie fühlte sich als Mitglied des Bildungsausschusses nicht genügend einbezogen und wolle weiter kämpfen und auch die Kontakte nach Kiel nutzen. Auch die Kremper Schulverbandsmitglieder hätten Kontakte nach Kiel, entgegnete Rehder. Trotzdem sei die Schule geschlossen worden. „Die Hoffnung teile ich nicht.“ Wenn die Stadt jetzt keinen Beschluss fasse, müsse innerhalb einer Frist von zwei Jahren eine Lösung her – die sich aber derzeit nicht abzeichnet. Denn auch der Fortbestand als Außenstelle wird von der Schulaufsicht und der Stadt als Schulträger wegen der fehlenden Schüler nicht als sinnvoll gesehen. „Auch dann müssten wir die Schüler jeweils nach der 6. Klasse an andere Schulen holen“, betonte Andreas Arndt, Leiter des Amtes für Bildung.

Wenn in zwei Jahren keine Lösung da sei, entscheide das Ministerium, erklärte Rehder. „Das wird nicht so gut, als wenn Sie es jetzt beschließen.“ Später werde etwa kein Weg an jahrgangsübergreifendem Unterricht vorbei gehen.

Es sei die schwierigste Entscheidung, die er je im Bildungsausschuss habe treffen müssen, sagte Vorsitzender Dr. Ingo Teßmer (FDP). Am Ende gehe es um das Wohl der Kinder – und das sowie ihr Recht auf Bildung seien im aufgezeigten Weg am ehesten gewährleistet. Das sahen auch SPD und CDU so. Gegen UWI und Grüne und bei Enthaltung des IBF sprachen sie sich dafür aus, den Schulentwicklungsplan entsprechend fortzuschreiben. Morgen entscheidet die Ratsversammlung.

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erstellt am 14.Mai.2014 | 05:00 Uhr

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