Wehmütiger Abschied vom Delikatessenhaus

Käsesülze nach Geheimrezept: Es gibt sie nur noch wenige Tage bei Bärbel und Friedrich Kruse. Foto: Ehrich
Käsesülze nach Geheimrezept: Es gibt sie nur noch wenige Tage bei Bärbel und Friedrich Kruse. Foto: Ehrich

Noch gut eine Woche - dann schließt das Delikatessenhaus Kruse nach fast 107 Jahren.

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16. Januar 2009, 10:18 Uhr

Itzehoe | Trüffel. Marzipan. Spirituosen. Spezialitäten aus der eigenen Küche wie Waldorf Astoria- oder Eiersalat. Und natürlich Bärbel Kruses Käsesülze. "Da haben schon viele gefragt, ob ich das Rezept verrate", schildert die 63-Jährige. Macht sie aber nicht - auch wenn sie und ihr Mann Friedrich (65) das Delikatessenhaus Kruse voraussichtlich am Sonnabend, 24. Januar, schließen.

Sie nehmen Abschied "mit neun weinenden und einem lachenden Auge", wie der Inhaber sagt. Seine Frau pflichtet bei: "Es ist ganz viel Herzschmerz dabei." Auch bei den Kunden: Tränen im Geschäft in der Kirchenstraße sind an der Tagesordnung, deutliches Zeichen für den guten und herzlichen Kontakt. Der Respekt vor den Menschen und vor der Ware habe immer im Vordergrund gestanden, so Friedrich Kruse.

Und zwar seit dem Start am 1. April 1902. Friedrich Kruse übergab den Feinkostladen 1936 an seinen Sohn Alfred und dessen Frau Käthe. Der heutige Inhaber war schon als Baby im Körbchen unter dem Tresen mit im Geschäft, das er seit 40 Jahren mit seiner Frau leitet. "Wir standen immer hinter dem, was wir gemacht haben", sagt Bärbel Kruse. Sei es der Wiederaufbau nach dem großen Brand im Juni 1982, seien es die vielen Spezialitäten und Präsentideen oder -körbe. Dutzende Lehrlinge wurden in den gut 100 Jahren aus gebildet, und Kunden, auch prominente, hat das Delikatessenhaus weit über die Region hinaus. Gleiches gilt für den Ruf: "Ganz Deutschland weiß, dass Kruse aufhört", sagt der 65-Jährige über die "Institution". "In Schleswig-Holstein sind wir die letzten", ergänzt seine Frau.

Der Grund für den Abschied? "Weil die Zeit reif ist", so Friedrich Kruse. Sohn Florian (31), der einen "guten Job" in Hamburg hat, hätte umbauen und Personal einstellen müssen. Das hätte sich nicht rentiert, meinen die Inhaber. Er wird ebenso wie Tochter Susanne und zwei Enkelkinder erwartet, um nach der Schließung eine Marzipantorte zu verspeisen - ein Dank der Firma Niederegger, bei der Kruse der älteste Kunde war.

Die drei Aushilfen des Geschäfts sind nach Kruses Worten versorgt. Beide haben immer voll gearbeitet, nun wartet viel ungewohnte Freizeit. "Wir werden uns zu beschäftigen wissen", sagt der 65-Jährige. Seine Frau: "Bisher haben wir wenig von unserem Zuhause gehabt." Doch über das lange gemeinsame Arbeitsleben sind sie froh. Friedrich Kruse: "Es ist ein Geschenk, dass wir das machen durften."

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