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Bürgermeister-Galerie : Weg damit – Fotos kommen ins Archiv

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Umstrittene Porträts der Kellinghusener Bürgermeisters abgehängt. Jetzt folgt eine historische Aufarbeitung.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2014 | 17:00 Uhr

Die „Bürgermeistergalerie“ im Rathaus, 2007 in „selbstherrlicher Aktion einer Bürgermeisterin“ installiert, wurde jetzt nach demokratisch gefasstem Beschluss abgehängt. Bürgermeister Axel Pietsch (BFK) sowie Horst Nitz (KeLi), Vorsitzender des Kriminalpräventiven Rats der Stadt (KPR), und Heinz- Jürgen Heidemann von der Initiative „Friedensstele und Stolpersteine“ nahmen die Bilder von der Wand. Verpackt in einem großen Pappkarton sollten sie anschließend ins Stadtarchiv gebracht werden.

Grund für die Entfernung: In der langen Reihe der Bürgermeister-Konterfeis fehlen die Portraits der Stadtlenker aus der NS-Zeit. Einzig ein unkommentierter Hinweis berichtete über die entsprechenden Personen. Den „weißen Fleck“ hatten der KPR sowie die Initiative „Friedensstele und Stolpersteine“ schon vor rund einem Jahr als unhaltbaren Zustand kritisiert. Die mangelhafte Recherche von Bürgermeisterin Helga Nießen, die sich „eilig als erste Bürgermeisterin der Stadt verewigen wollte“, sei ein Schlag ins Gesicht all jener Bürger, die unter dem Nationalsozialismus leiden mussten.

Allerdings führten auch die vor Jahresfrist gestarteten Nachforschungen zu keinem befriedigenden Ergebnis. Zwar wurde eine Portraitaufnahme der fehlenden Bürgermeister aus der Zeit von 1933 bis 1945 gefunden, ansonsten aber nur ungeeignete Fotos. „Auch die Nachfrage bei noch entfernt lebenden Verwandten war nicht erfolgreich“, so Nitz. Zudem habe der Historiker, der mit der geschichtlichen Aufarbeitung betraut werden sollte, aus Zeitmangel abgesagt. Aus diesen Gründen stellte Nitz für KPR und Initiative den Antrag, die komplette Fotogalerie aus dem Rathaus zu entfernen und zunächst im Archiv unterzubringen. Der Personal- und Finanzausschuss stimmte dem Antrag mit zwei Gegenstimmen der CDU zu. Deren Fraktionsvorsitzender Simon Schlüter griff das Thema in der Ratsversammlung noch einmal auf. Die gesamte Galerie zu entfernen sei die denkbar schlechteste Alternative, sagte Schlüter. Er schaue sich die Bilder gern an, schließlich handele es sich dabei auch um die Portraits von demokratisch gewählten Bürgermeistern, die sich um die Stadt verdient gemacht hätten.

Erk Niesemann (SPD) und Marcus Wack (BFK) stimmten zu. Sie unterstützten außerdem Schlüters Idee, Geld für eine historische Aufarbeitung unter Regie des KPR bereit zu stellen. Bürgermeister Pietsch unterstrich: In den Haushaltsberatungen für das Jahr 2015 solle ein Signal gesetzt werden.

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