Hitzewelle : „Wasser marsch“ gegen die Dürre

„Wasser, Wasser, Wasser“: Thorsten Haack ist wie drei weitere Kollegen des Kommunalservice seit Monaten mit dem Gießen von Itzehoes Bäumen beschäftigt.  Fotos: Ruff
„Wasser, Wasser, Wasser“: Thorsten Haack ist wie drei weitere Kollegen des Kommunalservice seit Monaten mit dem Gießen von Itzehoes Bäumen beschäftigt. Fotos: Ruff

Mit tausenden Litern Wasser versucht der Itzehoer Kommunalservice, Schäden an Bäumen und Grünanlagen durch die Trockenheit zu vermeiden.

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03. August 2018, 05:00 Uhr

„So was habe ich in fast vierzig Jahren Berufsleben noch nicht erlebt“, sagt Gärtnermeister Jörg Steffens. „Dieser Sommer wird in die Geschichte eingehen“, ergänzt Gärtner Thorsten Haack. Gemeint ist die langanhaltende Trockenperiode, die Steffens, Haack und ihre Kollegen vom Itzehoer Kommunalservice vor ganz neue Herausforderungen stellt. Sie versuchen, mehrere hundert Bäume und Teile der bepflanzten städtischen Grünanlagen vor dem Dürretod zu bewahren.

Seit dem Frühsommer heißt es für Haack nur noch „Wasser, Wasser, Wasser“. Gemeinsam mit drei anderen Gärtnern ist er im Stadtgebiet unterwegs, um Bäume und Beete zu wässern. Früh morgens um fünf beginnen die Männer mit dem Wässern. In der Mittagshitze hören sie auf. Dass ist nicht nur für sie angenehmer – es würde auch zu viel Wasser gleich verdunsten, erklärt Steffens. Drei Fahrzeuge mit Wassertanks und Pumpen sind im Einsatz.

„Würden wir nicht wässern, wären vor allem die jüngeren Bäume bereits tot“, sagt Steffens. „Zuletzt hatten wir im April wirklich nennenswerte Niederschläge. Seitdem kam nicht mehr viel.“

Alle Itzehoer Bäume zu wässern, würde die Kapazitäten des Kommunalservice sprengen. „Wir müssen uns auf 400 Bäume beschränken, die in den vergangenen fünf Jahren gepflanzt wurden“, erklärt Steffens. Weitere 150 Bäume versorgt ein landwirtschaftlicher Lohnunternehmer aus Herzhorn mit einem Tankfahrzeug. Junge Bäume seien besonders gefährdet, weil ihr Wurzelwerk noch nicht so tief reiche. „Die alten, großen Stadtbäume werden es schon schaffen“, so Steffens.

Ihnen könne man aber ohnehin nur schwer helfen. „Bei vielen ist der Boden ringsum durch Pflasterung oder ähnliches versiegelt und selbst wo er es nicht ist, ist die Oberfläche inzwischen so hart, dass das Wasser nicht eindringen kann. Da bringt dann Gießen nicht sehr viel“, sagt der Gärtnermeister.

Bei einigen Jungbäumen kommen so genannte Bewässerungssäcke zum Einsatz, etwa an der Straße Vor dem Delftor. „Die Säcke geben Wasser über viele Stunden tröpfchenweise ab“, erklärt Steffens. Effizient und sinnvoll sei diese Methode – leider könne sie nicht überall angewandt werden. „Wir hatten bereits einige Säcke und haben dann auch nachgeordert. Nun ist der Markt leider leer gefegt.“

Neben den Bäumen bewässern die Gärtner auch Teile der Grünanlagen. „Auch da mussten wir eine Auswahl treffen und konzentrieren uns auf die in jüngerer Zeit angelegten Teile, weil sie besonders anfällig sind“, sagt Steffens. Mit etwa 40 000 Litern Wasser täglich versuchen Thorsten Haack und seine Kollegen, Schäden so gut wie möglich zu vermeiden. Das Wasser holen sie aus Teichen und Regenrückhaltebecken. „Die sind zum Glück noch gut gefüllt“, sagt Steffens.

Ganz ohne Verluste in der Pflanzenwelt werde der Sommer aber nicht vorübergehen. Allerdings bedeute es noch nicht unbedingt den Tod einer Pflanze, wenn sie jetzt beispielsweise ihr Laub abwerfe. „Ob sie wirklich ein Opfer der Dürre geworden ist, wird man erst im nächsten Frühjahr sehen“, sagt Steffens. Deshalb bleiben scheinbar vertrocknete Bäume zunächst auch stehen. „Erst mal abwarten, heißt die Regel. Rausreißen kann man immer noch.“

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