Welche Ängste treiben die Menschen?

Notfallseelsorgerin Britta Stender: „Man fragt sich auf dem Weg oft: „Warum schon wieder so ein Unfall? Warum schon wieder so ein Todesfall?“
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Notfallseelsorgerin Britta Stender: „Man fragt sich auf dem Weg oft: „Warum schon wieder so ein Unfall? Warum schon wieder so ein Todesfall?“

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23. Januar 2015, 10:12 Uhr

Überall gegenwärtig ist die Diskussion über das, was in Dresden und an anderen Orten in Deutschland geschieht: Was sind das für Menschen, die jede Woche unter der Bezeichnung „Pegida“ auf die Straße gehen? Woher kommt ihre Angst vor einer „Islamisierung des Abendlandes“, wie sie es nennen? Welchen Ängsten verleihen Menschen Ausdruck und welcher Geist treibt sie?

Ebenfalls überall gegenwärtig: Bilder und Berichte von Menschen auf der Flucht. In Flüchtlingslagern dicht an der Grenze zu Syrien oder dem Irak; in letzter Minute gerettet von Schiffen, die von der Besatzung sich selbst überlassen wurden. Menschen, die bestimmt nicht gerne ihre Heimat, ihre Familien verlassen haben.

Wenn ich richtig verstehe, was ich sehe und höre, dann haben die besorgten Bürger auf den „Pegida“ - Demonstrationen unter anderem vor diesen Menschen Angst: vor Flüchtlingen, die ihre Heimat verlassen mussten und die es am Ende zu uns verschlagen könnte. Oder verstehe ich das falsch?

Mit dieser Frage im Kopf lese ich, was der Apostel Paulus an die Gemeinde in Rom geschrieben hat: „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“ Dass ich ein Kind Gottes bin, das glaube ich gern, aber dann muss ich mich fragen lassen, welcher Geist mich treibt und leitet, in meinem Denken und Tun, in meinem Alltag – also auch da, wo es um „Pegida“ und die Flüchtlinge geht.

Jesus hat aus dem Geist Gottes gelebt und gehandelt und er hat immer zuerst den Menschen und seine Not gesehen. Von diesem Geist will auch ich mich leiten lassen: Wer als Fremder zu uns kommt, ist zunächst einmal ein Mensch – oft ein Mensch in Not. Und wo Menschen in Not sind, ist es Christenpflicht, zu helfen.

Und danach - erst danach - können wir über vieles miteinander reden: Wie kann das Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Kulturen und Religionen gelingen? Welche Probleme gibt es dabei? Zuerst aber gilt es, im Fremden, den Menschen in Not zu sehen und sich seiner anzunehmen.

Wenn wir das versäumen, treibt nicht uns der Geist Gottes, sondern wir vertreiben ihn.

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