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Norddeutsche Rundschau

18. Dezember 2017 | 02:45 Uhr

Verkehr in Itzehoe : Weg mit den Schutzstreifen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Nach Protesten wollen SPD und CDU Schutzstreifen für Fahrradfahrer in der Alten Landstraße und der Kaiserstraße entfernen lassen. Die letzte Entscheidung liegt beim Bürgermeister.

von
erstellt am 16.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Die Debatte um die Schutzstreifen für Fahrradfahrer geht weiter – voraussichtlich in der Ratsversammlung am Donnerstag, 23. Februar. Dann wollen SPD und CDU den Bürgermeister per Beschluss auffordern, die Markierungen in der Alten Landstraße und in der Kaiserstraße zu entfernen und nach Alternativen zu suchen.

Die Stadt Itzehoe hatte im Herbst vergangenen Jahres Schutzstreifen für Fahrradfahrer im Kamper Weg, an der Wellenkamper Chaussee und an der Alten Landstraße markiert. In der Folge kam es zu Protesten von Bürgern. Wer die verkehrliche Situation an den betreffenden Stellen beobachte, der stelle fest, dass der Schutzstreifen fast ausschließlich von Autos genutzt werde. „Jetzt möchten wir tätig werden, bevor es zu Unfällen kommt und die Polizei tätig werden muss“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Ralph Busch. Sein SPD-Kollege Sönke Doll hat die Regelwerke für den Straßenverkehr gewälzt und ist auf der Suche nach Argumenten fündig geworden.

So sei die verbleibende Fahrbahn für den Autoverkehr in der Alten Landstraße 4,70 Meter breit. Das entspräche zwar den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen von 2010 (Era). Die Richtlinie für die Anlagen von Stadtstraßen von 2006 (Rast) sehe jedoch für Fahrbahnen eine Mindestbreite von 4,85 Meter vor. Beide Regelwerke haben empfehlenden, nicht verbindlichen Charakter.

Hinzu komme, dass sich in Teilen der Alten Landstraße auf der einen Seite der Schutzstreifen, auf der anderen Seite ein Parkstreifen für Autos befinde. Laut Rast müsse zu diesem Parkstreifen ein Sicherheitsabstand von 25 bis 50 Zentimetern für den Autoverkehr berücksichtigt werden, die Fahrbahn also idelerweise 5,35 Meter breit sein. In der jetzigen Situation müssten Autofahrer ständig auf den Schutzstreifen ausweichen. „Damit steht die getroffene Anordnung im Widerspruch zur Straßenverkehrsordnung und gefährdet den Radverkehr“, sagt Sönke Doll.

Gleiches gelte für die Kaiserstraße, in der schon seit vielen Jahren ein Schutzstreifen für Radfahrer markiert ist. Weil dort regelmäßig Autos auf der Straße parken würden, verbleibe für den Autoverkehr nur eine Fahrbahnbreite von 5 Metern – laut Rast sei das ebenfalls zu wenig, zumal diese Straße wegen des häufigen Schwerlastverkehrs sowie wegen der besonders steilen Strecke eine besondere Betrachtung erfordere.

In Kamper Weg und Wellenkamper Chaussee, wo die Schutzstreifen ebenfalls für Proteste gesorgt hatten und wo ebenfalls Autos auf der Straße parken, sollen sie nach dem Willen von CDU und SPD verbleiben. „In den anderen Straßenzügen, in denen Schutzstreifen eingerichtet wurden, konnten wir keine derartigen Abweichungen feststellen“, heißt es in der gemeinsamen Beschlussvorlage. Eine generelle Ablehnung von Schutzstreifen könne man nicht nachvollziehen, die beiden Parteien stünden weiterhin zum Masterplan Fahrradverkehr und den darin enthaltenen Zielen. „Deshalb wollen wir die Verwaltung auch beauftragen, nach Alternativen für die betroffenen Straßen zu suchen“, so Doll. Beispielsweise könnte die Straßen baulich verbreitert werden. „Wenn das Geld kostet, werden wir das eben zur Verfügung stellen.“

Zur Begründung ihrer Argumente berufen sich CDU und SPD auch auf schriftliche Auskünfte des Verkehrsplaners Peter Gwiasda, der an Regelwerken wie Era und Rast mitarbeitet. Auch er habe die Erfahrung gemacht, dass Autofahrer Abstand von einer Parkreihe hielten, sodass dort 4,50 Meter nicht funktionieren würden, wie Gwiasda auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt. „Wenn Autofahrer den Schutzstreifen ständig überfahren müssen, wird das Instrument eigentlich ausgehöhlt“, so Gwiasda. Diese Beobachtung solle bei der nächsten Auflage der Era, die für 2020 geplant sei, berücksichtigt werden. Dennoch mahnt der Planer zur Zurückhaltung: „Noch ist sie nicht Teil der Regelwerke.“

Seine Beobachtungen hat Gwiasda unter anderem im lauenburgischen Mölln gemacht. Die Situation im dortigen Wasserkrüger Weg ist der in der Kaiserstraße ähnlich: Auf der einen Straßenseite parken Autos, auf der anderen Seite verläuft ein Schutzstreifen für Radfahrer, die Fahrbahn ist je nach Parkverhalten nur 4 bis 4,50 Meter breit. „Autofahrer überfahren regelmäßig den Schutzstreifen“, wie Manfred Kuhmann, Leiter des Fachbereichs Bauen bei der Stadt Mölln, berichtet. Proteste von Bürgern habe es aber seit der Einrichtung des Streifens im Jahr 2006 nie gegeben.

Für die Itzehoer Politik ist es nicht das erste Mal, dass sie sich mit den Schutzstreifen kritisch auseinandersetzt. Ende vergangenen Jahres hatte die CDU bereits einen Antrag zur Abschaffung der Schutzstreifen gestellt, der damals noch mit den Stimmen der SPD abgelehnt worden war. Die letzte Entscheidung in Sachen Straßenverkehr trifft ohnehin Bürgermeister Andreas Koeppen, die Ratsversammlung kann ihm lediglich Empfehlungen geben. Er werde sich in der Sitzung zu dem geplanten Beschluss äußern, so Koeppen.

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