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Aktion „Gewalt gegen Frauen“ : Warnsignale frühzeitig erkennen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Eine Wochen lang stand „Gewalt gegen Frauen“ in Wilster auf dem Stundenplan. Die Schüler erfuhren dabei unter anderem, welche unterschiedlichen Formen der Gewalt es gibt.

„Mein Ex-Freund hat mich mehrfach als Schlampe bezeichnet, mir unterstellt, ich hätte eine Affäre mit einem anderen und immer wieder gedroht, diesen zu verprügeln“, sagte eine 15-jährige Schülerin der Gemeinschaftsschule Wilster. Sie hatte die Beleidigungen und Drohungen nie als Gewalt eingestuft. „Ich weiß auch nicht, ich habe mich halt nie mit dem Thema auseinander gesetzt“, gestand sie. Eine 16 Jahre alte Mitschülerin, die von ihrem Ex-Freund häufiger geschubst und gestoßen wurde, erkannte die Gewalt sofort und zog ihre Konsequenzen. „Ich habe mich sofort getrennt, da hatte ich absolut keinen Bock drauf“, so die Schülerin.

Im Zuge der Aktionswoche „Gewalt gegen Frauen“ an der Gemeinschaftsschule Wilster, die mit einem Besuch der beiden Mitarbeiterinnen des Autonomen Frauenhauses Itzehoe, Sabine Bahlo und Eva Schön, ihr Ende fand, erfuhren die Neuntklässlerinnen und ihre Mitschüler, wo Gewalt gegen einen Menschen bereits beginnt. „Gewalt hat viele Gesichter“, betonte Bahlo bei ihrer Abschlussrunde. „Die körperliche Gewalt ist nur eine Form, daneben gibt es psychische, sexuelle, ökonomische und soziale Gewalt.“

Nach einer aktuellen Studie hat jede dritte Frau in Europa bereits einmal häusliche Gewalt erfahren. „In jeder Familie, in der häusliche Gewalt ausgeübt wird, sind die Kinder immer direkt betroffen. Auch dann, wenn sich die unmittelbare Gewalt gegen ein anderes Familienmitglied richtet“, erläuterte Schön. Die Lehrer an der Gemeinschaftsschule erleben nicht selten, dass Kinder ab der fünften Klasse unter häuslicher Gewalt leiden. „Die Auswirkungen der Gewalt sind unter anderen am Verhalten der Kinder zu erkennen“, sagte Schulleiterin Marlis Krumm-Voeltz. So können sich die betroffenen Kinder häufig nicht auf den Unterricht konzentrieren und tragen ein „dünnes Nervenkostüm“.

Sowohl die Schulleiterin als auch die Mitarbeiterinnen des Autonomen-Frauenhauses zeigten sich überaus glücklich über die von der Gleichstellungsbeauftragten Anke Rohwedder angeregten Aktionswoche. „Uns liegt dieses Thema sehr am Herzen und wir möchten einen aktiven Beitrag leisten, um jegliche Formen von Gewalt durch Prävention zu verhindern“, waren sich die Beteiligten einig. Während Schülern, die unter häuslicher Gewalt leiden, unter anderen die Schulsozialarbeiter als erste Ansprechpersonen dienen, bietet das Autonome Frauenhaus notleidenden Frauen eine Anlaufstelle. In der Einrichtung, in der bis zu 18 Plätze für Frauen und Kinder zur Verfügung stehen, wurden im Lauf des Jahres 60 Personen beherbergt. Die durchschnittliche Aufenthaltszeit betrug zwischen einer Woche bis zu einem Monat. „Eine zeitliche Begrenzung für den Aufenthalt bei uns gibt es nicht, doch oft möchten die Frauen schnell in eine eigene Wohnung ziehen und ein neues Leben beginnen“, so Eva Schön. Die Mitarbeiterin des Frauenhauses weiß aber auch, dass nicht jede Frau die Kraft aufbringt, sich beim ersten Anlauf von dem gewalttätigen Partner zu trennen. „Manchmal bedarf es zwei oder auch drei Versuche.“

>Informationen: Wege aus der Gewalt – Frauenhaus Itzehoe, 04821/61712 (24 Stunden).

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