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Seefahrt : Wattenmeer-Forum fordert mehr Schiffssicherheit auf der Nordsee

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Betankung der Schiffe mit Flüssiggas ist ein großes Thema. Eine Gas-Bunkerstation in Brunsbüttel ist geplant.

Die Mitglieder des Wattenmeer-Forums (WSF) fordern ein internationales Operations-Center zur Erhöhung der Schiffssicherheit auf der Nordsee. „Ein Unfall, bei dem Öl ins Meer läuft, wäre für das Wattenmeer das Worst-Case-Szenario“, betonte Landrat Dr. Jörn, der dieses Jahr die Mitglieder zum Forum eingeladen hatte. Eine Verkehrslenkung, wie sie es auf dem Nord-Ostsee-Kanal gibt, würde durch gezielte Anordnungen die Schiffs-Sicherheit erhöhen. Vessel Traffic Service (VTS) heißt dies und ist ein elektronisches Überwachungssystem, mit dem der Schiffsverkehr kontrolliert und gelenkt werden kann – ähnlich wie die Flugsicherung in der Luftfahrt. VTS dient sowohl der Navigation als auch dem reibungslosen Ablauf der Schifffahrt.

Bis es ein dafür notwendiges Operations-Center für Dänemark, Deutschland und die Niederlande gibt, werden allerdings noch Jahre vergehen. Erst im kommenden Jahr wird es eine Arbeitsgruppe mit den Behörden geben. „Bei diesen Themen wird viel Geduld benötigt“, so Klimant. Aufgabe des Forums sei es jedoch, als Mahner zu fungieren, damit die Prozesse nicht einschlafen.

Neben der Sicherheit spielt der Umweltschutz eine große Rolle. Auf der Agenda steht die Treibstoff-Umrüstung der Schiffe auf Flüssiggas (LNG). „Viele Fähren steigen bereits darauf um“, erklärt Manfred Vollmer, Geschäftsführer des WSF. Auch die Verbindung von Cuxhaven nach Helgoland plane dies. Bisher muss das emissionsarme Flüssiggas aber mit den eher umweltschädlichen, dieselbetriebenen Lkw zu den Häfen transportiert werden. Eine Infrastruktur fehlt. Für die deutsche Nordsee ist lediglich in Brunsbüttel eine LNG-Bunkerstation geplant. Die Pläne in Wilhelmshaven lägen auf Eis, so Vollmer. Pläne gibt es für den Rostocker Hafen. Die deutsche Tochter des russischen Gasmonopolisten Gazprom will dort ab 2017 ein LNG-Terminal betreiben.

Die Niederlande sind bei dem Thema bereits weiter. In Rotterdam ist schon 2011 eine Pier mit einer Gesamtkapazität von zwölf Milliarden Kubikmeter Gas eröffnet worden. Das entspricht mehr als 130 Tankschiffen mit LNG, die dort pro Jahr anlanden und den nordwesteuropäischen Raum mit Erdgas versorgen können. Auch in Eemshaven ist eine Pier für Flüssiggas geplant.

Nicht nur eine stärke finanzielle Unterstützung und einen schnelleren Ausbau der Infrastruktur fordert der WSF. Eine Förderung für den Umbau der Schiffe will das Forum auf politischer Ebene ebenfalls umsetzen. Auch hier sind die Niederländer weiter als Deutschland und Dänemark. Gefördert werde der Umbau aus einem Fonds, erklärt WSF- Vorsitzender Henk Staghouwer aus den Niederlanden.

Dennoch sei LNG nur eine Übergangstechnologie, erklärt Vollmer. Langfristig sei der Einsatz von Batterien die Zukunft – gespeist aus regenerativem Strom. „Bisher sind die Akkus zu groß, zu schwer und zu teuer“, erklärt der Däne. Auch Brennstoffzellen seien als Antrieb in der Diskussion.

Das WSF ist ein Zusammenschluss von Interessenverbänden aus der Wattenmeer-Region Dänemarks, Deutschlands und der Niederlande und wurde 2002 auf Beschluss der trilateralen Wattenmeer-Regierungskonferenz ins Leben gerufen. Ziel ist, die Wattenmeer-Region zukunftsorientiert und nachhaltig zu gestalten. Klimant machte deutlich, dass nicht nur diskutiert, sondern auch gehandelt wird. Zwei Mitglieder des WSF sind auf Regierungsebene der drei Länder als Berater vertreten, um so auch regionale Interessen auf Bundesebene zu transportieren.

Dass in einem Forum Vertreter von Naturschutz, Verwaltung, Landwirtschaft und Energie an einem Tisch sitzen, habe schon eine besondere Qualität, so Klimant, der seit der Gründung im Forum vertreten ist und mehrere Jahre den Posten des Vorsitzenden inne hatte. „Am Anfang war das keine Selbstverständlichkeit.“


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