Kellinghusener Musikkultur : Weg für einzigartiges Museum bereitet

Sammler Eric Feller möchte „Kellinghusener Musikkultur“ ins Rathaus bringen.
Sammler Eric Feller möchte „Kellinghusener Musikkultur“ ins Rathaus bringen.

Eine Arbeitsgruppe soll den Weg für das Rathausprojekt in Kellinghusen ebnen. Dort sollen Tasteninstrumente und Keramik gezeigt werden.

shz.de von
06. September 2018, 18:02 Uhr

Endlich „einen Henkel an die Tasse bringen“ sollte die Stadt zur Nachnutzung des Rathauses. Nach drei Jahren sei es an der Zeit, die Richtung zu weisen, forderte Horst-Peter König im Kultur- und Wirtschaftsausschuss. In der ersten Sitzung unter Vorsitz des Christdemokraten ging es um die mögliche Umsetzung einer „Kellinghusener Musikkultur“ mit dem Schwerpunkt Keramik und Tasteninstrumente im historischen Gebäude.

Gegenwind kam aus den Zuhörerreihen von SPD-Ratsherr Erk Niesemann. Spannend, aber nichts, was notwendig und wichtig für die Stadt sei, ordnete er die Museumsidee in der Kategorie „Geldgrab“ ein, und kündigte außerdem an, die Sozialdemokraten würden in der kommenden Ratsversammlung nicht geschlossen als Fraktion, sondern als politische Menschen abstimmen. Sicherlich gebe es noch offene Enden, ein besseres Konzept habe er aber noch nicht gesehen, entgegnete Matthias Rotzoll (BFK). Eine Riesenchance für die Stadt sah auch Axel Pietsch. „Wir haben einen Sammler, der eine hochwertige Sammlung besitzt und bereit ist, der Stadt Exponate zur Verfügung zu stellen“, unterstrich der Bürgermeister. Für den Betrieb der „Kellinghusener Musikkultur“ solle überdies nicht mehr Geld ausgegeben werden als für das Museum sowieso schon da sei, verwies er auf die aktuelle personelle Besetzung im Bürgerhaus.

Entzündet hatte sich die Diskussion nach der Präsentation einer Machbarkeitsstudie zur Museums-Vision durch die Verfasserin Mirjam Büttner. Das Papier war von der Stadt in Auftrag gegeben worden, um den Politikern eine fundierte Entscheidungshilfe an die Hand zu geben. Aufgekommen war die Museums-Idee seinerzeit durch den Vorschlag von Eric Feller und Andreas Schumacher (wir berichteten). Für ihre Arbeit, an der als Experten Olaf Kirsch, Kurator der Sammlung Musikinstrumente Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, und Frank Böhme von der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, mitwirkten, erntete Büttner viel Lob. Aufgezeigt wird darin, wie in der Störstadt ein neues Museum entstehen könnte, welches einerseits Tasteninstrumente des Sammlers Feller und andererseits Exponate der mehr als 250-jährigen Fayence-Tradition der Stadt unter einem Dach vereint. „Der Standort mit Rathaus, Kirche und einer Keramikerwerkstatt könnte sich zu einem lebendigen kulturellen Zentrum der Stadt entwickeln“, so Büttner. Positiv bewertet worden sei die Idee auch beim Museumsfest „Ton in Ton“, wo Besuchern ein erster Eindruck vom musikalischen und keramischen Miteinander vermittelt wurde. Vermisst wurde ein handfestes Zahlenwerk in der umfangreichen Studie. Gern hätten die Politiker genau gewusst, wie tief die Stadt für die Museumseinrichtung in die Kasse greifen muss. Diese Summe käme noch zu den bereits von Architekten errechneten Investitionskosten in Höhe von 1,4 Millionen Euro für die generelle Ertüchtigung des Gebäudes. Büttner erklärte: Die Museumskosten schwankten je nach Ausstattung der Einrichtung. Exakt beziffert werden könnten sie daher erst in einem Ausstellungskonzept.

Am Ende empfahlen die Gremiumsmitglieder – mit den Stimmen der SPD-Ausschussmitglieder Ute Burkhard und Reinhard Rübner – das Projekt weiter zu verfolgen. Konkret soll dafür zunächst eine Arbeitsgruppe unter Einbeziehung externer Fachleute gebildet werden. Deren Aufgabe ist, erste Handlungsschritte zu entwickeln und diese in Fachausschüssen und Ratsversammlung einzubringen. Schwerpunkte der inhaltlichen Arbeit sind unter anderem Überlassung der Exponate, Trägerschaft, Kosten und Finanzierung sowie Fördermöglichkeiten. Für diesen „Startschuss“ soll der Finanzausschuss gebeten werden, außerplanmäßig 30 000 Euro im Haushalt bereit zu stellen.

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