Umstrittener Löscheinsatz : Wehrführer am Pranger

Rund 2500 Strohballen brannten im September in der Dorfstraße in Heide. Dabei wurde auch Schaum eingesetzt, der nur für Indusrieanlagen zugelassen ist.
Rund 2500 Strohballen brannten im September in der Dorfstraße in Heide. Dabei wurde auch Schaum eingesetzt, der nur für Indusrieanlagen zugelassen ist.

Als Einsatzleiter hat er die Verantwortung – und sieht sich nun Vorwürfen der Staatsanwaltschaft konfrontiert: der Heider Wehrführer. Die Stadt stellt sich hinter André Eichert.

shz.de von
12. Januar 2015, 17:15 Uhr

Erst waren es die bis heute nicht aufgeklärten Ungereimtheiten in der Kameradschaftskasse, dann folgte die verheerende Brandserie. Nach nur einem Jahr im Amt hat André Eichert als Heider Wehrführer schon einiges hinter sich. Damit nicht genug: Nun ermittelt der Staatsanwalt gegen den Chef der Brandschützer, der oft genug auch als Einsatzleiter Verantwortung trägt.

Es ist der Großbrand vom vergangenen September in einem landwirtschaftlichen Betrieb im Ortsteil Rüsdorf, der die Itzehoer Staatsanwaltschaft, wie berichtet, auf den Plan rief. Mehr als 2000 Rundballen Stroh gingen damals auf dem Anwesen in der Dorfstraße in Flammen auf. Neben der Freiwilligen Heider Wehr waren noch zahlreiche Wehren aus dem nördlichen Dithmarschen angerückt, um der Feuersbrunst Herr zu werden.

Eichert führte an diesem Abend das Kommando. Zur Unterstützung war unter anderem auch die Berufsfeuerwehr der Raffinerie Heide vor Ort, die mit 10  000 Litern Löschwasser aushalf. Der Einsatz zog sich über mehrere Tage. In Spitzenzeiten beteiligten sich mehr als 400 Kräfte. Wie bekannt wurde, ermittelt jetzt die Itzehoer Staatsanwaltschaft wegen des Verstoßes gegen geltende Umweltschutzbestimmungen. Hintergrund: Es sollen mehrere tausend Liter Schaummittel eingesetzt worden sein, das nicht mehr den aktuellen rechtlichen Vorschriften entsprach. Dies wurde bekannt, nachdem der betroffene Landwirt das verseuchte Erdreich austauschen wollte, dessen Versicherung die hohen Kosten für die Entsorgung des als Sondermüll eingestuften Bodens aber nicht übernehmen will.

Bürgermeister Ulf Stecher als Dienstvorgesetzter der 82-köpfigen Kreisstadt-Wehr bezog am Wochenende in dem Fall erneut Position und stärkte Wehrführer André Eichert den Rücken. „Es kann doch wohl nicht seine Aufgabe sein, in einer so extremen Einsatzsituation wie in Rüsdorf auf jeden Kanister zu gucken. Wo sind wir denn? Da sind dem Staatsanwalt offenbar die Pferde durchgegangen. Ich habe nicht den geringsten Zweifel, dass hier keine strafrechtliche Komponente vorliegt“, erklärte Stecher auf Nachfrage unserer Zeitung während der Jahresversammlung am vergangenen Freitagabend.

„Die Stadt Heide stellt sich ausdrücklich hinter den Einsatzleiter und alle Kameraden. Welche Auswirkungen haben solche Ermittlungen eigentlich auf das Ehrenamt? So etwas darf nicht Schule machen“, erklärte der Verwaltungschef.

André Eichert als Beschuldigter erhielt inzwischen eine behördliche Aufforderung, sich schriftlich zu äußern. Der Hauptbrandmeister wollte gegenüber unserer Zeitung mit Hinweis auf das laufende Verfahren keine Stellung beziehen: „Ich sage dazu gar nichts.“ Inzwischen hat die Stadt ihrem Wehrführer einen Rechtsbeistand gewährt.

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