Arbeitskampf in Brokdorf : Warnstreik im Kernkraftwerk

Rund 150 Mitarbeiter beteiligten sich gestern in Brokdorf am Arbeitskampf.
Rund 150 Mitarbeiter beteiligten sich gestern in Brokdorf am Arbeitskampf.

Rund 150 Mitarbeiter des Brokdorfer Kernkraftwerks haben die Arbeit nieder gelegt – sie fordern höhere Löhne.

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27. Februar 2018, 05:07 Uhr

Vergangene Woche mussten sie wegen eines Luftalarms ihren Arbeitsplatz für fast eine Stunde verlassen, gestern gingen sie in eigener Sache ins Freie. Ein großer Teil der Belegschaft des Kernkraftwerks Brokdorf legte im Rahmen eines Warnstreiks die Arbeit für fünf Stunden nieder. Damit sollte ihren Forderungen nach spürbaren Verbesserungen in den laufenden Verhandlungen der Tarifgemeinschaft Energie Nachdruck verliehen werden.

Wie Andreas Riedl als Sprecher der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi im Landesbezirk Nord mitteilt, hätten sich gestern in Brokdorf rund 150 Mitarbeiter an dem Ausstand beteiligt. Die Stimmung sei gut, meinte er kurz vor Ende des Warnstreiks. Auch, so fügte er hinzu, weil die Versorgung gut sei. Die Mitarbeiter hatten sich zeitweise auf dem Parkplatz des Kraftwerksgeländes versammelt, waren wegen der Kälte dann aber zum Aufwärmen auch ins Informationszentrum ausgewichen. Auf den laufenden Betrieb des Kraftwerks hatte der Arbeitskampf keine Auswirkungen. In solchen Fällen gebe es mit dem Betreiber eine Notdienstvereinbarung. Parallel zu Brokdorf hätten auch Mitarbeiter an den Kraftwerksstandorten Grohnde, Unterweser und Stade für einige Stunden die Arbeit niedergelegt. Bereits in der vergangenen Woche, so Riedle, hätten in Bayern rund 2000 Mitarbeiter für ihre Forderungen gekämpft. Heute findet für die Beschäftigten des Eon-Konzerns noch eine zentrale Veranstaltung in Hannover statt, an der auch eine große Delegation aus Brokdorf teilnehme. Kraftwerksbetreiber Preußen Elektra gehört zum Eon-Konzern. Den Organisationsgrad in der Elbgemeinde beziffern Gewerkschaftsvertreter mit etwa 85 Prozent. Zuletzt hatten die Brokdorfer vor fünf Jahren an einem Arbeitskampf teilgenommen.

Laut Andreas Riedle sind innerhalb der Tarifgemeinschaft rund 10 000 Mitarbeiter betroffen. Im Kern geht es unter anderem um eine Erhöhung der Vergütungen ab 1. Februar um 6 Prozent sowie eine Anhebung der Auszubildendenvergütungen um 175 Euro. Daneben macht sich die Belegschaft für einen tariflichen Rechtsanspruch ab 2019 auf unbefristete Übernahme nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung stark. In einer zweiten Verhandlungsrunde hatten die Arbeitgeber Ende Januar Lohn- und Gehaltserhöhungen von 2,1 Prozent bei einer Laufzeit von 18 Monaten angeboten. Der zuständige Verdi-Bundestarifsekretär, Stefan Najda, wies das als „unzumutbar“ zurück. Die Beschäftigten und die Auszubildenden würden keinen Reallohnverlust hinnehmen. Falls heute auch in der dritten Runde keine Einigung zustande kommt, schließt Immo Schlepper als Mitglied der Verhandlungskommission auch einen unbefristeten Erzwingungsstreik nicht aus.

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