Itzehoer Versicherungen : Wechsel nach einer erfolgreichen Ära

Amtsübergabe: Wolfgang Bitter und Uwe Ludka (r.) vor dem Neubau, der am 21. Mai eingeweiht wird.
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Amtsübergabe: Wolfgang Bitter und Uwe Ludka (r.) vor dem Neubau, der am 21. Mai eingeweiht wird.

Wolfgang Bitter, Vorstandschef der Itzehoer Versicherungen, geht in den Ruhestand, Uwe Ludka übernimmt.

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01. Januar 2015, 16:00 Uhr

Als Jugendlicher verdiente er sich mit Haus-Inkasso für eine größere Versicherung etwas hinzu. Sein Studium der Volkswirtschaft finanzierte er mit dem nebenberuflichen Vertrieb von Versicherungen. So stieg Wolfgang Bitter in die Branche ein. 15 Jahre arbeitete er dann bei der Barmenia, bis er Anfang 1994 zu den Itzehoer Versicherungen kam. Nach einem Jahr als Vertriebsvorstand wurde Bitter Vorstandsvorsitzender und blieb in dieser Position. Bis heute. Der 65-Jährige geht in den Ruhestand. Sein Nachfolger kommt aus den eigenen Reihen: Uwe Ludka (51) ist ab morgen neuer Vorsitzender des Vorstands, dem außerdem Frank Diegel und Frank Thomsen angehören.

Mit wenig Geld Versicherungsschutz und eine Altersversorgung aufbauen – das faszinierte Wolfgang Bitter an Lebensversicherungen. Bei der Barmenia war er Niederlassungsleiter in Bremen, da kam der Ruf aus Itzehoe. Und der war verlockend: Eigene Ideen verwirklichen, Zeichen setzen, strategisch denken, so wollte Bitter arbeiten. Dazu die hohe Versicherungsdichte im Land und die „ziemlich einmalige“ Kundennähe mit rund 400 Vertrauensleuten: „Das war ein gutes Fundament, um die Itzehoer weiterzuentwickeln.“

Aber auch eine Gefahr, denn der Markt wurde geöffnet. Die Itzehoer waren in ihrer Nische angreifbar durch Billiganbieter. Also schaute das Unternehmen über den angestammten Bereich im Norden hinaus, längst ist es bundesweit aktiv. Mit sehr guten Tarifen und ebensolcher Betreuung – ohne Callcenter – seien viele Makler gewonnen worden, so Bitter. Stets habe er auch viel Wert gelegt auf dezentrale Strukturen.

Eng dabei im gesamten Prozess war Uwe Ludka. Der Wirtschaftsmathematiker aus Pinneberg – verheiratet, zwei Kinder, Marathonläufer – wollte in eine Branche mit Aufbruchstimmung, ist seit 1988 bei der Itzehoer, seit 1997 im Vorstand. Wie seinen Vorgänger fasziniert ihn die Möglichkeit zu gestalten, was aber nicht bedeutet, dass er große Veränderungen plant: „Ich bin vermutlich die personifizierte Kontinuität. Warum sollte man bei einem erfolgreichen Schiff den Kurs grundlegend ändern?“

Wieder war es ein Rekordjahr, sagt Bitter. 2,2 Millionen Verträge seien etwa doppelt so viele wie 1994, die Beitragssumme beträgt 380 Millionen Euro. 500 Vertrauensleute sind es inzwischen, vermehrt auch in Nord-Niedersachsen. Die eigenständige Position trotz des Verdrängungswettbewerbs zu halten, nennt Ludka als wichtiges Ziel. Der Motor sind weiter die Kraftfahrzeugversicherungen, nun müssten die Vertriebswege über Makler und die 2010 übernommene Admiral Direkt in Köln auf weitere Sparten ausgedehnt werden. „Das setzt voraus, dass wir besser sind als die Mitanbieter.“

Wie Bitter ist Ludka in vielen Gremien der Branche aktiv, setzt auf Aus- und Weiterbildung und bekennt sich klar zur Region. Die Itzehoer seien ein „beliebter und begehrter Arbeitgeber“, sagt der scheidende Chef. 630 „sehr gute und hoch motivierte“ Mitarbeiter sind es mittlerweile, davon 100 in Köln und 20 in Kiel.

So viele Bereiche seien im Vorstand unter einen Hut zu bringen gewesen, sicher werde ihm etwas fehlen, sagt Bitter. Er plant mehr Reisen mit seiner Frau, mehr Sport, bleibt aber auch dem Unternehmen als Aufsichtsrat erhalten, das unter seiner Führung zum mehrfach ausgezeichneten Kulturförderer wurde. „Das Image wird durch diese kulturelle Arbeit mit geprägt“, sagt der 65-Jährige. „Es war für mich immer wichtig, über den Tellerrand zu schauen.“

Ob er zufrieden sei? Bitter bläht die Wangen auf. Wenn man zufrieden sei, dann höre es auf zu brennen, „man kann immer mehr erreichen“. Schließlich sagt er es doch: Auf die Entwicklung der vergangenen 21 Jahre ist Bitter „ein klein wenig stolz“.

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