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Norddeutsche Rundschau

22. September 2017 | 10:22 Uhr

Gewässerschutz : Wasserkunst auf dem Prüfstand

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Sportangler sorgen mit regelmäßigen Kontrollen dafür, dass die Fischbestände in den Gewässern stabil bleiben

shz.de von
erstellt am 23.Apr.2014 | 05:00 Uhr

Nur mit Mühe kann Harry Zerche die große schwarze Angel ruhig halten, die er gerade ins Gewässer am Burggraben taucht. Der Wind bläst aus allen Richtungen. „Das ist genau das richtige Wetter für uns“, sagt Zerche. Denn der Wind sorgt dafür, dass sich für ihn und seine Mitstreiter vom Sportangler-Verein immer genügend Fische im Wasser tummeln. Durch den Wind bleibt das Wasser ständig in Bewegung, so dass sich darin mehr Sauerstoff bildet – eine wichtige Voraussetzung für die Teich-Bewohner.

Ist es windstill, hat dies gravierende Folgen: „Das Wasser kann dann nicht zirkulieren und der Sauerstoffgehalt sinkt“, erklärt Zerche. Ist der Wert zu niedrig, sterben die Fische ab. Um das zu verhindern, haben sich die Glückstädter Sportangler zum Ziel gemacht, die Wasserqualität am Burggraben und den anderen 17 Gewässern der sogenannten Glückstädter Wasserkunst zu überwachen. Die große schwarze Angel, die Harry Zerche in den Burggraben taucht, ist deshalb auch nicht mit einem Haken, sondern mit einem Messgerät ausgestattet. Als neuer Gewässerwart kontrolliert der 65-Jährige regelmäßig den Zustand der einzelnen Gewässer und löst damit seinen Vorgänger Frank Reimann ab. Alle vier bis sechs Wochen macht der Glückstädter die Runde, um das Wasser an insgesamt 37 Messstellen auf Sauerstoffgehalt, ph-Wert, Temperatur oder Leitfähigkeit zu testen.

Seit vier Jahren wird auf diese Weise statistisch erfasst, in welchem Zustand sich die Wasserkunst befindet – um notfalls einschreiten zu können. „So können wir auf lange Sicht erkennen, welches Gewässer wir besonders beachten müssen.“ So hat in der Glückstädter Wasserkunst, bei der alle Gewässer der Stadt durch ein System miteinander vernetzt sind, der Wasserfluss an einigen Stellen stark nachgelassen. Dadurch verschlechterten sich auch die Sauerstoffwerte an einigen Stellen. Zuletzt stand der Festungsgraben auf der Kippe. „Die Werte dort waren sehr schlecht, im Wasser war fast kein Sauerstoff mehr“, so Zerche. Schuld seien in erster Linie die ganzen Ablagerungen, die sich durch herabfallende Äste am Ufer, weggeworfenen Müll oder Matsch ansammeln. Die Orkane Christian und Xaver hätten dann ihr übrigens getan, so dass der Festungsgraben zuletzt völlig verstopft war.

Weil die Mess-Ergebnisse regelmäßig auch an die Stadt weitergeleitet werden, wurde jetzt reagiert. Mit Baggern wurde der Graben von Blattwerk und Modder befreit. Gleichzeitig wurde auf über 300 Metern Länge die Böschung auf der Stadtparkseite mit Flechtmatten und Pflöcken gesichert und verbreitert, damit das neue Pflanzenreich besser vegetieren kann. Für den Sportangler-Verein eine echte Erleichterung. „Den Festungsgraben auszubaggern war genau das Richtige“, sagt Vorsitzender Ralf Peters.

Generell seien die Durchflüsse der Wasserkunst aber in Ordnung, betonte Harry Zerche auch auf der jüngsten Jahresversammlung des Vereins. Außerdem sei der Durchlass unter die Itzehoer Straße hindurch gerade gespült worden. Von einem Fischsterben seien die Angler durch den milden Winter in diesem Jahr zudem verschont geblieben. Auch der zeitweise niedrige Wasserstand, der sich während der Arbeiten am Festungsgraben im sogenannten EAW-Grab am Janssenweg ergeben hatte, sei kein Grund zur Sorge gewesen.

Über Pokale, Ehrengaben und die Verleihung der schon seit 1960 Jahr weiterzureichenden Hecht-Königskette konnten sich Alexander Groth, Thomas Wasicek, Michael Scheppner und Robert Bundschuh – er fing beim Gemeinschaftsangeln einen 85 Zentimeter großen Hecht – sowie Marc Westerkowski für den größten Karpfen freuen. Für 15 Jahre im Verein wurde Jan Willms geehrt, Norbert Heldt und Klaus Pape für je 60 Jahre. Zurzeit zählt der Verein 318 Mitglieder. Zweiter Vorsitzender bleibt Werner von Holdt, die neuen Gewässerwarte heißen Harry Zerche und Marc Westerkowski. Erster Sportwart wurde Alexander Groth. Stefanie Kriesel wurde zur 2. Jugendwartin gewählt. Nach dem Kauf eines Laptops im vergangenen Jahr soll in diesem Jahr der Bau eines Steges im Batardeau und ein Gewässerbesatz mit seltenen Fischen umgesetzt werden.

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