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Norddeutsche Rundschau

20. August 2017 | 08:29 Uhr

Tradition : Weihnachtsfeier im Wandel der Zeit

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Früher Temming, heute Steinbeis: Seit über 60 Jahren werden die Kinder der Mitarbeiter in der Adventszeit eingeladen.

Volles Haus bei der Weihnachtsfeier für die Kinder der Steinbeis-Mitarbeiter. Rund 130 Jungen und Mädchen zwischen drei und elf Jahren hat das Papier herstellende Unternehmen in das Personalrestaurant an der Stadtstraße eingeladen.

Die Weihnachtsfeier für die Kinder des Unternehmens – früher Temming, heute Steinbeis – hat eine lange Tradition. Ein Blick in die „Werkblätter“, der ab 1951 alle ein bis zwei Monate erscheinenden Mitarbeiterzeitung, zeigt das. In Heft Nummer 8 vom Dezember 1951 wird die Weihnachtsfeier für den 21. Dezember im Ausflugslokal Franscher Garten am Schwibbogen angekündigt. Aber dies war nicht die erste Feier, darauf weist der Satz „Und wieder einmal ist’s soweit“ hin. Für Unterhaltung sorgte damals die Rendsburger Landesbühne, die das Märchen Schneeweißchen und Rosenrot aufführte. Organisiert wurde die Feier vom Sozialausschuss. Die Kinder erhielten ein Geschenk – und die Mahnung, beim Lesen der geschenkten Bücher doch bitte Strom zu sparen.

Im folgenden Jahr geriet das Unternehmen wegen hoher Einkaufspreise für und dem gleichzeitigen Verfall der Papierpreise in eine Krise. Die Weihnachtsfeier für die Erwachsenen wurde abgesagt, die zum Teil auf Kurzarbeit gesetzten Arbeiter erhielten Einkaufsgutscheine für die werkseigene Kantine, die damals ein gutsortiertes Geschäft war. Die Feier für die Kinder fand allerdings statt. Ein Foto zeigt, was die Kinder als Geschenke bekamen: Puppen für die Mädchen, Modellautos oder ein Tipp-Kick-Spiel für die Jungen. Schon damals, in Zeiten, wo Betriebsangehörige sich für Zuwendungen für Wintermäntel, Kohle oder Kinderstiefel bedankten, waren die Geschenke sehr großzügig.

Auch 1957 stand die Feier auf der Kippe. Ein Großbrand in der Linterskocherei C am Abend des 7. August wirkte noch nach. Trotz dieses Unfalls fand die Weihnachtsfeier im Tivoli statt. Diesmal wurde – Ironie des Schicksals – Aschenputtel gegeben.

Und 2015? Während die Kinder in den oberen Räumen das Theaterstück „Das kleine Gespenst“ vom Pur Theater aus Norderstedt sehen, sitzen die Eltern bei Kaffee und Kuchen in der Cafeteria. Unter ihnen ist Oliver Kleinfeldt, Papiertechniker an der Papiermaschine 4, mit fünf seiner sechs Kinder. Theo ist erst sechs Wochen alt und verschläft die Veranstaltung, Enno (1) bleibt bei den Eltern, aber Helene (6), Luise (9) und Paul (11) sehen sich die Vorführung an. Der älteste Sohn ist zu Hause geblieben.

Oliver Kleinfeldt kann sich noch gut an die Zeit erinnern, als er selbst die Kinderweihnachtsfeier bei Steinbeis erlebte. „Die Geschenke waren immer teuer, und es gab immer sehr schönes Spielzeug. Aber wenn der Weihnachtsmann kam, hatte ich Angst“, sagt er. Seine beiden Großväter und seine Eltern seien auch schon im Unternehmen gewesen, der eine war Chauffeur des Chefs und Kurierfahrer. Sein Vater war Meister im Papiersaal, später im Einkauf, die Mutter arbeitete ebenfalls im Papiersaal, wo früher das Papier geschnitten, sortiert, gezählt und verpackt wurde. Als Oliver Kleinfeldt Kind war, ging er mit seiner Mutter zu Fuß von der Temming-Siedlung ins Tivoli, und den langen Weg über freute er sich auf die Veranstaltung. „Auch damals gab es schon die Tafel Schokolade zu jedem Geschenk, und jedes Kind bekam eine kleine Flasche Coca Cola, das gab es sonst nicht“, erinnert er sich.

Familie Pottrick erscheint mit drei Generationen. Horst Pottrick kam erst nach seiner Ausbildung zu Steinbeis, aber sein Sohn Tobias, der im Vertrieb Magazinpapiere arbeitet, war als Kind in den 70er Jahren gemeinsam mit seiner Schwester regelmäßig dabei. Er erinnert sich noch an die Aufführungen der Kollmaraner Wasserspiele und an das ferngesteuerte Auto, das er bekam. Die Marke weiß er nicht mehr, „aber es war gelb und rot“. Heute ist er mit seiner Frau Claudia und den Zwillingen Leni und Famke (4) hier. Beide haben große Pakete im Arm, die sie aber erst zu Hause aufmachen.

Einige Kinder können es allerdings nicht erwarten und packen gleich ihre Geschenke aus. Es gibt Puppen, ferngesteuerte Autos und Hubschrauber, Spiele, Playmobil oder Lego. Da hat sich seit den 50er Jahren nicht viel geändert. Die ganz Kleinen, die auf dem Arm der Eltern warten, erhalten ein Warmie – ein Plüschtier, das mit Körnern gefüllt ist. Alles ist wie vor über sechzig Jahren. Auch die Ermahnung, doch bitte langsam die Treppe zur Ausgabestelle der Geschenke hinunterzugehen. Allerdings bittet Christoph Nahrath, Produktionsleiter der Papiermaschine 4, die Kinder nicht, „brav“ zu sein, wie es früher hieß, sondern er droht: „Wer rennt, kriegt kein Geschenk!“

Ein bisschen haben sich die Zeiten eben doch geändert.

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erstellt am 18.Dez.2015 | 16:18 Uhr

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