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Norddeutsche Rundschau

22. Oktober 2017 | 15:53 Uhr

Tierschutz : Weihnachten mit wilden Tieren

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Wildtierhilfe Fiel wird durch die Stürme zurückgeworfen. Rund 300 Euro an Futterkosten fallen pro Tag an. Vor allem: Die Einrichtung ist auf Spenden angewiesen.

shz.de von
erstellt am 24.Dez.2013 | 16:00 Uhr

Weihnachten im Wohnzimmer mit Waschbären. Zugegeben, ganz so exotisch geht es bei Rosi und Dirk Fußbahn in diesem Jahr nicht zu. Aber mit den zahlreiche Wildtieren und Exoten wird trotzdem gefeiert. „Bis vor kurzem lief hier noch Fischotter Lotta durchs Haus. Aber inzwischen sind alle Tiere in ihren Gehegen und Behausungen“, sagt Dirk Fußbahn, Leiter der Wildtierhilfe Fiel in Nordhastedt. „Das Haus bleibt im Winter tierfrei.“ Doch Ruhe wird auch an den bevorstehenden Festtagen nicht einkehren.

Zwar ist die Hauptaufgabe der Wildtierhilfe die Versorgung von erkrankten und verletzten Tieren sowie die Aufzucht von verlassenen Jungtieren. Trotzdem gibt es im Durchschnitt rund 400 bis 600 Dauergäste. „Das sind zum einen Wildtiere, die nicht mehr ausgewildert werden können, aber auch Exoten wie unsere Affen, das Rabenpaar oder Füchse in Fehlfarben“, erklärt der Tierfachmann.

Fußbahn stammt aus Ratingen bei Düsseldorf und hat Tierpfleger gelernt. Sein enormes Wissen über die Tier- und Pflanzenwelt hat er sich zum Großteil allerdings selbst angeeignet sowie bei seiner Arbeit in Zoogeschäften und Tierparks. „Ich kann kein Auto reparieren, aber wenn es darum geht, einen jungen Igel großzuziehen, weiß ich Bescheid.“ Im Gegensatz zu vielen Hobbytierpflegern, die ein verwaistes Tierbaby finden, mit nach Hause nehmen und dann alles falsch machen, was man falsch machen kann. „Es gehört viel dazu, ein Tier so aufzuziehen, dass es danach allein zurechtkommt und wieder in die Natur zurückkehren kann“, sagt Dirk Fußbahn. Für junge Krähen oder Greifvögel müssen beispielsweise ganze Mäuse zerkleinert werden. Das allein schon ist eine Aufgabe, vor der viele zurückschrecken. Aber einfaches Katzen- oder Hundefutter reicht bei weitem nicht aus.

Und die Tierbabys brauchen sehr intensive Betreuung. Ab April, wenn die Zeit der Flaschenkinder beginnt, arbeiten meine Frau und ich rund um die Uhr im Zwei-Schicht-System. Wir geben uns dann sozusagen die Klinke in die Hand.“ Immer wieder brauchen die kleinen Igel, Rehe, Greifvögel und wer sonst noch in der Wildtierhilfe angeschleppt wird, Nahrung. Fast wie bei einem Menschenbaby gibt es dann für die ganz Kleinen die Flasche. Rund 1000 Tiere pro Jahr werden in Nordhastedt im Ortsteil Fiel aufgepäppelt und wieder ausgewildert. Denn das sei nach wie vor die Hauptaufgabe, versichert Fußbahn. Die Quote liegt bei etwa 90 Prozent.

Bei so vielen Tieren, die dort großgezogen werden, hat man da noch persönliche Highlights? „Das schönste Erlebnis war eine Zwergfledermaus. Die wog gerade einmal 1,2 Gramm als wir sie bekamen. Mit der Spritze haben wir ihr die Nahrung gegeben, sie groß bekommen und erfolgreich ausgewildert – das war toll.“ Aber auch jeder Rohrdommel und jedem Eisvogel widmet sich Dirk Fußbahn mit viel Herzblut. Dabei passt er aber immer auf, dass die natürliche Distanz gewahrt bleibt. So wird es auch Heiligabend für Dachs und Fuchs keine Extrawurst geben. „Mit den Tieren leben ist das eine, aber man sollte nie anfangen, sie zu vermenschlichen.“

Die tägliche Arbeit bei der Wildtierhilfe kennt keine Feiertage. Affen, Uhus, Wildschweine, Waschbären, Otter und viele andere wollen gefüttert werden. Rund 300 Euro pro Tag wird nur für das Tierfutter benötigt. Zudem werden neue Gehege, Käfige und Volieren errichtet – und die bestehenden natürlich regelmäßig gesäubert. Doch in den vergangenen Wochen ist viel Arbeit liegen geblieben. „Die Stürme haben uns stark zurückgeworfen“, berichtet Fußbahn. Bei Christian seien Dächer abgedeckt und Bäume entwurzelt worden. Da waren die Aufräumarbeiten und die Reparaturen aufwendig. „Bei ‚Xaver‘ haben wir uns zwar vorbereiten können, aber das hat auch einiges an Zeit gekostet.“ An die zusätzlichen Aufgaben wie beispielsweise umweltpädagogische Führungen für Kindergärten oder Schulklassen war da nicht zu denken.

Neben Rosi und Dirk Fußbahn gibt es noch drei Bürgerarbeiter, die sich um alles kümmern, was in der Wildtierhilfe anfällt. Noch bis Ende 2014 läuft das von der Arbeitsagentur unterstützte Projekt. Dann müssen auch die Mitarbeiter allein durch Spenden finanziert werden. Denn die Einrichtung arbeitet ausschließlich ehrenamtlich, finanziert über den Förderverein. So hoffen die Fußbahns, dass die Wildtierhilfe Fiel auch weiter auf gesunden, finanziellen Beinen steht, damit Rehkitz und Igelbaby auch künftig auf die Füße geholfen werden kann.

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