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Norddeutsche Rundschau

13. Dezember 2017 | 16:22 Uhr

Kultur : Weihnachtliche Wundertüte

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Märchen, Gedichte, Gesang – und vollgepackte Koffer: In der Alten Schule in Wilster gab es ein letztes Mal Kreativität satt.

Dornröschen soll durch einen Frosch erlöst werden – und wehrt sich! Helga Hebbeln aus Heiligenstedterkamp gab ihr eine aufmüpfige Stimme und trug das humorvoll abgewandelte und in Knittelreime gefasste Märchen beim bunten Abend in der Alten Schule vor. Auf Dornröschen folgte die Tragödie vom Schuh-Bert, der zwangsläufig zum Komponisten wird. Zum Schluss ihres Vortrags hielt Helga Hebbeln ein kleines Heft als Leseempfehlung in den Saal und verwies auf den mit seinen Sprachspielen entdeckenswerten Hannoveraner Autor Friedhelm Kändler, der am zweiten Weihnachtsabend in Wilster einige Fans gefunden haben wird.

Unbekanntes und Ungewöhnliches mischte sich in der Alten Schule mit musikalischen Ohrwürmern und kulturellen Experimenten. „Lydias Wundertüte“ heißt das erfolgreiche Format, das nun zum fünften und leider letzten Mal in dem ehemaligen – wie jedes Mal mit rund 40 Besuchern – gut gefüllten Klassenraum über die Bühne ging. Moderatorin Lydia Dennull hatte wiederum ein illustres Programm zusammengestellt, Hobby- und Profikünstler geworben, die zum Auftritt bereit waren.

„Es ist jedes Mal spannend, weil sich einige dann doch nicht trauen und kurzfristig absagen“, berichtete die Sängerin, die selbst regelmäßig ein Chansonprogramm in der VHS Itzehoe präsentiert oder im Kreisgebiet mit ihrer Band auftritt. So hatte sie auch für diesen Abend „für den Notfall“ eigene Songs vorbereitet und sorgte mit „Aux Champs-Elysées“ oder „Comme si, comme ca“ für die französische Note. Und zum Start gab es den umgetexteten Wundertütensong: „Heute ist die Show, ich freu’ mich so….Ich seh dich an – und weiß – du kannst es bringen! Mir ist auch klar – man soll es nicht erzwingen, doch wenn du dich traust, dann läuft es von ganz alleine.“

Auch für die weihnachtliche „Wundertüte“ holte die spritzige Conférencieuse die Kreativität aus allen Winkeln der Region in der Alten Schule zusammen: Daniela Rentzow (Itzehoe) trug eigene Gedichte vor, die Horster Schwestern Fee (Klavier) und Tami Sponagel (Gesang) folgten mit einem Amy Winehouse-Song auf Märchenerzählerin Barbara Tewis aus Brande-Hörnerkirchen.

Maren Nottelmann warb für den jungen ugandischen Maler Nasurudiin Musoke, genannt „Nash“, der seine Bilder über die Itzehoer Familie verkauft und sich damit seinen Lebensunterhalt sichert. Der Kontakt kam über Tochter Kathrin zustande, die für einige Monate in Uganda gelebt hat und im Frühjahr mit ihren Eltern für einige Urlaubswochen dorthin zurückkehrt. „Ich freue mich sehr, Nash persönlich kennenzulernen“, erzählte Maren Nottelmann im Gespräch mit Lydia Dennull auf dem kuscheligen gelben Sofa.

Dort wechselte auch ein schwerer vollgepackter Koffer die Besitzerin: Mailo aus Kellinghusen übergab ihn Moderatorin Lydia Dennull. Die soll sich herausnehmen, was ihr gefällt, hineinlegen, was sie nicht mehr braucht und weitergeben. Die Idee soll in die Welt, wünschte sich Mailo. Drei Koffer hat sie mit ihren Freundinnen gepackt und weitergegeben – nun warten sie auf witzige Koffergeschichten, die auf einer Web-Site gesammelt werden sollen.

„Give peace a chance“ tönte es zum Höhepunkt des Abends mit John Lennons Friedenssong aus rund 40 Besucherkehlen, „Imagine“ stand ebenfalls auf dem Programm angestimmt von Rainer Rentzow. Der Bluesrocksänger ist übers Jahr oft mit seiner Band „The Factory Crew“ zu erleben. In Wilster groovte er seine Blues- und Rocksongs der 70er-Jahre temperamentvoll und mitreißend als Solist mit der Gitarre.

Und auch dieser Kulturimbiss endete traditionell mit Pommes aus dem Backofen für alle – präsentiert mit weißer Schürze und Kochmütze von Vereinsvorstand Anton Bade, der damit einmal mehr bewies, dass Kulturkulinarik auch niedrigschwellig sein kann.

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