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Fördergelder sind da : Wasserturm für die Ewigkeit erhalten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Sanierung kann beginnen: Denkmalpflege überreicht in Krempe Förderbescheid in Höhe von 100 000 Euro.

von
erstellt am 17.Sep.2017 | 08:00 Uhr

Mit einem beherzten Ruck hebt Gerd Kilbienski, stellvertretender Bürgermeister der kleinen Marschenstadt, den Bauzaun auf dem Mühlenberg an. Ein paar Meter durch kniehohes Gras, dann schließt er die Tür zum Wasserturm auf. Ein Akt mit Symbolcharakter: Krempe kann das Projekt Wasserturm endlich anpacken. Es geht voran, aber leicht wird es nicht. Doch der Weg für den ersten Bauabschnitt ist frei, der Förderbescheid in Höhe von 100  000 Euro ist da. Berthold Köster vom Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein überreichte Kilbienski das lang ersehnte Papier zusammen mit Kollegin Beate von Malottky von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises.

Köster: „Der Turm ist jetzt 115 Jahre alt und ist auf dem Berg der Witterung direkt ausgesetzt – das hinterlässt seine Spuren.“ Die Sanierung sei schon lange im Gespräch, so Ratsfrau Petra Stührwoldt. „Erst fielen nur ein paar Stücke vom Turm ab, dann immer mehr.“ Abreißen war keine Option, das Gebäude steht unter Denkmalschutz. 2015 wurden die Sanierungspläne der Stadt dann konkreter. Jetzt kann es losgehen. Die komplette Grundsanierung ist mit dem Förderbescheid aber noch nicht gewuppt. Der erste Bauabschnitt werde sich auf rund 230  000 Euro belaufen, gibt Kilbienski an. Das Dach muss erneuert werden, der Betonring löst sich in seine Einzelteile auf, und im Mauerwerk sind Risse. Ein Batzen Arbeit, der ansteht. „2018 soll mit den Ausschreibungen begonnen werden“, sagte Kilbienski. Er zeigte sich auch in Sachen Finanzierung optimistisch: „100  000 Euro haben wir jetzt schon. Den Rest versuchen wir über den Nachtragshaushalt zu bekommen. Wir sind aber guter Hoffnung.“ Ein Eisen zur Finanzierung hat die Stadt noch im Feuer: Krempe nimmt am Städtebauförderprogramm des Landes teil. „Wann eine Entscheidung fällt und wie hoch die Mittel ausfallen werden, wissen wir noch nicht. Es wurde uns lediglich signalisiert, dass genug Geld im Topf sei“, so Kilbienski.

In der Vergangenheit habe die Stadt auch versucht, 50  000 Euro aus Landesmitteln und 20  000 Euro von der Stiftung Denkmalschutz Schleswig-Holstein zu bekommen. „Aber die Töpfe waren leer.“ Umso größer ist jetzt die Freude, dass die Bundes-Fördergelder bereit stehen – allerdings klappte es damit erst in zwei Etappen, wieder der Steinburger Bundestagsabgeordnete Mark Helfrich (CDU) erklärte. Die Stadt hatte ihn um Unterstützung gebeten. Erst seien nur 50  000 Euro der beantragten 100  000 Euro bewilligt worden, „damit hätte man gar nicht anfangen können“, erklärte Helfrich. Als Mittel für den Haushalt 2017 bereits im Herbst 2016 für Projekte freigegebenen wurden, habe er den Wasserturm noch einmal zur Sprache gebracht. „Krempe wurde dann zum zweiten Mal berücksichtigt“, so Helfrich – dann mit den insgesamt 100  000 Euro. Auch die SPD-Bundestagsabgeordnete für den Kreis, Karin Thissen, finde es gut, wenn denkmalgeschützte Gebäude erhalten blieben. „Es sind nicht immer große Prunkbauten, mit denen sich Bürger einer Gemeinde identifizieren. Es sind die Wahrzeichen ihrer Region“, sagte sie bereits anlässlich der ersten bewilligten 50 000 Euro 2016. „Von daher begrüße ich die
Entscheidung des Haushaltsausschusses, der dabei hilft, den Wasserturm für zukünftige Generationen zu erhalten.“

„Der erste Schritt muss nun erfolgen, damit die Bevölkerung sieht: Hier passiert was“, betonte Berthold Köster. Ein Bauzaun, ungemähter Rasen, „bei dem Anblick sind Krempes Bürger erst einmal enttäuscht“. Die Silhouette der Stadt werde von den Bauarbeiten ordentlich profitieren. Aber die Einwohner sollen ihren dann wieder schicken Wasserturm künftig nicht nur von außen betrachten. Die Nutzungskonzepte sehen vor, das Gebäude für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen – konkret sei aber noch nichts. Der Förderverein denkmalgeschützte Gebäude in der Stadt Krempe beispielsweise würde den Turm gerne pachten, um das Gebäudeinnere mit einem Reparatur-Café wieder mit Leben zu füllen. Die Wassertanks unterm Dach sollen aber bleiben. „Es ist ein Industriedenkmal, das eine Geschichte zu erzählen hat“, so Köster. Bis 2022 wird der 35,8 Meter hohe Wasserturm noch von zwei Mobilfunkanbietern genutzt, die ihre Antennen auf und Technik im Inneren des Wahrzeichens platziert haben. „Immerhin spült das im Moment ein bisschen Geld in die Kasse“, fügte Kilbienski hinzu.

Für Denkmalschutz-Projekte brauche man einen langen Atem, so Köster. „Man muss auch mal warten, um Mittel zu bekommen. Das geht aber nur im Team. Man kann keine Fördermittel generieren, wenn man nicht an einem Strang zieht.“ Als Denkmalpfleger sei er so gestrickt, Gebäude für die Ewigkeit erhalten zu wollen – und versuche dabei, so gut es geht zu unterstützen, wie auch Beate von Malottky betonte: „Unsere Aufgabe ist es, die Leute zu ermuntern, dabei zu bleiben und ihnen Mut zuzusprechen.“

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