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Elbefähre Brunsbüttel : Warum fährt die „Grete“ nicht?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Das beharrliche Schweigen der estnischen Muttergesellschaft schürt Befürchtungen um die wirtschaftliche Lage der Reederei.

Seit Sonntagabend ist eine der beiden Cuxhavenfähren der Reederei Elb-Link außer Betrieb. Es soll sich um einen relativ leicht zu beseitigenden Schaden am Antrieb handeln, einen defekten Sensor im Wert von rund 200 Euro. Inzwischen mehren sich die Befürchtungen, die estnische Muttergesellschaft habe die „Grete“ aus wirtschaftlichen Gründen aus dem Verkehr gezogen – oder stehe gar vor dem Aus.

Bernd Bässmann, Betriebsleiter der Cuxhavener Reederei Elb-Link, sieht sich derzeit auf verlorenem Posten. Rückmeldungen von der Geschäftsführung bekomme er nicht. „Dieses große Schweigen weiß auch ich momentan nicht richtig zu deuten, zumal an dem Schiff kein wirklich schwerwiegender Ausfall erkennbar ist“, so Bässmann auf Nachfrage. Er betont: „Entgegen den Gerüchten ist das Schiff weder arrestiert und noch liegt ein Treibstoffmangel vor. Natürlich lässt die derzeitige Auslastung zu wünschen übrig.“

Abgesehen von der Fracht, die sich zuverlässig und positiv entwickele, „fehlen natürlich momentan die Urlauber“. Dann übt der Betriebsleiter, der bei Elb-Link auch fürs Marketing zuständig ist, massiv Kritik am Mutterunternehmen, der estnischen Reederei Saaremaa Laeiva Kompanii. Die ist für den Schiffsbetrieb zuständig. Bässmann: „Für die so immens wichtige Werbung werden nur sehr begrenzte Mittel zur Verfügung gestellt.“ Auch dauere die Überfahrt der beiden Doppelend-Fähren „Grete“ und „Anne-Marie“ noch immer zu lange. „Dies war zum Start der Linie ganz anders geplant, wurde nur leider bis heute nicht umgesetzt.“

Die Fährlinie, die seit 20. August 2015 Brunsbüttel und Cuxhaven verbindet, musste sich erst im Sommer des Vorwurfs der Insolvenzverschleppung erwehren. Der damalige Geschäftsführer Christian Schulz, der inzwischen durch den Esten Gren Noormets abgelöst wurde, beeilte sich damals, eine positive Entwicklung der Linie zu skizzieren. Die hatte nach dem späten Start gerade im Winter 2015/16 Federn gelassen. Noch im Dezember vergangenen Jahres betonte Bernd Bässmann, das Geschäft stabilisiere sich. Mit Beginn der Osterferien würden auch wieder Gewinne eingefahren. Allerdings sagt er auch: „Sehr bedenklich finde ich, dass aufgrund der undurchsichtigen derzeitigen Situation im schlimmsten Fall auch immerhin 52 Arbeitsplätze gefährdet werden können. Das ist nicht akzeptabel.“

Bei den Kunden, zu denen auch die Brunsbütteler Spedition Kruse gehört, sorgt der seit Montag geltende Ersatzfahrplan mit deutlich weniger Überfahrten am Tag für Unmut. Zwischen 10 und 20 Laster hat Kruse mit Elb-Link täglich über die Elbe geschickt. „Wir müssen umplanen“, sagt Harald Ertl, Logistikchef bei Kruse. Inzwischen setzen seine Lkw in Glückstadt über. Dort gebe es mittlerweile allerdings Staus. Und die A7 ist für Ertl keine Alternative. Kruse versorgt seinen Standort in Bremerhaven mit Zubehör für Windkraftanlagen. Das sei durch die aktuelle Situation deutlich erschwert.

Ratlosigkeit herrscht bei der Egeb-Wirtschaftsförderung, die am Zustandekommen der Fährverbindung maßgeblich beteiligt war. Geschäftsführerin Martina Hummel-Manzau sagt: „Wir haben keine Informationen.“ Die hat auch Brunsbüttels Bürgermeister Stefan Mohrdieck nicht. „Das ist eine ganz unklare Situation“, sagt er. Wenn es an 200 Euro scheitere, sei das schon seltsam.

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erstellt am 23.Feb.2017 | 11:00 Uhr

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