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Norddeutsche Rundschau

13. Dezember 2017 | 22:10 Uhr

Strassenbau : Wasserschweine gegen Lkw-Lawine

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Im Spätsommer kommt in der Wilstermarsch die nächste Vollsperrung einer Landesstraße. Beidenfleth befürchtet erheblichen Schwerlastverkehr.

Die Großbaustelle auf der Landesstraße 170 zwischen Dammfleth und Brokdorf ist noch gar nicht abgeschlossen, da kündigt sich schon die nächste Vollsperrung an. In der Zeit vom 14. August bis 15. September soll die Landesstraße 136 im Bereich Hochfeld für den Verkehr voll gesperrt werden. Hier will die Landesbaubehörde eine eher unscheinbare Brücke über eine Wettern erneuern. Vor allem in Beidenfleth, aber auch in Wewelsfleth befürchtet man, dass vier Wochen lang eine Lkw-Lawine durch die Dörfer rollt.

Schon jetzt stöhnen die Gemeinden unter Schwerlastverkehr. Vor allem sorgt man sich um die Gehwege auf die Lastzüge an engen Stellen im Begegnungsverkehr oft ausweichen. Schon vor Wochen hat Beidenfleths Bürgermeister Peter Krey deshalb so genannte Wasserschweine entlang der Ortsdurchfahrt platziert. Die rot-weißen und mit Wasser gefüllten Plastikbehälter sollen Ausweichmanöver auf die Bürgersteige verhindern. Laut Krey hat sich das System gut bewährt – auch wenn aus den Reihen der Gemeindevertreter sogar schon der Vorschlag kam, man könnte auf den Bordsteinen ja auch Nagelbretter installieren.

In jedem Fall rechnen die betroffenen Kommunen mit erheblichen Verkehrsbelastungen. Krey geht davon aus, dass allein in den vier Wochen im Spätsommer 3000 Lastzüge durch die Ortschaft rollen. Er kündigt schon einmal vorsorglich die Einrichtung von Parkverboten an. Notfalls müsse der Verkehr an Engstellen auch durch eine Baustellenampel geregelt werden.

Dabei wäre die Belastung nach Einschätzung von Krey gar nicht nötig. So hätten die Bürgermeister der betroffenen Kommunen in einer Vorbesprechung vorgeschlagen, die nur zwei Meter breite Wettern in Höhe der alten Hochfelder Schule mit einer Behelfsbrücke zu queren. Die Idee: Die Wettern während der Bauphase an dieser Stelle einfach für ein paar Meter verrohren und dann zuschütten. Der Verkehr könnte dann einspurig an der Brückenbaustelle vorbeigeleitet werden. „Wenn die an der B 5 für Millionen eine Behelfsbrücke bauen, müsste das doch eigentlich auch möglich sein.“ Die Landesbehörde habe das allerdings mit dem Hinweis abgelehnt, dass dafür ein eigenes Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden müsse, was dann ein bis zwei Jahre in Anspruch nehme. Da das Geld aber jetzt da sei, müsse auch jetzt gebaut werden. Bei Krey und seinen Bürgermeisterkollegen habe dies nur Kopfschütteln ausgelöst. „Man hätte uns das mal machen lassen sollen. Dann würde es auch nur die Hälfte kosten“, betonte Krey den eher pragmatischen Ansatz der Dorfbürgermeister.

Mit Blick auf die drohende Verkehrsbelastung kam aus der Gemeindevertretung noch die Forderung nach einem vorherigen Beweissicherungsverfahren. Peter Krey konnte aber wenig Hoffnung machen, dass mögliche Schäden an kommunalen Verkehrswegen vom Land übernommen werden. Von dort sei der Hinweis gekommen, dass das Land für die Landesstraße, die Gemeinde aber für ihre Gehwege zuständig sei. Jetzt setzen die Beidenflether ihre ganze Hoffnung auf die überall postierten Wasserschweine.

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