zur Navigation springen

Fortsetzungsroman : Weihnachtsgeschichte in 24 Teilen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Neu-Hennstedter Thomas Jürs präsentiert eigenwilligen Adventskalender. Ziel: Bürger sollen miteinander ins Gespräch kommen.

shz.de von
erstellt am 15.Dez.2013 | 08:00 Uhr

In Hennstedt wundern sich Anwohner über geheimnisvolle, an täglich verschiedenen Orten aufgestellte Plexiglaskästen. Ihr Inhalt: eine Weihnachtsgeschichte als Fortsetzungsroman zum Mitnehmen für täglich 100 Neugierige. Ausgedacht hat sich diese „Lebendige Weihnachtsgeschichte“ Thomas Jürs (42), Kunststudent in Kiel an der Muthesius Kunsthochschule. „Ich bin am 1. Juli diese Jahres nach Hennstedt gezogen und habe sofort die Bedeutung dieses Ortes für Weihnachten erkannt“, erzählt er.

Jürs hatte die Idee, eine Schnitzeljagd durch das Dorf zu veranstalten, an der alle teilhaben können und zu der er die Geschichte erzählt, wie das Weihnachtsfest gerettet werden kann. An zwei Abenden hat er ein Rundschreiben in Hennstedter Briefkästen geworfen und die Einwohner darin über die Aktion informiert. Start war an seinem eigenen Haus. Die Geschichte präsentiert er den Hennstedtern wie bei einem Adventskalender in 24 täglichen Teilen. Um das für die Einwohner noch ein wenig spannender zu machen, gibt er diese an 24 verschiedenen Orten im Dorf heraus, jeweils mit einem kleinen, „skulpturalen“ Eingriff. Denn er hat acht Kästen aus Plexiglas gebaut und diese an ausgesuchten Orten an einem Holzpfahl in den Boden gerammt. „Zwei sind im Sturm leider kaputt gegangen.“

Die Einwohner müssen nun jeden Tag an den neuen Ort gehen und sich die Zettel heraus nehmen, auf denen am Ende jeweils der Ort des Folgetages vermerkt ist. „Ich kopiere täglich 100 Exemplare. Man kann sie zum Schluss zu einem kleinen Büchlein zusammen binden.“ Als Standort für die jeweiligen Fortsetzungen hat er sich 24 Orte in Hennstedt gesucht, die „etwas Magisches“, ein eigenes Flair, haben, wie etwa eine abgebrannte Scheune.

Eine selbst gebaute Radarfalle eines Nachbarn, die von einem Autofahrer umgerissen wurde, gab ihm den inhaltlichen Einstieg. „Im Kopf entstand die erste Geschichte, dass das der Weihnachtsmann war.“ Die Story mit dem Titel „Der Weihnachtsmann und der Waldschrat“ benennt schon die großen Gegenspieler seiner Geschichte, die alles hat, was eine spannende Story ausmacht, es werden „Weihnachtswichtel“ und der Waldschrat als Bösewicht eingeführt. „Ich schreibe pro Tag zwei bis drei Seiten.“ In der Folge der Ereignisse wird dem Weihnachtsmann die saubere Energiequelle für seinen Schlitten vom Waldschrat gestohlen, so dass Weihnachten dieses Jahr auszufallen droht. „Das Weihnachtsfest muss zum Schluss aber statt finden.“

Der Zuspruch im Ort ist enorm. 100 Exemplare gehen mittlerweile problemlos weg. „Eine Nachbarin sagte, das Dorf sei im Weihnachtsgeschichtenfieber.“ Selbst die Organisatorin des Adventscafés hat nach den Geschichten gefragt. „Jetzt klingeln die Leute schon bei mir an der Tür und fragen nach, ob es noch ein Exemplar gibt, wenn sie eines versäumt haben.“ Da muss er sie allerdings enttäuschen, denn es gibt bewusst nicht für jeden einzelnen eine Kopie: „Wer einen Teil verpasst hat, muss mit Nachbarn oder der Dorfgemeinschaft Kontakt aufnehmen.“

Denn Sinn der Aktion ist es, dass die Einwohner miteinander kommunizieren und es an Weihnachten nicht nur ums Geld und Geschenke geht. So kommt es auf Kooperation an. „Ich hoffe, dass sie sich untereinander aushelfen. Wenn das alle Menschen machen, ist das eine fantastische Art des Zusammenhaltes und das Weihnachtsfest ist doch noch gerettet.“

Nach Abschluss der Aktion will Thomas Jürs einen Sponsor für eine Druckversion von etwa 50 Seiten finden.


Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen